Start in das neue Schuljahr Stundenpläne für Loser

In Teilen Deutschlands hat das neue Schuljahr begonnen. Selten war die Versagensangst bei jungen Menschen so groß. Das deutsche Bildungssystem gefährdet den Wohlstand. Wirtschaft und Eltern tragen daran Mitschuld.
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I-Dötze im ersten Schuljahr: Keine rosigen Aussichten. Quelle: ap

I-Dötze im ersten Schuljahr: Keine rosigen Aussichten.

(Foto: ap)

DüsseldorfKevin ist kein Angsthase. Zwar gilt er bei Freunden nicht als Draufgänger, aber ein gesundes Leistungsempfinden ist dem 15-Jährigen vor allem auf dem Fußballplatz nicht fremd. Doch die Herausforderung Abitur lässt ihn furchtsam dreinblicken – vor allem, weil er es nicht in neun Jahren schaffen muss, sondern in acht. 1200 Schulstunden muss Kevin in dieser Zeit mehr absitzen als der Abitur-Jahrgang vor ihm. Gut 40 Stunden verbringt Kevin pro Woche in der Schule. Dazu kommen Hausaufgaben, Nachhilfe und die Vorbereitung auf Klausuren. Da freut man sich auf das Leben als arbeitender Mensch ohne Bulimie-Lernerei: Es dürfte stressfreier werden.

„Ich bin überzeugt, das ist ein Freiheitsgewinn“, hat die frühere Bundesbildungsministerin Annette Schavan über das G8-Turbo-Abitur gesagt. Dieses Zitat hat sie sicherlich bei keinem der betroffenen Schüler abgekupfert. Bereits mit 14 musste sich Kevin für seine Leistungskurse entscheiden. Mathe und Deutsch sind es geworden und er zweifelt schon jetzt, ob das eine gute Idee war.

Kevin weiß nicht, welchen Beruf er mal ausüben will. Er weiß nur, was von ihm erwartet wird: Ein vollwertiges Mitglied der erfolgreichen Berufswelt zu werden. Fähig, bei einem globalen Player mitzuhalten und allen Anforderungen gerecht zu werden: Probleme zu lösen, Abläufe zu optimieren und emotionale Intelligenz auszustrahlen.

Vielleicht gehört er zu den 65 Prozent seines Jahrgangs, die später einen Beruf ausüben werden, den es heute noch gar nicht gibt. Dumm ist nur, dass Kevin  durch das deutsche Schulsystem auf all das nur völlig unzureichend vorbereitet wird. Rein statistisch wird er sich als Erwachsener nur noch an ein Prozent des in der Schule Erlernten erinnern. 

Kritik am Schulsystem gibt es seit Jahrzehnten. Doch selten waren die Rufe nach grundsätzlicher Veränderung so laut vernehmbar wie vor dem Beginn dieses Schuljahres. Nach den zum Teil verheerenden Ergebnissen der Pisa-Studie im Jahr 2000 riefen die Fachleute nach schnell wirksamen Maßnahmen. Jetzt geht es um tiefgreifende Modernisierung.

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71 Kommentare zu "Start in das neue Schuljahr: Stundenpläne für Loser"

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  • Sie schreiben:
    "Es geht eben nicht um Selektion von kreativen, intelligenten....sondern um Selektion von Adel, Banker, Arbeiter schlechthin! "
    Ich erinnere daran, dass von Selektion in der Schule die Rede war. Dass dort die von Ihnen genannten Gruppen selektiert werden, ist wohl ideologischer Unsinn.
    Die übrigen Beispiele sind ein thematisch zerfledderter Rundumschlag, der kaum sachdienlich ist.
    Sie schreiben: "Studieren hat weniger mit Intelligenz noch mit gesundem Menschenverstand zu tun. Sondern rein mit Fleiß ..."
    Versuchen Sie es doch einmal mit z.B. Mathe oder Elektrotechnik. Ihr Beitrag ist Ausdruck eines realitätsfernen fruchtlosen Pessimismus.

  • @kalabrier

    Och...da hat aber einer Angst, dass die Masse mal anfängt eigenständig zu denken :)

    Wieso weshalb warum...wer nicht fragt bleibt dumm :-P

  • @Willi hat auch nicht das System verstanden....na ja...die Gehirnwäsche hat eben über 70 Jahre gut funktioniert :)

    Es geht eben nicht um Selektion von kreativen, intelligenten....sondern um Selektion von Adel, Banker, Arbeiter schlechthin!

    Ausserdem geht es um Selektion von ökonomisch wertlosen, weil durch die Technik NICHT MEHR GEBRAUCHTE, MENSCHEN!!!

    Ja lassen wir doch den sozialdarwinismus wieder aufleben. Das gleiche hatte Hitler schon mal getan. Eine HERRSCHENDE KLASSE LEGT FEST, wer NUTZLOS UND WER GEBRAUCHT WIRD: UND DA BLUT DICKER ALS WASSER IST, wird eben auch aus den gehobenen Schichten die gut bezahlte Arbeit an Schwachköpfe verteilt!

    Im übrigen kann KEIN BILDUNGSGRAD DEN NATÜRLICHEN VERSTAND ERSETZEN!! (Schoppenhauer) :-P....das einzige was Studierte machen, ist auswendig lernen!! Und da oft genug Geld beim Elternhaus vorhanden ist, kann das Studium auch ruhig länger dauern. Führen Sie einStudium ein wie in Skandinavien...dann wird aber kräftig an den Unis in D selektiert werden!! Studieren hat weniger mit Intelligenz noch mit gesundem Menschenverstand zu tun. Sondern rein mit Fleiß....da die Menschheit doch eh, nachweislich durch die Hirnforschung belegt, im vorgefertigten Wohlstand NICHT MEHR KREATIV GENUG IST!

    Die BRD ist schon lange eine enzige korrupte, verlogene Gesellschaft. Deswegen hat auch einer mal ein Buch geschrieben und den ehrlichen gedankt :-) Und wohin Narzissten und Lügner eine Gesellschft führen, kann sich jeder alleine ausmalen.

    http://www.zeit.de/2012/44/Druyen-Scheinheiligkeit

    Ich kann nur noch über die ganze Scheinheiligkeit, den Selbstbetrug der BRD lachen!!

  • Zweifellos interessante Fragen. Manche davon sind beantwortet, andre lassen sich kaum beantworten. Wieviel Rechtsanwälte, Heizungsmonteure, Opernsänger das Land braucht, entscheidet im Wesentlichen der Markt (Nachfrage und mehr oder weniger gutes Angebot).
    Ohne eine gehörige Faktenkenntnis ist man ein Dilletant.
    Nun aber ein häufig zu hörender Einwand: Was nutzen mir Geschichte, Philosophie oder ähnliches, wenn ich mich bei der Kreditfinanzierung über den Tisch ziehen lasse? Vielleicht nichts. Vielleicht habe ich in Ethik (Philosophie) gelernt, was der Unterschied von betrügerischem oder nur risikoreichen Handeln ist; aber darauf kommt es hier nicht an. Es geht bei diesem Problem um die grundsätzliche Frage, was denn Bildung ist. Gebildet ist jemand, der jenseits von Spezialistentum in der Lage ist, die Welt zu verstehen und adäquat zu handeln. Würde man Schüler nur das anbieten, was sie mehrheitlich wünschen, so würden wahrscheinlich nur Computerkurse oder Mofakurse eingerichtet. Weiter oben lobte ein Kommentator das Schulsystem der DDR (Naturwissenschaften und Sprachen). Nehmen wir an, er hätte Recht, so wäre das natürlich ein System für eine Diktatur, die sich keine freien Geister (-> Philosophie) in der Breite leisten kann.

  • Sie schreiben:
    "es geht im Bildungssystem auch nicht um Inhalte, sondern um Selektion! Große Teile der Bevölkerung haben überhaupt kein Interesse an Chancengleichheit ..."
    Da haben Sie zum Teil Recht, es geht um Selektion und das ist ganz normal. Menschen sind nun einmal durch die Natur, die große Gabenverteilerin, unterschiedlich begabt und nicht gleichermaßen geeignet alles gleichgültig zu können.
    Dass selektiert wird, hat jedoch mit Chancengleichheit im Wesentlichen nichts zu tun, denn dies bedeutet, dass jedes Kind die gleichen Chancen bekommt, am Bildungsgeschehen Teil zu nehmen.
    Welche Teile der Bevölkerung hat nun kein Interesse an Chancengleichheit? Es sind doch wohl die Teile der Bevölkerung, die Chancen ihrer Kinder durch Unwissenheit oder Trägheit selbst minimieren.

  • Oh! Der Asozi "Freidenker" der andere nicht FREI DENKEN lassen kann, eher FREI von der Fähigkeit des Denkens ist.

  • "sollten uns einfach mal an den besten Bildungssytemen in Europa orientieren - den Skandinaviern"

    Nein sollten wir ganz sicher nicht, ich bin kein Skandinavier, meine Fraus ist keine und meine Kinder sind auch keine. Mich verbindet absolut nichts mit Skandinavien, und ich will um alles in der Welt nicht, dass meine Kinder mit der Depression endloser Dunkelheit, verregneter Wälder und nie endender Kälte zu tun haben müssen. Ich bin froh, in Mitteleuropa zu leben, in Süddeutschland, nahe am sonnigen Süden, das Mittelmeer in Reisereichweite und in einer wirtschaftlich boomenden Region.

    Norddeutschland und Skandinavien mussten vor 1000 Jahren von Karl dem Großen zur Zivilisation geprügelt werden und hatten noch nicht mal Straßen als diejenigen Roms schon wieder 1000 Jahre Vergangenheit waren - es gibt ganz sicher nichts was ich von denen jemals lernen möchte und werde

  • Das Blöde ist nur, dass man lernt, Problemlösungen zu finden, wenn man sie gegen Widerstand finden muss - dass diese Problemlösung schon wieder betreut werden soll, ist ein Widerspruch in sich.

    Jedenfalls waren die kreativen Geister der vergangenen Jahrhunderte eigentlich sehr oft die, die an Schulen (fast) gescheitert sind - nicht die braven, die alles unkritisch ins Kurzzeitgedächtnis schaufelten, was tradiert ist.

    Merke: der der betreut, ist immer die intellektuelle Schallmauer dessen, was in den Projekten herauszufinden erlaubt ist. Auch darüber sollte Herr Precht sich mal Gedanken machen.

  • Rafft Ihrs denn immer noch nicht, dass Eure Politiker aus der Tasche derer bezahlt werden die Deutschland noch immer kriechen sehen wollen.
    Ihr habt die Wahl...
    vor der Tür.

  • Richtig! Samt Rohrstock und Auswendiglernen!!

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