
BERLIN. Steffen Seibert ist ein Mann offener Worte. Obwohl der neue Regierungssprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als ehemaliger ZDF-Moderator Auftritte vor großer Kulisse gewöhnt ist, gestand er gestern bei seiner ersten Regierungspressekonferenz vor laufender Kamera, Lampenfieber zu haben. „Ich bin echt nervös wie beim Abi, bei der Führerscheinprüfung und anderen Dingen zusammen“, sagte Seibert den Hauptstadtjournalisten im Saal der Berliner Pressekonferenz. Seibert, der sich selbst als Optimisten sieht, hofft, dass sich die Nervosität bald legen wird. Auch müsse er noch lernen, ohne dreieinhalb Kilogramm Unterlagen in die Konferenz zu kommen.
Ein bekennender Wechselwähler
Bei den Journalisten kam der selbstironische Unterton an. Nur allzu oft bekommen sie von den Pressesprechern der Regierung inhaltsleere Worthülsen vorgesetzt. Vor allem, wenn es um Streitigkeiten innerhalb der schwarz-gelben Koalition geht. Doch so ehrlich wie an diesem Tag wird auch Steffen Seibert in den nächsten Monaten als Regierungssprecher kaum vor die Journalisten treten. Beim medialen Verkauf der Regierungsarbeit muss sich der bekennende Wechselwähler auf die Vermittlung guter Nachrichten konzentrieren, nur dafür hat die Kanzlerin den 50-jährigen Journalisten eingestellt. Das galt auch für die 22 Regierungssprecher vor ihm.
Gut drei Jahre bleiben Seibert, um die öffentliche Wahrnehmung der Bundesregierung zu verbessern. Und das ist keine leichte Aufgabe, denn in den Umfragen stehen Union und FDP so schlecht da wie nie zuvor. Laut einer aktuellen Bürgerbefragung kommen die beiden Regierungsparteien zusammen auf nur noch 34 Prozent der Stimmen, SPD und Grüne könnten dagegen problemlos eine Regierung bilden. In der nächsten Zeit wird es für Seibert deshalb darum gehen, den Deutschen die Erfolge dieser Bundesregierung näherzubringen, beispielsweise die schnelle Überwindung der Wirtschaftskrise und die niedrigen Arbeitslosenzahlen.
Von den schlechten Umfragewerten zeigte sich Seibert wenig beeindruckt. Den Vergleich der Bundesregierung mit der 1912 gesunkenen „Titanic“ wies der Fernsehmann souverän zurück. Die Regierung sei „keineswegs untergehend, sondern sehr seetüchtig“. Und ansonsten halte er als gebürtiger Hannoveraner wenig von solchen maritimen Vergleichen. Gekonnt wiegelte Seibert gestern auch den Versuch einiger Journalisten ab, aus den jüngsten Forderungen von FDP-Chef und Vize-Kanzler Guido Westerwelle nach weiteren Steuersenkungen einen neuen Regierungsstreit abzuleiten. „Das ist jetzt nicht Regierungshandeln“, sagte Seibert. Priorität habe die Sanierung der Staatsfinanzen. Ende der Durchsage.
Er hat nicht lange überlegt
Der Wunsch der Kanzlerin, den Job des Regierungssprechers zu übernehmen, sei für ihn eine große Überraschung gewesen, gestand Seibert. Er habe nicht lange überlegt, mit seiner Ehefrau gesprochen und „mit heißem Herzen zugesagt“. Die Entscheidung ist Seibert auch wohl deshalb so leicht gefallen, weil er die Ziele dieser Bundesregierung teilt und für richtig hält. „Und weil ich eine große Sympathie – vielleicht auch Bewunderung – für die Arbeit der Bundeskanzlerin habe“, sagte Seibert – schon ganz Regierungssprecher und nicht länger kritischer Journalist.
Seiberts Erfolg hängt davon ab, wie schnell er und Merkel ein vertrauensvolles Verhältnis aufbauen. Seinem Vorgänger Ulrich Wilhelm ist das ungewohnt gut gelungen. Auf die Unterstützung der Kanzlerin kann er sich jedenfalls verlassen: „Ich werde mich so vernünftig verhalten, dass Sie möglichst wenig Ärger mit mir haben“, sagte Merkel.
hier mal eine aktuelle kommentierung zu seiberts ersten tagen...er hat zwar eine rückfahrkarte nach mainz...ob er journalistisch wirklich wieder tätig werden kann, kann ich mir beim besten willen nicht vorstellen...
http://www.theeuropean.de/alexander-goerlach/4049-steffen-seibert-und-seine-neider
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