Standortvorteil
Deutschlands Trumpf ist die Industrie

Seine derzeitige Stärke verdankt Deutschland vor allem der Industrie, die noch vor wenigen Jahren als „old economy" verschmäht wurde. Dazu kündigt Umweltminister Altmaier eine Revision der Energiewende an.
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Berlin/Brüssel/DüsseldorfEs war Gerhard Schröder, der im August 2002 auf Konfrontation zu den Propheten der Dienstleistungsgesellschaft ging: "Wir können nicht davon leben, uns gegenseitig die Haare zu schneiden", sagte der damalige Bundeskanzler in einer Feierstunde zum 40. Jubiläum des Bochumer Opel-Werks. Wer glaube, die "Old Economy" nicht mehr zu brauchen, der irre sich.

Zehn Jahre später ist zwar die Zukunft des Opel-Werks in Bochum unsicherer denn je. Doch insgesamt steht der Industriestandort Deutschland in voller Blüte - gerade auch die Autohersteller und deren mittelständische Zulieferer. Die hiesigen Exporteure liefern pro Monat Waren für fast 100 Milliarden Euro auf die Weltmärkte. Die Industrie, in der jeder fünfte Beschäftigte arbeitet und die für rund ein Viertel der Wirtschaftsleistung steht, boomt - am Boden liegen Finanzdienstleister.

"Heute zahlt es sich aus, dass Deutschland den Grabreden auf die Old Economy widerstanden hat", sagte Industriepräsident Hans-Peter Keitel dem Handelsblatt. Überall in Europa, wo derzeit über die Schuldenkrise geklagt wird, sind die Deindustrialisierung und die Exportschwäche als Hauptursache zu nennen.

Auch wenn die deutsche Europapolitik weiter angefeindet wird, Deutschlands starke Industrie gilt als Vorbild. Die Briten, die seit den 80er-Jahren allein auf den Finanzplatz London gesetzt hatten, investieren wieder in neue Autofabriken. Frankreichs Regierung will den auf rund 14 Prozent abgesunkenen Industrieanteil wieder erhöhen und kämpft - wie aktuell beim angeschlagenen Autobauer PSA - um jeden Standort, zur Not auch mit Subventionen.

Und auch den Schuldenstaaten Südeuropas empfiehlt EU-Industriekommissar Antonio Tajani das deutsche Rezept: "Realwirtschaft, Unternehmen und das produzierende Gewerbe müssen wieder in den Mittelpunkt der Politik gerückt werden", sagte der Italiener.

Auch die Bundesregierung fordert eigene Anstrengungen der Krisenstaaten, um möglichst schnell wieder von den Milliardenhilfen der Euro-Partner unabhängig zu werden. "Wir müssen alles tun, um eine schleichende Deindustrialisierung Europas zu verhindern", mahnt Wirtschaftsminister Philipp Rösler.

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  • Die Basis von nachhaltigem wirtschaftlichen Wohlergehen ist die Schaffung realer Werte, die durch Produktion von Gütern entstehen. Um dies effizient und kostengünstig tun zu können, muss man arbeitsteilig und intelligent vorgehen. Vorraussetzungen dazu sind Innovationsfreudigkeit, Kundenorientierung, Ausbildung von qualifizierten Arbeitskräften, Konzentration auf die Stärken und Eliminierung von Schwächen, Ergänzung durch Benutzung von spezifischen Dienstleistungen, die man nicht zur Leistungserbringung ständig braucht, Balance von Erfolg und Beteiliung der Garanten des Erfolgs am Ergebnis. Erfolgreiche Unternehmen tun das. Seit der sog. Wirtschaftswunderzeit ist der Erfolg der deutschen Wirtschaft zum einen durch Auflagen der Gesellschaft (Beschäftigungsregeln, Ökologie, Standort, Infrastruktur usw.) an Unternehmen, um das soziale Miteinander einvernehmlich zu verbessern und zum anderen durch die Innovationskraft und den Ideenreichtum, der auf guter Ausbildung fußt stetig verbessert worden. Die Überwindung der gegensätzlichen latenten Interessen zugunsten des langfristigen Fortscheibens der übergeordneten Ziele der Gesellschaft und der Unternehmen durch innerbetriebliche Regelungen und durch Möglichkeiten wie Kurzarbeit und Ausbildung Jugendlicher über den eigenen Bedarf an Mitarbeitern hinaus, führen zu einer höheren Stufe an Wettbewerbsfähigkeit und Reaktionseffizienz auf wirtschaftliche Veränderungen. Ein weiterer Pfeiler ist die hohe Anzahl an Unternehmen in privater Hand, getragen von Unternehmerfamilien mit hoher Eigenkapitalausstattung und Mut zu Spezialisierung, Innovation und hoher Flexibilität.
    Im Gegensatz zu diesem Erfolgsrezept der deutschen Wirtschaft als Ganzem steht die Erwirtschaftung von Buchgewinnen, die aufgrund von zeitlichen und wirtschaftlichen Indikatoren entstehen. Diese Gewinne sind nur in einem bestimmten kurzzeitigen Fenster zu erzielen und verschwinden so schnell wie sie sich aufgetan haben. Sind also nicht auf realen Werten gegründet

  • Unabhaengig der zeitweise leider duerftigen Beitraege, hier eine Feststellung, die auch im auslaendischen Komentariat kaum Beachtung findet, naehmlich dass ein wesentlicher Anteil an der positiven industriellen Lage Deutschlands der wechselseitigen Beziehung von Arbeitnehmern und Kapital zugute kommen muss. Fragt man sich im Ausland, was mit paritaetischer Mitbestimmung gemeint ist, erhaelt man bestenfalls den Hinweis auf den in Deutschland ueblichen "two tier board" oder Aufsichtstrat vs. Vorstand. Desgleichen gibt das angelsaechsche Kapitalverstaendnis nicht her. In anderen Worten, die Einbeziehung der Arbeitnehmer in unternehmenswichtigen Entscheidungen ist eine entscheidende Voraussetzung fuer den erfolgreichen Standort Deutschlands.

    Demgegenueber steht das all or nothing (winner takes all) Verstaendnis einer Gesellschaft, die nicht kompromissbereit ist. Hoffe, Deutschland bleibt sich selber treu.

    Cheers.

  • Herrn Schröder als Retter der Nation zu verkaufen ist mehr als dürftig.Die Klöpse die dieser Kanzler sich geleistet hat wären in diesem Zusammenhang sehr interessant.Dazu kommt noch was die Arbeitnehmern von diesem Boom haben.Schlusslicht bei Anstieg der Löhnen in Europa der letzten 20 Jahre,Fantastisch.

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