Stärkere Kontrolle
Banken stehen derzeit unter strenger Aufsicht

Die deutschen Bankenaufseher schauen den Instituten derzeit im Aufschwung verstärkt auf die Finger. Denn das Risiko aus einer Zinsänderung ist derzeit höher als sonst - und die Finanzkrise noch nicht überwunden.
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FrankfurtEin Viertel der Zinserträge der Banken stammten derzeit aus der Fristentransformation, also dem großen Abstand zwischen den niedrigen kurz- und den höheren langfristigen Zinsen, sagte der scheidende Bundesbank-Vizepräsident Franz-Christoph Zeitler. Dadurch stiegen die Risiken aus einer Änderung der Zinsen deutlich. „Die Aufsicht reagiert darauf zunächst mit einer intensiveren Überwachung“, kündigte Zeitler an. Die Banken müssten derzeit regelmäßig mögliche Auswirkungen eines Zinsschocks melden und nicht nur bei Ausreißern.

Die Bundesbank und die Finanzaufsicht BaFin wollten damit aber nicht wie von vielen Banken befürchtet die langfristige Kreditvergabe einschränken, betonte Zeitler. Den Instituten würden nur dann zusätzliche Kapitalauflagen gemacht, wenn die Kapitaldecke zu gering sei, alle Risiken zu tragen.

Die Finanzkrise sei auch vier Jahre nach ihrem Ausbruch nicht überwunden, sagte der Bundesbank-Vize auf einer Konferenz zur Finanzmarktregulierung. „Die Nachhaltigkeit der Erträge zu sichern ist gerade für viele der größeren Banken weiterhin eine Herausforderung“, betonte er. Die Märkte seien anhaltend nervös, das Handelsergebnis der Banken habe sich im vergangenen Jahr halbiert. Zeitler bekräftigte die Berechnungen der Bundesbank, dass vor allem die Großbanken wegen der verschärften Regulierung nach „Basel III“ rund 50 Milliarden Euro an hartem Kernkapital - Aktien und Rücklagen - aufbauen müssten.

Dennoch sei das Bankensystem in Deutschland in weiten Teilen gefestigter als noch vor einem Jahr. Die Kernkapitalquote der Banken sei im Schnitt seit der Lehman-Pleite im September 2008 auf 12,3 von 9,4 Prozent gestiegen, rechnete Zeitler vor. Sie hätten ihre Bilanzsummen um 1,5 Billionen Euro abgebaut. Davon entfielen 730 Milliarden auf die staatlich gestützten Banken, die damit die Hälfte der EU-Auflagen bereits erfüllt hätten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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