Steinbach will das Zentrum für Vertriebene
Köhler: Sorgen der Polen nicht ignorieren

Bundespräsident Horst Köhler hat die Heimatvertriebenen aufgefordert, bestehende Sorgen in europäischen Nachbarländern ernst zu nehmen.

HB BERLIN. Bundespräsident Horst Köhler hat die Heimatvertriebenen aufgefordert, bestehende Sorgen in europäischen Nachbarländern ernst zu nehmen. „Wir müssen geduldig vermitteln, dass es in Deutschland keine ernstzunehmende Kraft gibt, die die Geschichte umschreiben will“, mahnte Köhler am Samstag auf dem vom Bund der Vertriebenen (BdV) ausgerichteten „Tag der Heimat“ in Berlin. Zuletzt habe die Debatte um das Zentrum gegen Vertreibung in Berlin in den Nachbarländern Deutschlands manche beunruhigt und sorgenvoll gestimmt. „Diese Besorgnisse sollten wir nicht ignorieren - gerade wenn wir sie für unbegründet halten“, sagte Köhler.

Mit Blick auf die Aufarbeitung von Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg sprach sich der Bundespräsident nachdrücklich für ein „gemeinsames europäisches Erinnerungswerk“ aus. Die Beteiligten sollten sich nicht durch Widerstände und Schwierigkeiten entmutigen lassen. „Es braucht Zeit, bis man gemeinsame Erinnerungen annehmen kann“, sagte Köhler. Er selbst habe keinen Zweifel, dass es im gemeinsamen Europa am Ende gelingen werde, Erinnerung und Versöhnung zu verbinden. Köhler lobte die Ausstellung „Flucht, Vertreibung, Integration“ des Bonner Hauses der Geschichte. Sie könne Vorbild für das „sichtbare Zeichen“ zur Erinnerung an die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg werden, das die große Koalition in Berlin setzen will.

Aktivitäten des BdV sorgen seit Jahren für Spannungen vor allem mit dem Nachbarland Polen. Heftige Kritik löste die Verbandspräsidentin, die CDU-Politikerin Erika Steinbach, mit ihre Forderung nach einem „Zentrum gegen Vertreibung“ in Berlin aus. Auf dem diesjährigen Verbandstreffen sagte Steinbach, die Erinnerung an die Vertreibung Millionen Deutscher nach dem Zweiten Weltkrieg bleibe die Aufgabe des Staates und des ganzen deutschen Volkes. Sie bat Köhler, sich für einen nationalen Gedenktag einzusetzen. Erneut trat Steinbach für das geplante Zentrum in Berlin ein. Kritik äußerte Steinbach an der polnischen Regierung. Sie frage sich, was aus der Botschaft der polnischen Bischöfe von 1965 übrig geblieben sei, deren Kernsatz lautete: „Wir vergeben und bitten um Vergebung“.

Köhler, der erstmals vor den Vertriebenen auftrat, begrüßte es, dass sich der Bund der Vertriebenen von der Preußischen Treuhand distanziert habe. Es gehe nicht um materielle Entschädigung, sondern um die Erinnerung an menschliches Leid. Die Preußische Treuhand, die auch von Vertriebenen getragen wird, will vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Ansprüche auf ehemaligen deutschen Besitz in Polen einklagen. Es dürfe keinen Raum geben für Entschädigungsansprüche, für gegenseitige Schuldzuweisungen und für das Aufrechnen der Verbrechen und Verluste, zitierte Köhler die „Danziger Erklärung“ der früheren Staatsoberhäupter Johannes Rau und Aleksander Kwasniewski vom Oktober 2003.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%