Steinbrücks Abwehrgeste
Thierse sieht „inszenierte Empörung“ als Teil des Wahlkampfs

Peer Steinbrücks aufsehenerregende „Stinkefinger“-Geste sorgt für Gesprächsstoff: Wolfgang Thierse empfindet die entbrannte Debatte als hysterisch, Politikberater Spreng hält die Geste für einen folgenschweren Fehler.
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Osnabrück/ HalleNach der aufsehenerregenden „Stinkefinger“-Geste von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück bei einem Fotoshooting gehen die Meinungen darüber weiter auseinander. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) kritisierte die entbrannte Debatte als hysterisch. „Die Aufregung und die inszenierte Empörung sind Teil des Wahlkampfs“, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom Samstag. Hingegen hält der Politikberater Michael Spreng Steinbrücks Geste für einen folgenschweren Fehler. „Das ist mir unbegreiflich, und ich glaube, das schadet ihm“, sagte er der „Mitteldeutschen Zeitung“ aus Halle.

Auf der Titelseite des am Freitag erschienenen Magazins der „Süddeutschen Zeitung“ ist Steinbrück mit ausgestrecktem Mittelfinger zu sehen. Das Foto entstand im Rahmen einer Serie, in der allein mit Gesten und Mimik auf Fragen geantwortet wird. Steinbrück war in Anspielung auf den holprigen Start seines Wahlkampfs gefragt worden: „Pannen-Peer, Problem-Peer, Peerlusconi - um nette Spitznamen müssen Sie sich keine Sorgen machen, oder?“ Daraufhin zeigte er den sogenannten Stinkefinger.

Mit dieser Geste habe der Sozialdemokrat keineswegs eine Grenze überschritten, sagte sein Parteifreund Thierse. Schließlich sei er aufgefordert worden, satirisch zugespitzt mit einer Grimasse zu antworten, und habe niemanden persönlich attackiert, sondern vielmehr eine heftige Abwehrgeste gezeigt. Thierse sagte, er halte die „vollständige inhaltliche Nacktheit der CDU-Wahlplakate für erheblich obszöner, weil sie die Intelligenz der Wähler beleidigt“.

Spreng hingegen verwies darauf, dass Steinbrück für das Amt des Bundeskanzlers kandidiere „und nicht als Vorsitzender eines Rockerklubs“. Der Wahlkampfmanager von Unionskanzlerkandidat Edmund Stoiber im Jahr 2002 wies vor allem auf eine aus seiner Sicht fatale Bildsprache hin. „Fotos wirken mehr als tausend Worte“, sagte Spreng. „Das Foto wirkt allein, und allein wirkt es anstößig.“

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Piratenchef findet Steinbrücks „Stinkefinger“ stillos

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  • Authentische Torheit respektive authentischer Tor?
    Sind Zweifel darüber, dass der Kanzlerkandidat ernsthaft Verantwortung für unser Land übernehmen möchte, nicht völlig berechtigt? Wie sonst ist zu erklären, dass der Kandidat für sich persönlich ausschließt, seinem Land gegebenenfalls in der Funktion eines Bundesministers dienen zu wollen? Sein Anspruch: Ich stehe nur zur Verfügung,
    wenn ich... hatten wir doch schon einmal, bevor der Herausforderer - anlässlich der NRW-Wahl - vom hohen Roß gefallen ist.

    Warum tut er sich das überhaupt an, wenn es ihm als gefragter Vortragsreisender doch eigentlich viel besser ging und die drohende Vergütung als vermeintlicher Bundeskanzler als finanzielle Unwucht beklagt wird? Warum sich selbst untreu werden und eigene Grundüberzeugungen aus der Agenda 2010, wegen vermeintlich besserer Vermarktungschancen, kurzerhand über Bord werfen?

    Als glänzender Rhetoriker vermag der Kandidat zu überzeugen. Da hebt er ab - wie eine Rakete. Seine selbstverliebte Herangehensweise, das übersprudelnde Mundwerk rattert wie eine Maschinenpistole, beinhaltet ein gewisses Gefahrenpotenzial und unerwünschte Nebenwirkungen. Seine Einlassungen klingen oft wie überhebliche Belehrungen und nach Besserwisserei. Der Schuss geht einmal mehr nach hinten los, die Rakete wird zum Rohrkrepierer.

  • Stinke- P€€R ist der ideale Schatzmeister. Genau wie Schäuble hat er zwar keine Ahnung von verantwortungsvollem Wirtschaften und den Sorgen und Nöten des Zahlvolkes. Aber er liebt die Geldschätze! Deshalb verkauft er sich so teuer wie möglich: Von befreudeten Bürgermeisterinnen erhält er Honorare von bis zu 25ooo € pro Stunde Flachlabern! Wie auch der Gaukler sie genossen hat! So einem vertrauen wir gerne unser sauer verdientes Steuereld an! Damit er davon eine KAVALLERIESCHWADRON ausrüsten kann um in die SCHWEIZ einzureiten! Ich befürchte nur das ihm neben seinen zahlreichen AUFSICHTSRATSPOSTEN wenig Zeit für den BUNTESTAG bleiben wird!

  • Für Autofahrer ist der Stinkefinger strafbar. Und für Kanzlerkandidaten?

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