Stefan Mappus
Wie der „Anti-Oettinger“ die CDU in Schwung bringt

Bundesweit war Stefan Mappus bis vor vier Wochen nur den ganz genauen Beobachter der CDU bekannt. Etwa, weil sich der Stuttgarter Unionsfraktionschef mit dem damaligen CSU-Generalsekretär Söder für einen „modernen bürgerlichen Konservativismus“ stark gemacht hatte. Jetzt tritt der 43-Jährige die Nachfolge des nach Brüssel wechselnden baden-württembergischen Ministerpräsidenten Oettinger in allen Ämtern an.
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HB FRIEDRICHSHAFEN. Am Freitag kandidierte Mappus auf einem Parteitag in Friedrichshafen als Landeschef der Südwest-CDU und Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2011. Spätestens im Januar - nach dem endgültigen Abschluss des EU-Bewerbungsverfahrens - soll er Oettinger auch Regierungschef der CDU/FDP-Koalition in Stuttgart ablösen.

In den viereinhalb Jahren an der Spitze der Landtagsfraktion hat sich Mappus bei Kritikern einen Ruf als „rechter Zuschnapper“ erworben, als konservativer Haudegen und als eine Art Anti-Oettinger, weil er gern schnell und entschlossen agiert. Im Stil erinnert er viele an den langjährigen CSU-Chef Franz-Josef-Strauß, den er selbst als eines seiner Vorbilder nennt. So zögerte Mappus auch nicht lange, als die Nachricht von Oettingers Berufung nach Brüssel eintraf. Die eigenen Anhänger waren schnell mobilisiert, andere Bewerber keine 24 Stunden im inoffiziellen Rennen.

Er bringe die Erfahrung mit und traue sich die Ämter zu, sagte der 43-Jährige selbstbewusst in die laufenden Kameras. In nicht einmal zwei Tagen war die Nachfolgefrage geregelt. Sogar Altministerpräsident Lothar Späth kam eigens wieder einmal in den Landesvorstand, um die Entschlossenheit zu loben.

Mappus ist am 4. April 1966 in Pforzheim geboren. Mit 27 wurde er CDU-Kreisvorsitzender, mit 29 Landtagsabgeordneter. Mit 32 machte ihn Vor-Vorgänger Erwin Teufel völlig überraschend zum Verkehrsstaatssekretär im Umweltministerium. 2004 wurde Mappus Ressortchef. Im Streit um die Nachfolge Teufels, der den CDU-Landesverband bis heute in zwei Lager spaltet, positionierte sich der Wirtschaftswissenschaftler, der vor seinem Studium eine Lehre zum Industriekaufmann absolvierte, gegen Oettinger. Auch den Posten des Landtags-Fraktionschef errang er 2005 gegen dessen Willen, ebenso das Amt des stellvertretenden CDU-Landesvorsitzenden im selben Jahr.

Um so überraschender ist für viele Insider der einigermaßen geräuschlose Stabwechsel. Mehr noch: Der künftige EU-Kommissar Oettinger, wird in Friedrichshafen am Rand des Parteitags erzählt, habe sich in den vergangenen vier Woche persönlich um ein gutes Ergebnis für Mappus gekümmert.

Aufwind bei der Wahl kann der begeisterte Flieger gut gebrauchen, der monatelang konsequent neben dem politischen und dem familiären Engagement und deshalb vor allem nachts für den Flugschein gebüffelt hatte. Vor zwei Jahren auf dem Parteitag hatten Mappus nur 246 von 365 Delegierten ihre Stimme gegeben.

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