Statt Selbstverpflichtung
Sprit sparen per Gesetz

Den Autoherstellern könnte bald ein Gesetz vorschreiben, wie viel Benzin ihre Fahrzeuge verbrauchen dürfen. Wenn die Industrie ihre Selbstverpflichtung nicht einhalte, müsse der Verbrauch eben durch ein Gesetz geregelt werden, kündigte Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) in einem Interview mit der „Westfälischen Rundschau“ an.

HB BERLIN. Lieber wäre dem Minister allerdings die freiwillige Regelung. Auf jeden Fall müsse der zu hohe Benzinverbrauch gesenkt werden. „Das kommt nicht nur dem Geldbeutel, sondern auch dem Klima zugute.“

Das Thema Energiesparen werde der zentrale Punkt des nächsten Energiegipfels bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im Herbst, kündigte Gabriel an. „Wir werden dazu im September sehr konkrete Vorschläge unterbreiten.“ So gebe es einen negativen Trendbei der Unterhaltungselektronik. „Bei vielen modernen Geräten fehlt mittlerweile der Knopf zum Ausschalten. Die laufen nur noch zeitlebens Stand-by.“ Das dürfe nicht so bleiben. Im übrigen sehe er Energiesparpotenziale nicht nur in Privathaushalten, sondern auch in der Industrie. „Zwei Drittel der Industrieanlagen sind noch nicht optimal ausgerüstet.“

Bei Autos liegt der Durchschnittsverbrauch dem Bericht zufolge bei acht Litern pro 100 Kilometer. Die europäischen Automobilhersteller haben zugesagt, den Verbrauch von Neuwagen bis 2008 auf durchschnittlich 6,5 Liter zu senken. Laut Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) liegen die deutschen Hersteller „besonders weit über dem angestrebten Ziel“.

Der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) erwiderte, die Hersteller arbeiteten seit Jahren erfolgreich an der Senkung des durchschnittlichen Kraftstoffverbrauchs ihrer neu zugelassenen Wagen. Seit Anfang der neunziger Jahre sei der Verbrauch um 25 Prozent gesenkt worden und liege heute bei deutlich unter sieben Liter pro 100 km. „Es besteht kein Bedarf und kein Grund für eine Einführung gesetzlicher Auflagen zum Spritsparen“, betonte der Verband. Die Autoindustrie befürworte eine CO2-basierte Kfz-Steuer und schlage vor, den Anteil von Biokraftstoffen in der Beimischung zu fossilen Kraftstoffen auf zehn Prozent zu erhöhen.

Gabriel forderte zugleich eine stärkere Beimischung von Biokraftstoffen, „um unsere Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren“. Zu den Vorstößen ausländischer Pkw-Hersteller bei Hybrid-Motoren sagte der Umweltminister, ihm komme es nicht auf eine bestimmte Technologie an. „Wichtig ist, dass der Verbrauch deutlich sinkt.“ Der Rekordsommer zeige, dass der Klimawandel bereits „im vollen Gange“ sei, erläuterte er. Zur Vermeidung katastrophaler Folgen müsse die Erderwärmung „unter zwei Grad“ gehalten werden.

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