Statistik der Bundesagentur
Arbeitnehmer streikten so viel wie lange nicht mehr

Die Arbeitnehmer haben in Deutschland im vergangenen Jahr so viel gestreikt wie seit 13 Jahren nicht mehr: Je 1 000 Beschäftigte fielen 12,4 Arbeitstage durch Streiks oder Aussperrung aus. 2005 hatte der Arbeitsausfall weniger als einen Arbeitstag je 1 000 Beschäftigte betragen.

HB NÜRNBERG. Die Zahlen veröffentlichte die Hans-Böckler-Stiftung, die den Gewerkschaften nahesteht, am Donnerstag unter Berufung auf die Streikstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Insgesamt verursachten 166 000 Streikende einen Ausfall von 429 000 Arbeitstagen.

Die Stiftung erklärte weiter, das Jahr 2006 sei in Deutschland vor allem durch die Warnstreiks in der Metallindustrie sowie durch lange Arbeitskämpfe im öffentlichen Dienst geprägt worden. Den längsten Streik hielten die Beschäftigten des Flugzeug-Caterers Gate Gourmet in Düsseldorf durch: Sie legten die Arbeit ein halbes Jahr lang nieder. Zwölf Wochen dauerte der Ärzte-Streik an den Uni-Kliniken.

Im langfristigen europäischen Vergleich sei Deutschland aber nach wie vor ein sehr streikarmes Land. So sei die Bundesrepublik im Zehn- Jahres-Vergleich bis 2005 mit 2,4 Streiktagen je 1 000 Beschäftigte und Jahr unter den größeren europäischen Ländern mit Abstand das streikärmste Land. Sogar in der Schweiz sei in diesem Zeitraum mehr gestreikt worden. An der Spitze liege Spanien mit 145 Streiktagen je 1 000 Beschäftigten, gefolgt von Italien mit 86,8 Tagen. In Frankreich waren es 71,5 Tage. In Großbritannien waren es 23,6 und in den Niederlanden immer noch 7,8 Arbeitstage.

Die Auseinandersetzungen der Tarifparteien seien 2006 deutlich härter gewesen als früher. „Viele Arbeitskämpfe des letzten Jahres waren nicht gestiegener Streikfreude der Gewerkschaften, sondern dem Angriff auf tarifliche Standards geschuldet“, sagte Wirtschaftsforscher Heiner Dribbusch vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Böckler-Stiftung. Außerdem seien zunehmend Auseinandersetzungen in einzelnen Betrieben eskaliert: „Spätestens bei Schließungsdrohungen fallen auch in streikarmen Branchen Barrieren gegenüber Arbeitsniederlegungen.“ Solche „defensiven Arbeitskämpfe“ könnten zunehmen.

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