Statistische Befunde liefern „positives Bild“
BA: Minijobs gehen nicht zu Lasten regulärer Jobs

Nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit (BA) verdrängt der Boom bei den Minijobs seit der Reform im April 2003 nicht generell reguläre sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Zu diesem Ergebnis kommt die BA in einem am Donnerstag in Nürnberg vorgelegten Sonderbericht.

HB NÜRNBERG. „Wir sehen zunächst mal eher positive Beschäftigungseffekte als Substitutionseffekte“, sagte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt. „Sowohl nach Branchen als auch Betriebsstätten deutet vieles darauf hin, dass sich sozialversicherungspflichtige und geringfügig entlohnte Beschäftigung eher ergänzen als ausschließen.“ Ende März 2004 seien rund 6,21 Mill. Menschen in einem Minijob bis zu einem Monatseinkommen von 400 € beschäftigt gewesen. Das seien rund 1,37 Mill. oder rund 28 % mehr gewesen als vor der Reform im April 2003. Bis Ende Juni 2004 sei die Minijobber-Zahl auf 6,53 Mill. gestiegen. Davon hätten etwa 1,69 Mill. den Minijob als Nebenjob ausgeübt.

Jeder zehnte Minijobber wechsele innerhalb eines Jahres in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, sagte Alt. Ob Minijobs sozialversicherungspflichtige Beschäftigung verdrängt hätten, müsse die Forschung klären. Die statistischen Befunde ergäben ein sehr differenziertes, „aber positives Bild“.

In der Domäne der Minijobs, der Dienstleistungsbranche, ging den Angaben zufolge die Zahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter um 250 000 zurück, während die Zahl der Minijobber um 430 000 stieg. Im Produzierenden Gewerbe sei der Abbau regulärer Arbeitsplätze mit 298 000 deutlich stärker gewesen. Dort sei die Zahl der Minijobber aber nur um 80 000 gestiegen.

Starke Zuwächse bei den Minijobs seien in einigen Branchen wie Gastgewerbe und Handel mit starken Abnahmen bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung einhergegangen. In anderen Branchen wie Beratungsunternehmen und Sozialwesen hätten sich aber beide Beschäftigungsarten erhöht. Dort gebe es keine Verdrängungseffekte. „Hier wächst Beschäftigung insgesamt“, sagte Alt. Eine Auswertung nach Betriebsstätten ergebe sogar, dass die Ausweitung von Minijobs zum größeren Teil mit Zuwächsen bei sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung einhergehe.

Die Minijobs seien in fast allen Wirtschaftszweigen ausgeweitet worden. Domäne der Minijobs seien die Dienstleistungsbranchen. Im Durchschnitt stünden dort 100 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten 28 Minijobber gegenüber. Besonders stark vertreten seien Minijobber in privaten Haushalten, im Reinigungsgewerbe, in der Gastronomie und im Sportsektor. Minijobs konzentrierten sich zudem auf Klein- und Mittelbetriebe. In Großbetrieben mit mehr als 500 Arbeitnehmern fänden sich nur drei Prozent der ausschließlich geringfügig entlohnten Beschäftigten.

ERSTMALS ZAHLEN ZU MIDIJOBS

Die BA legte erstmals auch Schätzungen zur Entwicklung bei den so genannten Midijobs vor. Zum 1. April 2003 war eine Gleitzone für Monatseinkommen zwischen 400 und 800 € eingeführt worden, in der der Arbeitnehmerbeitrag zur Sozialversicherung von vier Prozent langsam auf den hälftigen Arbeitnehmerbeitrag ansteigt. Ende Dezember 2003 nahmen den Angaben zufolge etwa 669 000 Beschäftigte Midijobs in Anspruch. Dies seien rund 2,5 % aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Von den Arbeitnehmern im Niedriglohnbereich zwischen 400 und 800 € hätten nur 38 % die Gleitzonenregelung in Anspruch genommen.

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