Steinbrück-Debatte
Problem-Peer und sein Traum vom Kanzleramt

Die SPD will mit Steinbrück an die Macht. Doch der Kanzlerkandidat kommt nicht aus dem Quark. Eine Pannen-Serie macht ihm zu schaffen. Will er nicht als Problem-Peer in die Geschichte eingehen, muss er jetzt punkten.
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BerlinWas Peer Steinbrück politisch erreichen will, hat er der Welt zur Genüge in den vergangenen Monaten mitgeteilt. Steuern rauf, Renten rauf, Banken an die Leine. Der SPD-Kanzlerkandidat hat das in der ihm eigenen klaren und harten Sprache formuliert. Ohne Umschweife, unmissverständlich und immer treffsicher. Er hat sich dabei deutlich von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) abgegrenzt, hat ihr, wie zuletzt diese Woche im Bundestag, die Leviten gelesen und ihre Regierungspolitik in Grund und Boden verdammt. Nur, es nutzt ihm nicht.

Merkel bleibt, was sie ist, die Unberührbare, die sozialdemokratische Attacken an sich abperlen lässt. In der öffentlichen Wirkung übrig bleibt ein Kanzlerkandidatenkämpfer ohne echte Gegnerin – und ohne Fortune. Was nützt Steinbrück rhetorische Brillanz („Jede Frittenbude in Deutschland ist besser gemanaged als diese Energiewende.“), wenn am Ende die Pannen des Kandidaten überwiegen?

Seit Wochen muss sich Steinbrück für seine Nebeneinkünfte als Bundestagsabgeordneter von weit über einer Million Euro rechtfertigen. Besonders umstritten ist ein Redehonorar der Stadtwerke Bochum in Höhe von 25.000 Euro. Steinbrück erklärte sich nach dem Wirbel schließlich bereit, dieses Honorar zu spenden. Parteiintern wird der Vorgang als verunglückt angesehen. Auch wenn er jetzt von großem Rückhalt der Genossen spricht, kann auch Steinbrück nicht verhehlen, dass er nicht vom Fleck kommt. In Umfragen kann die SPD jedenfalls bisher von der Kandidatur des früheren Finanzministers nicht profitieren.

Ein Vertreter der SPD-Linken, der Berliner Landesvorsitzende Jan Stöß, machte seinem Unmut erst vor kurzem Luft, als er erklärte, dass die andauernden Debatten um die Person Steinbrück von den eigentlichen Kernthemen der Sozialdemokraten, Arbeitsmarkt, Rente und bezahlbare Mieten, ablenke. „Das ist bedauerlich.“ Es sei aber natürlich klar und auch richtig, dass an einen Kanzlerkandidaten besondere Maßstäbe angelegt würden.

Stöß nahm dabei auch Bezug auf Steinbrücks Erklärung, wahrscheinlich die Gratis-Bahnkarte für Abgeordnete für seine Reisen zu Honorar-Vorträgen genutzt zu haben. Dass darüber eine erneute Diskussion in Gang geriet quittierte Steinbrück mit fassungslosem Kopfschütteln und dem Satz: „Hat diese Republik ja nicht andere Probleme als den Umgang mit meiner Netzkarte bei der Bahn AG?“

Vielleicht hat Steinbrück Recht, dass hier etwas zum Skandal aufgeblasen wird, was viele Bürger in Deutschland nicht die Bohne interessiert, weil sie lieber wüssten, wie es für sie weiter geht, ob ihre Arbeitsplätze sicher sind, ihre Rente genauso. Oder ob stattdessen der ganze Wohlstand in diesem Land mit den gigantischen Steuereinnahmen an ihnen vorbeihuscht und ein zumindest ein Teil davon in den Rettungsmaßnahmen für Griechenland verschwindet.

Kommentare zu " Steinbrück-Debatte: Problem-Peer und sein Traum vom Kanzleramt"

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  • Ein Kanzlerkandidat ist für mich nicht wichtig. Viel schlimmer ist, dass die SPD an den altvorderen Köpfen der Sozialverräterschaft festhält und sich immer noch nicht von der Agenda 2010 massiv distanziert, mit einem neuen bürgernahen und gerechtem Sozialprogramm. Die damaligen massiven Eingriffe ohne Not müssen weg. Nur das zählt. Leider bewegt sich die alte SPD keinen Millimeter in eine neue Richtung. Das ist das Desaster. Warum sollten darum Millionen frühere Stammwähler (Arbeitnehmer, Rentner, Schwache) der SPD wieder eine Stimme geben? Es ändert sich ja nichts, und obendreingeht der Ausverkauf unseres Landes an die EU-Pleitländer noch schneller voran. SPD?: niemals mehr!

  • MERKEL besser ?

  • Mann Mann Ulrich,

    Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass Sie dort die Wahrheit lesen? Da kriegen Sie das serviert, was Bürgerdoofi hören/glauben soll.
    Dachte, Sie wären eine Ecke weiter ;-))

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