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Steinbrück-Auftritt in London: „Wir dürfen den Krisenländern nicht nur die Keule überziehen“

SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück inszeniert sich in London als Bankenbändiger. Er plädiert für einen neuen Kurs in der Euro-Krise und warnt davor, dass harte Sparauflagen den Glauben an Europa untergraben könnten.

Peer Steinbrück wirbt in London für einen anderen Kurs in der Euro-Krisenpolitik. Quelle: MLR PHOTO für Handelsblatt
Peer Steinbrück wirbt in London für einen anderen Kurs in der Euro-Krisenpolitik. Quelle: MLR PHOTO für Handelsblatt

LondonPeer Steinbrück ist zurück in seiner größten Rolle. Etwas steif steht der Kanzlerkandidat der SPD auf der Bühne des alten Lesesaals der London School of Economics (LSE) und erklärt etwa 300 Wirtschaftsstudenten der renommierten Universität wie er die Finanzwelt retten und den Bankern Moral beibringen will. "Wir müssen das Erpressungspotenzial der Banken brechen", erklärt er. Und: "Die Schuldigen der Krise sollen endlich auch für ihre Folgen bezahlen".

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Seine größten Erfolge feierte der 66 jährige als Bundesfinanzminister auf dem Höhepunkt des großen Bebens an den Märkten  als er mit seinen Kollegen in Großbritannien und den USA in hektischer Krisendiplomatie versuchte die Kapitalmärkte vor dem Kollaps zu bewahren. Es wirkt fast ein wenig nostalgisch, wenn der SPD-Politiker erzählt, wie die G-20 Staaten bei ihrem großen Krisengipfel in London im April 2009 verabredeten, dass in Zukunft kein Finanzprodukt und kein Akteur an den Märkten unreguliert bleiben soll.

Steinbrücks Vorschläge zur Bändigung der Banken

  • Risikohaftung

    Der Staat soll sich aus der Haftung für die Banken weitgehend zurückziehen. Die Institute sollen europaweit aus eigenen Mitteln einen Rettungsschirm in Höhe von 150 bis 200 Milliarden aufbauen. Dieser „Banken-ESM“ soll auch Großbanken abwickeln oder restrukturieren können. Für kleine und mittelgroße Banken soll ein nationaler Fonds zuständig sein. Auch die Aktionäre und Gläubiger seien neben den Eigentümern an den Verlusten zu beteiligen.

  • Trennung von Geschäfts- und Investmentbanking

    Zunächst soll der Eigenhandel von Banken beschränkt werden. Darunter versteht man Geschäfte, die zur kurzfristigen Gewinnerzielung auf eigene Rechnung getätigt werden. In einem zweiten Schritt ist die Trennung des Einlage- und Kreditgeschäfts vom Investmentteil geplant. Fortführung der Bereiche unter dem Dach einer Holding als rechtlich eigenständige Töchter.

  • Landesbanken

    Ihre Zahl soll von bislang zehn auf zwei bis drei schlagkräftige Institute verringert werden.

  • Schattenbanken

    Für Hedge-Fonds, Private Equity, Zweckgesellschaften oder Geldmarktfonds sollen die gleichen Eigenkapitalregeln gelten wie für Banken. Verbot der Kreditvergabe an solche Finanzgesellschaften und der Beteiligung von Banken an ihnen.

  • Aufsicht

    Plädiert wird für eine europäische Bankenaufsicht nur für systemrelevante Großbanken unter dem Dach der EZB. Deutsche Spar- und Genossenschaftsbanken sollen nicht davon betroffen sein.

  • Vergütungen und Boni

    Alle Top-Verdiener (nicht nur der Vorstand) einer Bank sollen ihr Einkommen veröffentlichen. Die erfolgsabhängigen Zuschläge dürfen das Festgehalt nicht übersteigen.

Die Rolle als kompetenter Krisenmanager würde Steinbrück nur zu gerne wieder beleben, deshalb ist er zu einer kleinen Europatournee aufgebrochen, fernab aller heimischen Wahlkampfpannen, weit weg von allen lästigen Fragen über Redner-Honorare und Kanzlergehälter trifft er in Dublin den irischen Finanzminister, spricht in London mit dem scheidenden Chef der Bank of England und wird in Athen vom Staatspräsidenten empfangen. Zwischendurch erklärt er den Studenten der LSE die Finanzwelt, so wie er sie sieht, auf Deutsch, doch zumindest die anschließenden Fragen beantwortet Steinbrück in fließendem Englisch.

Etwa 300 Wirtschaftsstudenten der renommierten LSE-Uni sind gekommen. Quelle: MLR PHOTO für Handelsblatt
Etwa 300 Wirtschaftsstudenten der renommierten LSE-Uni sind gekommen. Quelle: MLR PHOTO für Handelsblatt

  • 05.02.2013, 20:36 Uhrlensoes


    Lieber Hr. Steinbrück, Sie hatten eigentlich genügend Zeit Ursachen und Folgen dieser Krise zu erkennen.
    Ich seh, Sie blieben vor Jahren stehen, suchen hilflos arrogant nach richtig erscheinenden Wegen. Bleiben aber im alten Morastdenken stecken.... Mühen Sie sich doch mal.

    Keine Angst, die irische Kartoffelkrise kommt nicht, gleichwohl, denk ich an manch Verantwortlichen, gilt es den Auswanderkoffer zu schnüren.

    Ihr packt das nicht.
    Zuviele platte Sprüchklopfer.

  • 05.02.2013, 16:25 Uhrdig@central.banktunnel.eu

    Das wird wohl nötig werden wenn die nicht lernen den Erhalt von Klagschriften mit TSempel und Unerschrift zu betsätigen.
    Denn so ist das ein Angriff auf die Rechtssatlichkeit als Merkmal der FDGO also Terrorismus (gewaltsame - hier durch unerralssen der richterlichen/Staatgewalt) Abschaffung einer Ordnung).

    http://www.bad-homburg.eu/20130502-sorgerecht-rueckschein.jpg

  • 05.02.2013, 15:51 Uhrmargrit117888

    wie er die Finanzwelt retten und den Bankern Moral beibringen will. "Wir müssen das Erpressungspotenzial der Banken brechen",
    ------------------------------------------
    Ach, das ist aber mal was ganz Neues.
    Warum hat er das denn ciht mit der HRE getan?
    Da konnte er doch nicht schnell genug retten mit Merkel im Schlepptau

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