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Städteranking 2011: Ausgerechnet Kassel

Seit dem Ende der großen Arbeitslosigkeit wird über das Geheimnis des deutschen Wirtschaftswunders gerätselt. Die Sieger im Städtetest offenbaren die Essenz des Erfolgs – die Verlierer zeigen, woran es anderswo mangelt.

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Der Karlsauepark in Kassel. Quelle: dapd
Der Karlsauepark in Kassel. Quelle: dapd

Für gewöhnlich folgen Konjunktur und Stimmung in Kassel einem strengen Fünf-Jahres-Rhythmus. Einige Wochen vor und während der weltweit beachteten Kunstschau Documenta befindet sich die Stadt in Aufruhr, Hotels und Privatunterkünfte sind restlos ausgebucht.

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Wenn es das nächste Mal soweit ist, wird sogar ein leer stehendes Gefängnis zur Pension, nur die Zellentüren brauchen noch Griff und Schlüsselloch auf der Innenseite. Ist das Spektakel vorbei, ergeht man sich für den Rest der Zeit in Melancholie.

Die nächste Documenta steigt im Sommer 2012, nach Kalender ist also Schwermut angesagt. Doch Bertram Hilgen kommt aus dem Strahlen gar nicht mehr heraus. Hilgen, 57, ist Oberbürgermeister von Kassel, ein gewissenhafter und zurückhaltender Sozialdemokrat.

Gerade hat er das Museum „Neue Galerie“ eröffnet, 25 Millionen Euro hat das Land Hessen in die Erneuerung des historischen Gebäudes investiert. Insgesamt fließen bis 2015 gut 200 Millionen Euro vom Land in die Museen der Stadt, das ist mehr als die Hälfte der gesamten Kulturinvestitionen des Landes.

Wohlstand deutlich erhöht

„Kassel bekommt die Bedeutung, die es als Kunststadt verdient“, sagt Hilgen. Schließlich sei Kassel hinter Frankfurt und Stuttgart die Stadt mit der drittgrößten Dichte an Museen im Land. Das weiß bloß keiner. Man muss den üppigen Geldfluss Richtung Kassel als Signal verstehen dafür, dass der Glaube an ein Gedeihen der Stadt zumindest schon bis Wiesbaden reicht.

„Kassel ist eine unserer wichtigsten Boomregionen“, sagt Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Während die gesamte deutsche Wirtschaft in den vergangenen Jahren einen fulminanten Aufstieg erlebt hat, hebt sich Kassel in besonderem Maße von dieser Entwicklung ab. Nirgendwo sonst ist zugleich die Zahl der Langzeitarbeitslosen so stark gefallen, während sich zugleich der Wohlstand deutlich erhöhte.

Für das Städteranking haben die WirtschaftsWoche und die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) bereits zum achten Mal das Kölner Beratungshaus IW-Consult, Tochter des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), mit einer umfassenden Analyse der Entwicklung Deutschlands größter Städte beauftragt.

Insgesamt nahmen die Forscher von Berlin (3,5 Millionen Einwohner) bis Solingen (160.000) 50 Städte anhand von 91 Indikatoren unter die Lupe. Sie griffen auf mehr als ein Dutzend Quellen wie die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, die Daten des Statistischen Bundesamtes oder der Bundesagentur für Arbeit zurück und ermittelten zudem eine Reihe von Daten exklusiv für den Test.

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3 Kommentare

  • 14.12.2011, 20:04 UhrAnonymer Benutzer: MarcMeyer

    Ausgerechnet Kassel. Das ist ein treffender Titel. Vor sechs Jahren bin ich dort weggezogen, weil ich als gut ausgebildeter junger Mann keine Arbeit gefunden habe. Jetzt lebe ich in Frankfurt und sehe aus der Ferne, wie dort nicht nur K+S, SMA und Wintershall einen beispiellosen Boom erleben. Auch die Infrastruktur wird ausgebaut (Flughafen, Uni, RegioTram) und im Umland florieren die Logistik-Unternehmen (Amazon, DHL, Volkswagen Zentrallager).
    Wenn die Bank, in der ich arbeite, die Finanzmarktkrise nicht überstehen sollte, kehre ich vielleicht irgendwann in meine nordhessische Heimat zurück. Warum nicht? Dort lässt es sich sehr gut leben. Die Immobilien sind günstig. Das Kulturangebot ist gut. Die Natur ist schön.
    Es gibt nur eine Sache, die mich an Kassel stört. Das Wetter.

  • 14.12.2011, 17:14 UhrAnonymer Benutzer: Rene

    Wenn man 25 Mio. € des Steuerzahlers verpulvert für ein weiteres Museeum, dass dauerhafte jährlich dann weitere Steuergelder verschlingt ist das absolut keine Erfolg, sondern desaströs. Ich sehe da 0 Grund zur Freude!

  • 14.12.2011, 15:35 UhrAnonymer Benutzer: FreundHein

    INSM also…
    o.K. ist also platte Propaganda.
    Das Blatt wird immer dünner, ich meine: inhaltlich.
    Wusste gar nicht, dass die Holtzbrink-Gruppe zu den Hackfressen um Bouffier, Koch etc. gehört, nice to know!

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