Steigende Mitgliederzahlen
Die Linke wächst weiter

Während andere Parteien schrumpfen, freut sich die Linke nicht nur über Stimmenzuwachs, sondern auch über steigende Mitgliederzahlen. Die Partei hat nach eigenen Angaben seit ihrer Fusion im vergangenen Jahr fast zehntausend neue Mitglieder gewonnen – die meisten davon im Westen.

HB BERLIN. Am erfolgreichsten sei die Partei dort derzeit bei Männern zwischen 40 und 50 Jahren, sagte der Beauftragte für den Aufbau der Partei im Westen, Ulrich Maurer, der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. Ein „Leck“ habe die Partei bei 18- bis 24-Jährigen. Das Durchschnittsalter der Parteimitglieder liege weiter über 60 Jahre. Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch sagte der dpa: „Ich habe so viele Jahre mitgeteilt, dass die Zahl der Mitglieder sinkt. 2007 haben wir erstmals wieder zugelegt.“ Die Linke hatte nach seinen Angaben zum Jahresende rund 72 000 Mitglieder (2006: rund 69 300). Nach SPD und Union ist sie drittstärkste politische Kraft im Bund. Der Frauenanteil liegt bei 39 Prozent. 2006 waren es noch 41 Prozent.

Nur ein Viertel der 7 570 Neueintritte im vorigen Jahren waren Frauen. Laut Bartsch ist die Linke aber die Partei mit den meisten Frauen. In den Parteigremien seien sie stark vertreten, auch wenn das die reine Männerspitze von Oskar Lafontaine, Gregor Gysi und Lothar Bisky nicht so erscheinen lasse. Die meisten Mitglieder verloren habe die Partei durch Todesfälle, vergleichsweise wenige durch Austritte aus Protest gegen die Fusion. Im Juni 2007 fusionierten die Linkspartei und Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) zur ersten gesamtdeutschen sozialistischen Partei in der Geschichte der Bundesrepublik.

Die Erfolge bei den Landtagswahlen im Januar und Februar hätten der Linken einen weiteren Schub gebracht, erklärte Bartsch. Im ersten Quartal hätten allein in der Parteizentrale in Berlin 1 850 Menschen ihren Eintritt gemeldet. Im Westen habe die Partei nun rund 21 000 Mitglieder. Vor der Fusion hätten beide Parteien zusammen in den alten Ländern rund 17 000 Mitglieder (WASG 12 000, Linkspartei 5 000 Mitglieder) gehabt, sagte Bartsch. Von den 7 570 Neueintritten im vergangenen Jahr weist die Statistik der Partei 6 381 im Westen aus. Den größten Zuwachs habe der Landesverband Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr mit 1 800 Mitgliedern gehabt. Er ist auch der stärkste Verband der Linken im Westen und erreicht mit rund 6 000 Anhängern erstmals das Niveau ostdeutscher Verbände wie Mecklenburg- Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Der größte Landesverband der Linken ist Sachsen mit rund 13 300 Mitgliedern.

Maurer sagte: „Wir müssen bei der sehr hohen Erwartungshaltung der neuen Mitglieder aufpassen, dass es nicht zu einem Drehtür-Effekt kommt.“ Mit einer stärkeren Ausrichtung der Parteiarbeit auf „gelebte Solidarität“ und „Hilfe zur Selbsthilfe“ wolle die Linke vermeiden, dass Neuankömmlinge sich mangels Einbindung schnell enttäuscht abwenden. Vor allem für junge Leute sowie Alleinerziehende und berufstätige Frauen solle die Partei besondere Angebote machen. Die Partei wolle konkrete Hilfestellung im Alltag geben und durch neue Formen und Uhrzeiten für Veranstaltungen die Mitwirkung erleichtern. Vor allem Mütter hätten für Abendveranstaltungen keine Zeit.

Eine andere Schwierigkeit für die Partei sei der „atypische Integrationsprozess“ der Mitglieder. Einerseits müssten die beiden Parteien WASG und Linkspartei noch zusammenwachsen, andererseits aber auch die vielen Neuzugänge integriert werden. So seien in einigen Westverbänden nach der Fusion mehr Mitglieder zur Linken gekommen, als vorher bei WASG und Linkspartei – vormals PDS – engagiert waren, sagte Maurer.

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