Steigende Nachfrage aus Asien wird Erdölpreise weiter treiben
"Ökosteuer angesichts steigender Ölpreise erhöhen"

Die Erdölpreise werden der wachsenden Nachfrage aus Asien wegen langfristig noch weiter steigen. Dem Institut für Weltwirtschaft zufolge müsse deshalb die Ökosteuer noch erhöht werden.

HB BERLIN Die Ökosteuer sollte angesichts der hohen Erdölpreise nicht sinken, sondern sogar noch steigen. «Falls das in einer konzertierten Aktion vieler Industrieländer geschieht, würde eine höhere Ökosteuer zu mehr Energieeffizienz führen und damit Druck von den Ölmärkten nehmen», sagte der Umwelt- und Ressourcenexperte beim Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), Gernot Klepper, im Gespräch mit der «Berliner Zeitung» vom Wochenende. Langfristig könne das sogar einen positiven volkswirtschaftlichen Effekt haben.

Die Bundesregierung und die EU-Kommission müssten den Bürgern überdies klar machen, dass die derzeit hohen Energiepreise kein «vorübergehendes Phänomen» seien. Der IfW-Experte hält es für «illusionär, zu glauben, dass Erdöl und damit auch Benzin jemals wieder richtig billig werden». «Wir müssen uns im Gegenteil darauf einstellen, dass die Preise mittel- und langfristig erheblich über dem heutigen Niveau liegen werden», betonte Klepper.

Grund sei die stetig wachsende Nachfrage aus Asien und infolgedessen eine «strukturelle Knappheit von Brennstoffen wie Erdöl». Langfristig hält Klepper einen Preis von 50 Dollar je Barrel Rohöl nicht für ausgeschlossen – heute kostet ein Fass der Sorte Brent im Schnitt rund 40 Dollar.

Allerdings könne der wachsende Energiebedarf auch mit einer höheren Energieeffizienz gedämmt werden. «Wenn die Energieeffizienz weltweit pro Jahr um drei bis vier Prozent steigen würde, wäre es möglich, trotz Wirtschaftswachstum den Energiebedarf auf lange Sicht konstant zu halten», sagte Klepper weiter. Mit einer höheren Erdölproduktion lasse sich der Energiebedarf nicht decken, weil die Produktion nicht in dem Maße ausgebaut werden könne, wie der Bedarf wächst. Dem schloss sich der britische Geologe Colin Campbell an: «Es sieht so aus, als wenn wir im nächsten Jahr den Höhepunkt der Weltproduktion überschreiten werden», sagte er der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung».

Die deutschen Verbraucher lassen sich unterdessen auch nicht durch hohe Benzinpreise vom Autofahren abhalten. Der Benzinabsatz fiel in den ersten vier Monaten dieses Jahres lediglich um 2,4 Prozent verglichen mit dem Vorjahr, sagte der Geschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverband (MWV), Klaus Picard, der «Welt» von Sonnabend. Im Gesamtjahr 2003 habe Picard zufolge der Rückgang drei Prozent betragen. Grund sei aber nicht eine gesunkene Fahrleistung, sondern eine höhere Effizienz der Neufahrzeuge.

Kurzfristige Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise – beispielsweise eine Herabsetzung der Ökosteuer – wollte Picard nicht befürworten. Indes forderte er eine Harmonisierung der Mineralölsteuern in der EU. Anderenfalls würden die Verbraucher den hohen Benzinpreisen in Deutschland mit einem Tankstellentourismus begegnen.

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