_

Städtetag: Wie die Kommunen den Finanzkollaps abwenden wollen

exklusiv Mit deutlichen Worten hat sich der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, gegen das Beharren der FDP auf Steuererleichterungen gewandt und zugleich Vorschläge zur Verbesserung der kommunalen Einnahmen gemacht. Städteverbandschef Landsberg begrüßte es, dass der Bundesfinanzminister Hilfen versprochen habe.

Die Kommunen belasten explodierenden Sozialausgaben, die 2009 über 40 Milliarden Euro betrugen. Quelle: dpa
Die Kommunen belasten explodierenden Sozialausgaben, die 2009 über 40 Milliarden Euro betrugen. Quelle: dpa

DÜSSELDORF. „Ein Staat der mit 1,7 Billionen Euro verschuldet ist, dessen Sozialausgaben explodieren und dessen Kommunen sich ständig neu verschulden müssen, hat keine Spielräume für Steuerentlastungen“, sagte Landsberg Handelsblatt Online. Wichtiger seien Reformen, die das Sozialsystem der Kommunen stabilisieren und die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen.

Anzeige

Die FDP hält trotz der Euro-Krise an ihren Steuersenkungsplänen fest. „Es gibt da keinen fachlich zu begründenden Zusammenhang. Der wird allenfalls von politisch interessierter Seite konstruiert“, sagte Parteichef Guido Westerwelle am Freitag. Sein Stellvertreter Andreas Pinkwart warf Finanzminister Wolfgang Schäuble vor, seinen politischen Gestaltungswillen aufgegeben zu haben. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch wies darauf hin, dass die Griechenland-Hilfe sich über mindestens drei Jahre hinziehen wird.

Landsberg forderte, die Bundesregierung müsse Soforthilfen zur Verfügung stellen, damit die Kommunen nicht handlungsunfähig werden. „Dazu gehört eine höhere Beteiligung der Unterkunftskosten für die Hartz IV Empfänger und kurzfristige Überbrückungshilfen zum Beispiel über die Kreditanstalt für Wiederaufbau“, sagte der Städtebund-Hauptgeschäftsführer. Die weiteren Reformansätze, die die Gemeindefinanzkommission des Bundes in den Blick nehmen müsse, sei die Gewerbesteuer. Diese Einnahmequelle müsse etwa durch die durch Einbeziehung der freien Berufe stabilisiert werden.

Für „unverzichtbar“ hält Landsberg überdies eine dauerhafte Entlastung der Kommunen bei den explodierenden Sozialausgaben, die 2009 über 40 Milliarden Euro betrugen. „Als erster Schritt sollten die Eingliederungshilfe für Behinderte - 2009 über 13 Milliarden Euro - als gesamtstaatliche Aufgabe auch gesamtstaatlich finanziert werden“, regte Landsberg an. Ein Teil der Leistungen könne der Kranken- bzw. Pflegeversicherung zugeordnet werden.

  • Die aktuellen Top-Themen
Studie: Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Wenn zwei Unternehmen um ein anderes streiten, bedeutet das oft nicht Gutes für den Gewinner. Denn bei Übernahmen können die Sieger die Erwartungen oft nicht erfüllen. Profiteur ist - der Verlierer.

Die Linke: Ulrich Maurer greift Parteispitze an

Ulrich Maurer greift Parteispitze an

In der Linken mehrt sich der Protest gegen die Parteispitze und den Zustand der Partei. Fraktionsvize Ulrich Mauer fordert eine radikale Verjüngungskur - und mehr Frauen. Denn in diesem Punkt hapert es gewaltig.

IWF-Chefin wird deutlich: Lagarde zeigt wenig Mitleid für die Griechen

Lagarde zeigt wenig Mitleid für die Griechen

Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds, hält den Druck auf Griechenland für angemessen. Ihr Ratschlag an die Griechen: „Sie sollten sich alle zusammen selber helfen, indem sie ihre Steuern zahlen.“