Stanford

Elite-Uni kritisiert von der Leyen

Verteidigungsministerin von der Leyen wehrt sich gegen neue Vorwürfe. Sie soll sich mit falschen Federn der kalifornischen Elite-Uni Stanford geschmückt haben.
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen muss sich gegen neue Vorwürfe verteidigen. Quelle: AFP
Ursula von der Leyen

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen muss sich gegen neue Vorwürfe verteidigen.

(Foto: AFP)

BerlinVerteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat den Vorwurf zurückgewiesen, sie habe in ihrem Lebenslauf falsche Angaben gemacht. Stationen an der US-Eliteuniversität Stanford habe sie korrekt dargestellt, versicherte die Politikerin in einer am Sonntag in Berlin verbreiteten Erklärung.

Die Universität wirft der Ministerin nach Recherchen der „Welt am Sonntag“ einen Missbrauch des Hochschulnamens vor. Die Ministerin führe in ihrem Lebenslauf Stationen in Stanford auf, sei aber nach Auskunft einer Unisprecherin in keinem offiziellen Programm eingeschrieben gewesen, das mit einem Schein oder akademischen Abschluss abgeschlossen werde.

Von der Leyen fügte ihrer Erklärung eine schriftliche Bestätigung ihrer Tätigkeit in der Krankenhausverwaltung der Gesundheitsdienste in Stanford hinzu, wo sie 1995 tätig gewesen sei. In dem Empfehlungsschreiben aus dem Jahr 1997 bestätigt die damalige stellvertretende Krankenhausdirektorin Kathy VanCamp, „Dr. Rose von der Leyen“ habe sechs Monate lang für sie an einer Marktanalyse und Machbarkeitsstudie gearbeitet.

Diese Politiker sollen abgeschrieben haben
Ursula von der Leyen
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Auf der Internetseite der Plagiatsjäger „VroniPlag Wiki“ heißt es, es gebe etliche Regelverstöße in der medizinischen Doktorarbeit Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyens. Die Dissertation von 1990 enthalte „zahlreiche wörtliche und sinngemäße Textübernahmen, die nicht als solche kenntlich gemacht sind“. Von der Leyen sagte: „Den Vorwurf des Plagiats kann ich zurückweisen.“ Die Universität in Hannover hat nun entschieden: Die Verteidigungsministerin behält ihren Doktortitel. Es seien zwar einige Plagiate festgestellt worden, es habe aber keine Täuschungsabsicht vorgelegen.

Anette Schavan
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Nach mehrmonatigen Prüfungen entzog die Uni Düsseldorf am 5. Februar 2014 der damaligen Bundesbildungsministerin den Doktortitel. Vier Tage später trat Schavan als Ministerin zurück. Zugleich rief sie - wie andere betroffene Politiker zuvor auch - gegen den Titelentzug die Justiz an.

Karl-Theodor zu Guttenberg
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Wochenlang beherrschte Anfang 2011 die Plagiatsaffäre um den CSU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg die Schlagzeilen. Mitte Februar tauchten erste Berichte über Täuschungsvorwürfe im Zusammenhang mit seiner juristischen Doktorarbeit an der  Universität Bayreuth auf. Der damalige Verteidigungsminister wies den Plagiatsvorwurf zunächst als „abstrus“ zurück, kurz darauf sprach er selbst von „gravierenden Fehlern“. Ende Februar erkannte die Uni Bayreuth Guttenberg den Doktortitel ab. Am 1. März trat der bis dahin beliebteste deutsche Politiker zurück. Eine Uni-Kommission kam schließlich im Mai nach dreimonatigen Prüfungen zu dem Schluss, dass Guttenberg vorsätzlich getäuscht hatte. Guttenberg hatte dies immer bestritten.

Veronica Saß
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Auch sie muss auf den „Doktor“ als Beinamen verzichten. Denn die Dissertation von Edmund Stoibers Tochter Veronica Saß sei voller Plagiate, teilte die Universität Konstanz mit. Der Absolventin der Rechtswissenschaften wird immerhin eine zweifelhafte Ehre zuteil - die Plattform VroniPlag wurde nach ihr benannt. Hier untersucht die Internetgemeinde Dissertationen, die unter Plagiatsverdacht geraten sind.

Jorgo Chatzimarkakis
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Der FDP-Politiker Jorgo Chatzimarkakis hatte sich lange gegen die Vorwürfe gewehrt, dass auch seine Dissertation Plagiate enthalte. Nun ist er das jüngste Beispiel eines Politikers, der seinen Doktortitel abgeben muss. Mehr als die Hälfte seiner Arbeit stamme aus aus fremden Federn, ohne dass dies ausreichend gekennzeichnet sei. So begründet die Universität Bonn ihren Beschluss, den Titel abzuerkennen. Chatzimarkakis reagierte frustriert – seiner Darstellung zufolge hatte er immer Quellen genannt, nur „ohne Gänsefüßchen“ zitiert.

Silvana Koch-Mehrin
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Auch die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin stolperte über Plagiatsvorwürfe gegen ihre Doktorarbeit. Mitte Mai trat Koch-Mehrin als Vorsitzende der FDP im Europäischen Parlament und als Vizepräsidentin des Parlaments zurück. Gut einen Monat später entzog die Universität Heidelberg ihr den Doktortitel. Die Uni klassifizierte mehr als 120 Stellen als Plagiate. Wie bei Guttenberg hatten auch in ihrem Fall Plagiatsjäger im Internet die Arbeit unter die Lupe genommen. Für Schlagzeilen sorgte Koch-Mehrin zuletzt Ende Juni, als sie erst nach heftiger Kritik ihren Sitz im EU-Forschungsausschuss aufgab.

Margarita Mathiopoulos
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Die Doktorarbeit der Politikprofessorin und FDP-Politikerin stand sogar zweimal auf dem Prüfstand. Die in den 1980er Jahren vorgelegte Arbeit war schon Anfang der 1990er Jahre in die Kritik geraten. Damals waren zwar handwerkliche Mängel festgestellt worden, die aber nicht zur Aberkennung des Doktortitels führten. Im April 2012 sah die Uni Bonn ein „wissenschaftliches Fehlverhalten“ als nachgewiesen an und entzog ihr den Doktortitel. Mathiopoulos ging gegen die Aberkennung ihres Doktortitels in die Berufung, eine rechtskräftige Entscheidung steht noch aus.

Von der Leyen bestätigte auch, dass sie 1993 als Gasthörerin Lehrveranstaltungen in Stanford besucht habe. Im übrigen habe sie „stets herausgestrichen, dass der Hauptgrund meines Aufenthaltes in Stanford der Forschungsaufenthalt meines Mannes gewesen ist, so nachzulesen auch in Dutzenden älteren Presseveröffentlichungen.“

Im Lebenslauf auf der Homepage des Verteidigungsministeriums erwähnt von der Leyen einen „Aufenthalt in Stanford, Kalifornien/USA“ von 1992 bis 1996. Außerdem führt sie dort zusätzlich für 1993 „Auditing guest: Stanford University, Graduate School of Business“ und für 1995 „Marktanalyse, Stanford Health Services Hospital Administration“ an.

Die Bundesverteidigungsministerin hat die Plagiatsvorwürfe zurückgewiesen und die Medizinische Hochschule Hannover um Überprüfung ihrer Doktorarbeit gebeten. Quelle: dpa
Ursula von der Leyen

Die Bundesverteidigungsministerin hat die Plagiatsvorwürfe zurückgewiesen und die Medizinische Hochschule Hannover um Überprüfung ihrer Doktorarbeit gebeten.

(Foto: dpa)

Nach Auskunft einer Sprecherin der Stanford-Universität in Kalifornien werden für Tätigkeiten solcher Art allerdings keine Leistungsnachweise der Hochschule ausgestellt. Ein offizieller Einschreibenachweis oder ein Zertifikat zu einem Seminar oder eine Arbeit liegen nach Auskunft der Sprecherin nicht vor.

Nach den Maßstäben der Elite-Universität reichten die belegten Aktivitäten von der Leyens nicht aus, um den Namen Stanford im akademischen Lebenslauf anzugeben. „Sie war in keinem offiziellen Programm involviert, bei dem man ein Zertifikat oder einen akademischen Grad erhält“, zitiert die Zeitung die Sprecherin. Normalerweise gehe die Uni von einem Missbrauch ihres Namens aus, wenn er auf diese Art in einen Lebenslauf eingebaut werde.

Die akademische Karriere der Ministerin wird derzeit auch in Deutschland unter die Lupe genommen. Die Medizinische Hochschule Hannover überprüft ihre Doktorarbeit von 1990, nachdem ihr Plagiatsjäger Regelverstöße vorgeworfen hatten. Wann dazu ein Ergebnis vorliegt, ist noch offen.

  • dpa
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