Standort Deutschland: Der Preis der Arbeit steigt

Standort Deutschland
Der Preis der Arbeit steigt

Die Arbeitskosten legen in Deutschland schneller zu als im EU-Vergleich. Das liegt nicht zuletzt an höheren Lohnnebenkosten. Hilft der Preisauftrieb der Binnenkonjunktur oder schadet er dem Standort Deutschland?

BerlinDie Arbeitskosten in Deutschland sind im vergangenen Jahr deutlich stärker gestiegen als in den beiden Vorjahren. Pro geleistete Arbeitsstunde legten sie um 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Besonders kräftig fiel das Plus mit 3,1 Prozent bei den Lohnnebenkosten aus – der größte Anstieg seit dem Jahr 2010. Die Bruttoverdienste kletterten um 2,5 Prozent, einen stärkeren Zuwachs hatte es zuletzt 2012 gegeben. Hier dürften sich vor allem die Auswirkungen des gesetzlichen Mindestlohns zeigen.

Für den europäischen Vergleich liegen bisher nur die Daten von 27 der 28 EU-Staaten bis zum dritten Quartal 2015 vor. Demnach sind die Arbeitskosten in Deutschland verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 2,4 Prozent gestiegen. Das Plus liegt damit deutlich über dem EU-Durchschnitt von 1,8 Prozent. Die größten Steigerungen gab es mit jeweils mehr als sieben Prozent in Lettland, Bulgarien und Rumänien. Sinkende Arbeitskosten verzeichneten auf Jahressicht Portugal, Slowenien, Zypern, Italien und Luxemburg. Deutschlands wichtiger Handelspartner Frankreich musste mit 1,1 Prozent ein geringeres Kostenplus verkraften, die Niederlande verzeichneten eine stagnierende Entwicklung.

Dass die Arbeitskosten im Durchschnitt der EU nur um 1,8 Prozent und der Euro-Zone nur um 1,1 Prozent gestiegen sind, ist für das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) ein Beleg für weiter akute Deflationsgefahr. Deutschland habe sich nicht dazu verleiten lassen, in einen Unterbietungswettlauf mit wirtschaftlich schwächeren Ländern einzusteigen, sagte IMK-Arbeitsmarktexperte Alexander Herzog-Stein. „Damit leistet die stärkste Volkswirtschaft Europas einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung in Europa“, sagte der Ökonom.

Selbst wenn man die Lohnstückkosten zugrunde lege, die die Produktivitätsentwicklung berücksichtigten und deshalb aussagekräftiger seien, gebe es in Deutschland keinen Grund zur Sorge, schreiben die IMK-Forscher. Die Lohnstückkosten hätten sich 2015 mit zwei Prozent konform zum EZB-Inflationsziel entwickelt. In der langfristigen Entwicklung zwischen 2000 und 2015 lägen sie mit einem Plus von einem Prozent im Jahresdurchschnitt zudem weit unter dem Mittel im Euro-Raum. Unter dem Strich habe die Entwicklung von Löhnen und Arbeitskosten im vergangenen Jahr die Binnennachfrage gestärkt, ohne die sehr hohe internationale Wettbewerbsfähigkeit zu dämpfen, sagte der Wissenschaftliche Direktor des IMK, Gustav A. Horn.

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