Steigende Strompreise

Altmaier will Ökostrom-Regeln ändern

Der drohende Strompreisanstieg um sieben bis zehn Prozent bringt die Bundesregierung in Zugzwang. Daher soll es nun eine rasche Reform beim Ausbau der Ökoenergie geben. Ein wichtiger Punkt ist die Höhe der Förderung.
Update: 11.10.2012 - 14:03 Uhr 11 Kommentare
Bundesumweltminister Peter Altmaier. Quelle: dpa

Bundesumweltminister Peter Altmaier.

(Foto: dpa)

BerlinUm die Strompreiskosten in den Griff zu bekommen, will Bundesumweltminister Peter Altmaier den bisher unkontrollierten Ausbau erneuerbarer Energien in geordnetere Bahnen lenken. „Ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass eine grundlegende Reform des Erneuerbare-Energie-Gesetzes absolut notwendig und unumgänglich ist“, sagte der CDU-Politiker am Donnerstag in Berlin. Zugleich bekannte er sich klar zur Energiewende. Wer versuche diese zu torpedieren, „der wird es mit diesem Umweltminister zu tun bekommen“, betonte er.

Altmaier will feste Quoten. Zum Beispiel für die Frage, wo wie viele Windparks gebaut werden sollen. Die Planungen der Länder liegen hier teilweise 60 Prozent über dem Bedarf. Zudem soll sich der Ausbau stärker danach richten, wo es Netze gibt, die den Strom aufnehmen können. Ähnlich wie bei der Solarenergie, wo die Förderung bei einer installierten Leistung von 52 Gigawatt auslaufen soll, sei dies auch für Wind und Biogasanlagen sinnvoll, betont der Minister in einem Vorschlag für eine Reform des EEG.

Altmaier ließ offen, ob eine solche umfassende Reform noch vor der Bundestagswahl möglich ist: „Qualität geht für mich vor Schnelligkeit“. Er hat seine Vorschläge an alle Ministerpräsidenten und Bundestagsfraktionen verschickt und strebt eine Einigung im Konsens an. Dazu will Altmaier eine Beratergruppe mit 20 Persönlichkeiten aus Ländern, Wirtschaft und Gesellschaft einrichten.

Größter Knackpunkt dürfte aber sein, ob die Länder bereit sind, von eigenen Ausbauzielen abzurücken - sie profitieren bei mehr Windparks und Biogasanlagen von höheren Steuereinnahmen. Zudem will gerade Bayern nicht abhängig werden von Windstrom aus dem Norden.

„Wir müssen, dafür sorgen, dass der Ausbau in einem stetigen und berechenbaren Rahmen stattfindet.“ Notwendig sei eine politische Festlegung von Ausbauzielen. Er wolle eine Reform, die das ständige Herumdoktern beendet und über Jahre Planungssicherheit gebe. Die erneuerbaren Energien müssten rascher wettbewerbsfähig werden. Bisher erhalten Betreiber von Windparks und Solaranlagen auf 20 Jahre garantierte Vergütungen, die über den Marktpreisen liegen. Der Förderaufschlag wird per Umlage auf die Verbraucher abgewälzt.

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11 Kommentare zu "Steigende Strompreise: Altmaier will Ökostrom-Förderung eingrenzen"

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  • Rabatte für Unternehmen, die viel verbrauchen und der Verbraucher zahlt fleißig die höheren Preise. Was das für Geringverdiener bedeutet, wird vor allem von den Politikern ignoriert. Strom wird für die einfachen Bürger zum Luxusgut und Golfplätze können vergünstigten Strom beziehen?

    Die Gesetzeslage die sowas ermöglicht, sollte schleunigst geändert werden!

  • Abseits ökoreligiöser Phantasien erfolgt die Einspeisung von Solar- und Windstrom entsprechend den Launen des Wetters. Die Solarstromeinspeisung liegt im Sommer 5 x höher denn im Winter, im Winter findet lediglich ca. 4h am Tag eine nennenswerte Solarstromeinspeisung statt.

    In einem bedarfsgesteuertem Netz muss diese Erzeugung vollständig durch moderne Grosskraftwerke abgedeckt sein, die in heissr, oder kalter Bereitschaft stehen.Für einen 4 stündigen Peak lohnt sich ein Abschalten eines Grosskraftwerks nicht. Solar- und Windstrom können lediglich einen Teil der Brennstoffkosten einsparen, ca. 1c/kWh.

    Die Wind- und Solarstromeinspeisung hat starke Peaks die einen Netzausbau auf allen Ebenen erfordern. Dies wird in den Netzpreisen eingepreist.

    Grosskraftwerke sorgen mit den rotativen Massen der Turbogeneratoren für die kurzfristige Netzstabilisierung. Solarzellen bergen das Risiko von Frequenzschwankungen im Netz die zu einem massenhaften Abschalten und damit das Risiko eines Netzzusammenbruchs in sich bergen.

    Der Wert von Solar- und Windstrom liegt bei max. 1c/kWh, gem. Bekannter aus dem Netzbereich könnte der Wert auch negativ sein.

    Demzufolge senkt Solarstrom sicherlich keine Strompreise, sondern belastet Konsumenten, Industrie und Versorger die die Kosten auf verschiedene Weise, EEG Umlage, Netzentgelte, Allg. Stromrechnung, Minderauslastung von Kraftwerken, belastet bekommen.

    Vandale

  • sgk_10
    Mit Energie und den Steuern bzw. den Abgaben darauf lässt sich aber auch Etliches für den Staatshaushalt abzweigen. Noch zu gut habe ich Öko-Abgabe auf Treibstoffe in Erinnerung. Diese Abzocke hat doch damals ganz gut geklappt. Warum nicht wieder einmal so einen Coup landen? Schließlich muss doch die Kaufkraft abgeschöpft werden.
    Diesem von Amtes wegen bescheuklappten Ignoranten – so meine persönliche Meinung über diesen Herren – traue ich auch Handlungen zu, die nicht auf des deutschen Volkes Wohl ausgerichtet sind.

    Anmerkung:
    Im Hochpreisland Schweiz kostet eine KWh derzeit ca. 18 €-Cent

  • Die Förderung sollte regressiv gestaffelt werden. Je mehr Strom erzeugt wird, desto weniger wird er gefördert. Die Kürzungen könnten dabei je Erzeugungsart anders gestaffelt werden.
    Damit würde ein Lenkungseffekt erzielt.

    Die geplante Regelung halte ich für nicht tauglich, um die Wende herbeizuführen.

  • EEG, die Lizenz zum Gelddrucken!
    =======================
    Windmühlen, Güllekraftwerke, PV; Verspargelung der Landschaft und zukeistern mit PV-Modulen ist pol. gewollt.
    Dazu dient auch die 20-jährige Abnahmeverplichtung für die EE.
    Wenn der Strompreis an der Börse fällt, wird er durch das EEG ausgeglichen.
    Das ist die Lizenz zum Gelddrucken!
    Und das mit dem Golfplatz ist nicht so surreal!

  • Ernst
    Sie bringen es exakt auf den Punkt
    Die können doch nur labern, aber wirklich handeln tun die schon lange nicht mehr

  • Die Erkenntnis, daß das EEG nicht so funktioniert, wie Grüne, SPD und CDU es immer wieder behauptet haben, hat sich nun sogar beim Umweltminister herumgesprochen - reichlich spät.

    Wir sollten aber jegliche Hoffnung fahren lassen, daß Altmaier mit irgendwelchen Reformen das Desaster nun beseitigen kann/wird. Ignoranz und Scheuklappenideologie wird das weiterhin verhindern.

  • Genau da liegen die Gründe.
    Altmaier ist ein Lobbyist der Grossindustrie.

    Was wir aber brauchen ist mehr Markt.
    Und mehr Markt heisst mehr lokale Stromerzeugung.
    Deshalb ist eine geregelte Einspeisevergütung auch wichtig.
    Ein Kleinanbieter von Strom hat mit den grossen Stromverteilern keine Verhandlungsmacht. Das Machtverhältnis ist unsymetrisch.
    Ohne geregelte Einspeisevergütung wird der Kleinerzeuger über den Tisch gezogen.

    Altmaier sollte sofort abgesetzt werden.
    Korrupte Verbrecher gehören nicht in die Politik.

  • Zunächst sollte man den Schalmeienklängen der F.D.P. mit ihrem Quotenmodell misstrauen, denn der Strommarkt ist ein oligopolistischer Markt und da bringt "der Markt wird es richten" die höchsten Preise...wie war das noch mit den supertollen, marktwirtschaftlichen PKVen, die Gesundheit so preiswert und gut machen sollten ? Verdächtig auch: Niemand in der F.D.P nennt eine Zahl, wie viel billiger es durch die Quote wird, aus gutem Grund.

    Die EE müssen sich den Verbrauchsgewohnheiten der Kunden anpassen, nicht umgekehrt. In Süddeutschland wird mehr Strom gebraucht aber nicht in SH auf Kuhweide mit Blick auf die Nordsee. Daher muss man einem potenziellen Windmüller sagen: "Propellerstrom ? Super! Bau das 50-100km rund um Stuttgart und wenigstens halbwegs in der Nähe einer nutzbaren Leitung dann bist du willkommen". Wenn der dann meint:" Och, nö, zu wenig Wind, zu wenig Volllaststunden, zu wenig Rendite. Lieber in SH auf der Kuhweide mit Blick aus Meer", dann MUSS die Antwort lauten: "Und Tschüss, vergiss es oder bau die Stromleitung nach Stuttgart auf eigene Kosten !".

    Daneben muss Biomasseverstromung effizienter werden. 20% el. Wirkungsgrad von Biogasanlagen sind schlicht Umweltzerstörung (und auch peinlich). Die Abgase der dort verwendeten Motoren haben über 600 Grad Celsius, das schreit doch geradezu nach einem nachgeschalteten Dampfgenerator (oder ORC).
    Oder kurz:
    -Gesamtkostenbetrachtung (Erzeugung, Leitungskosten, Kosten für die Anpassung an den Lastgang und evtl. notwendige Zusatzstromversorgung (Speicher, ReserveKW). Auch ein Windmüller oder PV muss nachts Strom liefern können oder bei Windstille: Zusatzverträge müssen Pflicht werden !
    -höhere Mindestanforderungen an die (elektr.) Effizienz von Biomasseverstromung (auch für Altanlagen !)

    Nicht mehr jeden Schrott ins Netz lassen, nur weils "Bio" ist sondern nur noch effizienten Qualitätsstrom, so wie ihn die Kunden brauchen.
    Wenn das EEG das nicht schafft, dann ist die Energiewende eh eine Mission Impossible.

  • Der Umweltminister versucht die Notbremse zu ziehen. Es ist wie immer: Politiker leben immer nur heute (weil sie nicht wissen, ob sie morgen noch gewählt werden).Die ganze Förderung gehört abgeschafft. Die Netze gehören als separate Gesellschaft an die Börse. Die Stromlieferanten müssen Strom an der Strombörse kaufen können. Dann hätte das alles ein Ende. Auch für Politiker sollte gelten: Was immer du tust, tue es mit Bedacht und bedenke das Ende. Das war schon im alten Rom so. Aber solange die Wähler keine Alternative zu den derzeitigen Politikern haben (es spielt keine Rolle, welcher Partei sie angehören), müssen wir uns ausnehmen lassen.Der Strompreis kann Frau Merkel den Job kosten, aber es ist ein Traum anzunehmen, das sich unter Herrn Steinbrück etwas Grundlegendes ändert. Steuern werden höher werden und der Strompreis auch.

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