Statistisches Bundesamt: Arbeitsmarkt-Reformen führen zu spürbaren Verhaltensänderungen
Hartz IV macht Arbeitslosen Beine

Die Arbeitsmarkt-Reformen der Bundesregierung kommen offenbar langsam auch in der Realwirtschaft an: Die Zahl der Menschen, die aktiv nach einem Arbeitsplatz suchen, ist im Februar um 480 000 gestiegen, meldete das Statistische Bundesamt (Destatis) am Donnerstag. „Es zeigt sich, dass Hartz IV nicht nur zu statistischen Effekten führt, sondern auch zu Verhaltensänderungen bei den Betroffenen“, sagte Thomas Riede, Arbeitsmarkt-Experte des Amts.

dc/ost BERLIN/DÜSSELDORF. Bislang hatten die Arbeitsmarkt-Reformen vor allem auf dem Papier gewirkt: Seit Januar werden auch erwerbsfähige Sozialhilfe-Empfänger von der Bundesagentur für Arbeit (BA) als arbeitslos gezählt. Dadurch stieg die Zahl der registrierten Arbeitslosen seit Jahresbeginn um rund 380 000.

Im Unterschied zur BA-Statistik ermittelt Destatis die Erwerbslosenzahl neuerdings auf Basis einer breiten Telefonumfrage. Sie stellt unter anderem darauf ab, ob sich die Betroffenen in den vorausgegangenen vier Wochen tatsächlich um eine Arbeitsstelle bemüht haben. Der starke Anstieg gegenüber Januar ist daher ein Indiz dafür, dass viele Arbeitslose sich im Februar nun erstmals aktiv nach einem Job umgesehen haben – allerdings erfolglos. Dadurch erhöhte sich die Zahl der Erwerbslosen nach Destatis-Angaben um 12,1 Prozent auf 4,47 Millionen.

„Die geänderten Rahmenbedingungen führen dazu, dass viele Menschen, die bisher nicht auf dem Arbeitsmarkt aktiv waren, sich nun nach einer Erwerbstätigkeit umsehen“, sagte Riede. Volkswirte begrüßten die Entwicklung. „Durch Hartz IV ist wirklich etwas in Bewegung geraten“, sagte Andreas Scheuerle von der Deka-Bank. Für eine generelle Trendwende am Arbeitsmarkt reiche dies aber längst nicht aus. „Solange die Unternehmen nicht mehr neue Jobs schaffen, nutzt es wenig, wenn sich die Menschen intensiver bemühen“, betonte er. Angesichts der hohen konjunkturellen Unsicherheit dürften sich die Unternehmen noch bis Jahresende mit Neueinstellungen zurückhalten.

Im März haben die Firmen wegen der flauen Wirtschaftslage unter dem Strich weiter Stellen gestrichen. Laut BA verloren rund 20 000 Menschen ihren Job aus konjunkturellen Gründen. Durch den ungewöhnlich kalten Winter stieg die Zahl der Arbeitslosen um weitere 50 000. Saisonbereinigt erhöhte sich die Zahl damit auf 4,967 Millionen. Die Arbeitslosenquote stieg saisonbereinigt um 0,3 Punkte auf zwölf Prozent.

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