Statistik
Anteil für Bildungsausgaben gesunken

Die Politiker der Koalition werden nicht müde zu beteuern, dass Bildung und Forschung auf der Prioritätenliste mit ganz oben stehen. Doch die Zahlen zeigen einen Widerspruch: Die Bildungsausgaben in Deutschland sind im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt weiter gesunken. Im internationalen Vergleich der OECD-Staaten liegt Deutschland damit weiter auf einem der hinteren Plätze.

HB FRANKFURT. In absoluten Zahlen erhöhten sich zwar die Bildungsausgaben von 141,6 Milliarden auf 142,9 Milliarden Euro. Doch nur noch 6,2 Prozent des BIP wurden 2006 für Bildung ausgegeben, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden jetzt mitteilte. Ein Jahr zuvor waren es noch 6,3 Prozent.

„Absolut gesehen wird von Jahr zu Jahr mehr ausgegeben, aber gleichzeitig ist die Wirtschaft stärker gewachsen“, sagte Thomas Baumann vom Statistischen Bundesamt. „Deshalb sinkt der Anteil am Bruttoinlandsprodukt.“ 1995 hatte der Anteil der Bildungsausgaben noch bei 6,9 Prozent gelegen, im Jahr 2000 sank er auf 6,7 Prozent und 2005 auf 6,3 Prozent des deutschen Bruttoinlandsproduktes - obwohl die Ausgaben im gleichen Zeitraum von 128,2 Milliarden auf 141,6 Milliarden Euro zulegten.

„Real gesehen sind wegen der Inflation aber auch die absoluten Bildungsausgaben leicht rückläufig“, erklärte der Bildungsexperte Axel Plünnicke vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln. Die Bildungsausgaben müssten jedoch real stabil gehalten und zugleich anders verteilt werden. „Bislang ist der Anteil privater Ausgaben im frühkindlichen Bereich höher als bei den Hochschulen“, sagte der Bildungsexperte. „Das muss genau umgekehrt sein.“ Wenn der Staat mehr für Kleinkinderziehung in Kindergärten und Tagesstätten ausgebe, spare er später die Kosten für Nachschulungen.

Auch der Bildungsökonom Friedhelm Pfeiffer vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung sprach sich für höhere Bildungsausgaben für Kleinkinder aus. Die Ausgaben für Hochschulen dürften daran aber nicht leiden. Die Weiterbildung von Erwachsenen in Angeboten der Bundesagentur für Arbeit scheine dagegen nicht besonders viel zu bewirken, erklärte er. „Die Frage ist: Geben wir das Geld an der richtigen Stelle aus?“

Von der Linken im Bundestag kam ebenfalls Kritik. „Bildung steht für die Bundesregierung offensichtlich nur in Sonntagsreden an erster Stelle. Ansonsten würde der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt nicht immer weiter zurückgehen“, erklärte die bildungspolitische Sprecherin Nele Hirsch. Um Bildung ausreichend finanzieren zu können, müsse die deutsche Steuer- und Abgabenquote auf den europäischen Durchschnitt angehoben würde. Zudem sollten sich Bund und Länder verpflichten, ihre Bildungsetats aufzustocken.

Informationen über die Struktur der Bildungsausgaben liegen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bislang nur für das Jahr 2005 vor. In jenem Jahr wurden die Bildungsausgaben zu gut 76 Prozent aus den öffentlichen Haushalten (Bund: 8 Prozent, Länder: 51 Prozent, Kommunen: 17 Prozent) und zu rund 24 Prozent vom privaten Bereich und dem Ausland finanziert.

Der größte Teil entfiel mit 114,5 Milliarden Euro auf die Erstausbildung in Kindergärten, Schulen und Hochschulen sowie auf die duale Ausbildung. Die Ausgaben für Bildungsförderung und die Bildungsausgaben privater Haushalte für Schulbücher und Nachhilfe lagen bei 13,1 Milliarden Euro. Auf Weiterbildung, Jugendarbeit, Horte und ähnliches entfielen 14,0 Milliarden Euro.

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