Steinbrücks letzte Rede im Bundestag „Letzter Ton aus dem Jagdhorn“

Mr. Finanzkrise und Fettnäpfchen-Peer tritt ab: SPD-Politiker Steinbrück verabschiedet sich mit einer letzten Rede aus dem Bundestag. Dabei warnt er vor Fehlentwicklungen in Deutschland und Europa.
Update: 29.09.2016 - 14:16 Uhr
„Ich gehörte natürlich zur Partei der Schlauberger“, sagte Steinbrück humorvoll bei seiner letzten Rede im Bundestag. Quelle: dpa
Peer Steinbrück

„Ich gehörte natürlich zur Partei der Schlauberger“, sagte Steinbrück humorvoll bei seiner letzten Rede im Bundestag.

(Foto: dpa)

BerlinAm Ende blitzt noch einmal der typische Steinbrück-Humor auf. Eine recht banale Erkenntnis habe er nach einer zugegebenermaßen „längeren Lernkurve“ gewonnen, berichtet der ehemalige Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat am Donnerstag bei seiner letzten Rede vor dem Deutschen Bundestag.

„Als ich vor 47 Jahren in die SPD eintrat, da dachte ich, dass die Verteilung von Sumpfhühnern und Schlaubergern bei den Parteien ziemlich einseitig ist“, sagte Peer Steinbrück. Er habe natürlich zur „Partei der Schlauberger“ gehört. „Inzwischen weiß ich, dass die Verteilung solcher Sumpfhühner und Schlauberger in und zwischen den Parteien der Normalverteilung der Bevölkerung folgt“, gab der 69-Jährige zu – und erntete fraktionsübergreifendes Gelächter.

Steinbrücks letzte Rede: „Das ist der letzte Ton aus meinem Jagdhorn“

Tatsächlich prägte Steinbrück als Staatssekretär, Landesminister, Ministerpräsident, Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat über 25 Jahre die deutsche Politik. So bleibt sein Auftritt als Bundesfinanzminister auf dem Höhepunkt der Finanzkrise in Erinnerung, bei dem er mit der Kanzlerin die deutschen Spareinlagen garantierte.

Weniger glatt lief seine durch Mentor und Altkanzler Helmut Schmidt ausgerufene Kanzlerkandidatur 2013: „Hätte, hätte – Fahrradkette“, fasste Steinbrück selbst die Querelen um Rednerhonorare, Kanzlergehalt und Pinot Grigio zusammen. Ungeklärt bleibt allerdings seine Rolle etwa beim Scheitern der größten Landesbank WestLB samt Milliardenrisiken für Nordrhein-Westfalen oder aber bei dubiosen Cum/Ex-Geschäften mit Steuerrückerstattungen an Banken und andere Investoren.

Steinbrücks Fettnäpfchen
Steinbrücks letzte Rede im Bundestag
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Der SPD-Politiker hielt am Donnerstag seine letzte Rede im Bundestag. Dabei schlug er ernste Töne an, aber auch humorvolle: „Als ich vor 47 Jahren in die SPD eintrat, da dachte ich, dass die Verteilung von Sumpfhühnern und Schlaubergern ziemlich einseitig auf die Parteien verteilt ist. Und ich gehörte natürlich zur Partei der Schlauberger.“ Inzwischen habe er aber gelernt, dass die Verteilung solcher Sumpfhühner und Schlauberger in und zwischen den Parteien der Normalverteilung der Bevölkerung folgt. Dies habe ihm die interfraktionelle Zusammenarbeit erleichtert, sagte der Bundestagsabgeordnete, frühere SPD-Kanzlerkandidat und einstige Bundesfinanzminister.

Ob er Sumpfhuhn oder Schlauberger war – mit seinen Sprüchen ist Steinbrück immer wieder angeeckt.

Reaktionen Steinbrück Italien
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Peer Steinbrück schafft es auch als Kanzlerkandidat der SPD auf alle Titelseiten der italienischen Zeitungen. Er bezeichnete Ex-Regierungschef Berlusconi und den ehemaligen Komiker und Spitzenkandidat der 5-Sterne-Bewegung, Beppe Grillo, als „Clowns“ und provozierte einen diplomatischen Eklat.

WAGGON FAHRGAST
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Es gibt viele Arten, sich unangreifbar zu machen. Der SPD-Kanzlerkandidat forderte von seinen Genossen gleich am Anfang: "Das Programm muss zum Kandidaten passen, der Kandidat zum Programm. Ihr müsst dem Kandidaten an der einen oder anderen Stelle auch etwas Beinfreiheit einräumen." Peer Steinbrück wollte damit volle Richtlinienkompetenz - und das Recht, das sagen zu dürfen, worauf er gerade Lust hat. Steinbrück hat von diesem Recht reichlich Gebrauch gemacht.

Peer Steinbrück
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Mit Äußerungen zum Wahlausgang in Italien provozierte Steinbrück einen handfesten diplomatischen Eklat. Bei einer SPD-Veranstaltung sagte er, er sei bis zu einem gewissen Grad entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen hätten. Damit spielte er auf das Abschneiden des früheren Regierungschefs Berlusconi und des Spitzenkandidaten der Protestbewegung "5 Sterne", Grillo an. Italiens Staatspräsident Napolitano sagte wegen der Äußerungen ein Treffen mit Steinbrück ab. Auch in seiner eigenen Partei regte sich Kritik. Die SPD-Abgeordnete Burchardt sagte, es sei nicht diplomatisch, das politische Personal eines befreundeten Staates mit solchen Begriffen zu belegen. Der SPD-Fraktionsgeschäftsführer Oppermann vertrat dagegen die Ansicht, Steinbrück habe es auf den Punkt gebracht. Man dürfe doch politische Ereignisse auch noch politisch kommentieren, wenn man Kanzlerkandidat sei.

Merkel und Steinbrück
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In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung attestierte Steinbrück seiner Gegnerin Angela Merkel (CDU) einen Sympathievorsprung. "Angela Merkel ist beliebt, weil sie einen Frauenbonus hat", sagte Steinbrück der FAS. Das klang nicht nur nach der beleidigten Ausrede eines Kandidaten, der sich damit schon als künftigen Verlierer outet, sondern war auch nicht feinfühlig - und das zu einer Zeit, in der viele Frauen darum kämpfen müssen, ihren Beruf mit der Familie in Einklang zu bringen.

Steinbrück wird bei Twitter mit Fragen überschüttet
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Der Peer Steinbrück folgte dem Rat seiner Kommunikationsberater: Er müsse auch im Internet Präsenz zeigen. Gesagt, getan. Aber nicht allein. Beim Twitterview konnte man sehen, wie Steinbrück seinem Nebenmann die Antworten diktierte. Der SPD-Finanzexperte machte dazu einen unbeholfenen Eindruck. Prompt meldete sich der politische Gegner: Bundesumweltminister Altmaier (CDU), der selbst aktiv zwitschert, forderte Steinbrück auf, kenntlich zu machen, wann er persönlich auf Twitter aktiv ist.

Steinbrueck wollte vor fast 15 Jahren Sparkassen-Praesident werden
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Es gibt kaum etwas solideres als die gute alte Sparkasse. Steinbrück findet, dass man den Sparkassendirektor für sein Gehalt beneiden kann. Vor allem, wenn man Regierungschef ist. „Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin“, sagte Steinbrück zum Jahresende 2012. Auch wenn der Satz faktisch richtig ist: Vielen Genossen dürften ihrem Kanzlerkandidaten diese Aussage nicht verzeihen. Auch andere Wähler nicht. Zumal im internationalen Vergleich sich das derzeitige Gehalt der Bundeskanzlerin sehen lassen kann.

„Dumpfbackige Kräfte in unserer Gesellschaft“
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