Standortranking
Berlin wird zum Problemfall

Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung verliert der Standort Berlin im bundesdeutschen Wettbewerbs weiter an Boden. Sogar die übrigen ostdeutschen Bundesländer entwickelten sich positiver.

DÜSSELDORF „Arm, aber sexy“ nennt Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sein Land. „Extrem unsicher“ und „hoffnungslos abgeschlagen“, muss man laut einer neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung dem wohl hinzufügen. Denn nach Ansicht der Gutachter droht das Land Berlin im bundesweiten Standort Wettbewerb den Anschluss zu verlieren. „Die übrigen Bundesländer, übrigen Stadtstaaten und die übrigen ostdeutschen Bundesländer entwickeln sich erfolgreicher als die Bundeshauptstadt“, heißt in dem Standortranking der Bertelsmann-Stiftung. Bemerkenswert sei, dass das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner Berlins inzwischen niedriger als in jedem westdeutschen Flächenland sei, obwohl gerade in dieser Größe Stadtstaaten stets Vorteile hätten.

Sieger des zum vierten Mal durchgeführten Gesamtrankings war abermals Hamburg. Der Stadtstaat liegt bei Einkommen und Beschäftigung seiner Bürger vorne. Außerdem sei es der sicherste Stadtstaat. „Die Elbmetropole legt einen Schwerpunkt auf die Kriminalitätsbekämpfung.“ Die „deutliche Verbesserung“ der inneren Sicherheit sei Erfolg der Politik, so das Gutachten, das unter Leitung des Würzburger Ökonomen Norbert Berthold erstellt wurde. In der Untersuchung wurden die Arbeitslosen- und Erwerbstätigenquote, das Einkommen sowie die soziale und innere Sicherheit zu einem Erfolgsindex zusammengefasst.

Bayern und Baden-Württemberg bieten laut Studie ihrer Bevölkerung das höchste Maß an Sicherheit. Nirgendwo sonst seien die Bürger so wenig von Kriminalität und Armut bedroht. In Bayern war die Aufklärungsquote der Polizei im Durchschnitt der Jahre 2004 bis 2006 die höchste im Vergleich aller Länder, die Zahl der Sozialhilfeempfänger pro 1000 Einwohner mit 38,7 die niedrigste

.

Der Bereich Sicherheit ist laut Bertelsmann-Stiftung derjenige, in dem die ostdeutschen Bundesländer am ehesten mithalten können. So belegt Thüringen mit 7,87 von 10 möglichen Punkten hinter Rheinland-Pfalz den vierten Platz.

In Sachen Beschäftigung und Einkommen ist Ostdeutschland dagegen weitgehend abgehängt. Lediglich Sachsen könne bei einigen Wirtschaftsdaten mit schwächeren Westländern mithalten. Insgesamt verfestige sich in den neuen Ländern eine Zweiteilung in die erfolgreicheren mitteldeutschen Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen einerseits sowie das weniger erfolgreiche Trio im Nordosten, bestehend aus Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg andererseits.

Erfolgreich entwickelte sich dagegen das Saarland. „Es liegt in allen betrachteten Dimensionen im grünen Bereich“, resümieren die Gutachter. „Trotz einer drückenden Schuldenlast zeigt das einstige Sorgenkind, wie mit kluger Innovationspolitik und dem günstigen Rückenwind der Weltkonjunktur der Strukturwandel angegangen werden kann“, sagte Stiftungsvorstand Johannes Meier.

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