7 Bewertungen ****
15.07.2008 
Stoiber „weggemobbt“

Steinmeier attackiert CSU-Spitze

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) greift in den bayerischen Landtagswahlkampf ein. Harsch kritisiert er die Politik des neuen CSU-Führungsduos Huber/Beckstein – und deren Umgang mit dem früheren Ministerpräsidenten Edmund Stoiber.

Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (r, CSU) und der CSU-Vorsitzende Erwin Huber. Foto: dpaLupe

Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (r, CSU) und der CSU-Vorsitzende Erwin Huber. Foto: dpa

HB THEUERN. Ausgerechnet von der Konkurrenz wird Edmund Stoiber derzeit mit Lob überhäuft. Die jüngsten Äußerungen vom SPD-Vize Steinmeier müssen ihm runtergehen wie Öl.

Doch ganz uneigennützig agieren die Sozialdemokraten nicht. Hintergrund der Lobhudelei: der bayerische Landtagswahlkampf. CSU-Chef Erwin Huber und Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) würden wegen ihrer ständigen Taktiererei in der Bundespolitik nicht mehr ernst genommen, sagte Steinmeier auf einer SPD-Veranstaltung im oberpfälzischen Theuern. Seitdem das neue CSU-Führungsduo den früheren Ministerpräsidenten Edmund Stoiber „weggemobbt“ habe, sei in Bayern vieles politisch negativ ins Rutschen gekommen.

Der Freistaat, der unter Stoiber noch in „guten Händen“ gelegen habe, laufe inzwischen vielen Entwicklungen hinterher. So habe die neue Führung den Transrapid „gegen die Wand gefahren“. Steinmeier warf Bayerns Finanzminister Huber vor, sich trotz seiner politischen Mitverantwortung bei den Vorgängen um die BayernLB mit Ausflüchten „in die Büsche geschlagen zu haben“.

Jeder Fußballtrainer, der ein solches Durcheinander anrichte wie Huber und Beckstein, müsse um seinen Stuhl fürchten, sagte der SPD- Vize vor knapp 1000 Zuhörern bei der Kundgebung zur bayerischen Landtagswahl am 28. September. Er rief die Sozialdemokraten auf, offensiv den Kampf gegen Populisten aller Art aufzunehmen. Insbesondere die „Gauckler und Märchenerzähler“ von der Linkspartei dürften keine Chance erhalten.

Tatsächlich hat die CSU Umfragen zufolge in den vergangenen Monaten an Wählerzuspruch verloren. Beckstein räumte ein, vor der Landtagswahl müsse die CSU um jede Stimme kämpfen. Es gebe keinen automatischen „Übertrag“ von der Wahl 2003. Damals hatte die CSU unter Edmund Stoiber ein Rekordergebnis von 60,7 Prozent der Stimmen geholt.

Punkten bei den Wählern wollen Beckstein und Huber am 28. September nun mit ihrer Forderung nach Wiedereinführung der alten Pendlerpauschale und einem klaren Ja zur Atomkraft punkten. Der CSU-Vorstand billigte dazu jetzt einstimmig Becksteins Entwurf für ein Regierungsprogramm für die Jahre 2008 bis 2013. Dieses soll auf dem Parteitag am Freitag und Samstag beschlossen werden. Beckstein betonte, er wolle bis 2013 Ministerpräsident bleiben. Die CSU habe „die allerbesten Chancen“ auf ein Ergebnis von „50 plus X“ Prozent der Stimmen. „Wir wollen aber der Güte Gottes keine allzu engen Grenzen setzen“, fügte er hinzu.

Zum unionsinternen Streit über die Pendlerpauschale sagte Huber, die Christsozialen hielten „selbstverständlich“ an ihrer Forderung nach einer Rückkehr zur alten Regelung mit einer Erstattung der Fahrtkosten bereits vom ersten Kilometer an fest. Dies sei genau die richtige Antwort auf die gestiegenen Energiepreise. Zudem verwies er darauf, dass die CSU eine eigenständige Partei sei und ihre Ziele eigenständig formuliere. „Wir sind auch selbstbewusst genug zu sagen: Die gesamte Union braucht eine starke CSU.“ Der Streit über die Pendlerpauschale sei aber kein Anlass für ein Zerwürfnis mit der CDU.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Konjunkturbeschleuniger verzweifelt g...

    Konjunkturbeschleuniger verzweifelt gesucht

    Wie soll die schwächelnde Konjunktur wieder angekurbelt werden? Im Umfeld der Bundesregierung kursieren die unterschiedlichsten Modelle. Den Stein der Weisen hat aber noch keiner gefunden. Fakt ist: Dem bereits geschnürten ersten Wachstumspaket soll ein zweites folgen....Bildergalerie 

  • Die Säulen der thailändischen Gesells...

    Die Säulen der thailändischen Gesellschaft

    Nation, Monarchie und Religion sind die drei Eckpfeiler, die den Rahmen der thailändischen Gesellschaft bilden. Die Stärke und Tragkraft der thailändischen Gesellschaft resultiert aus der Tragkraft dieser drei Säulen. Es ist der einzige Staat der dem Kolonialismus trot...Bildergalerie 

  • Thailands Flughäfen geräumt

    Thailands Flughäfen geräumt

    Aufatmen für Hunderttausende Touristen: Die thailändischen Regierungsgegner haben die Blockade der internationalen Flughäfen beendet. Bilder vom - zumindest vorübergehenden - Ende einer Krise.Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Den Nullzins vor Augen  Artikel in Merkliste

05.12.2008, 07:05 Uhr von Nobert Häring

Wenn die Welt in die schwerste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit abgleitet, muss die Wirtschaftspolitik Gewohnheiten aus normalen Zeiten hinterfragen. Das gilt auch für die Geldpolitik. Innerhalb weniger Wochen haben sich die Perspektiven für Inflation und Wachstum dramatisch verändert. Da ist das übliche Finetuning der Zinsen in kleinen Schritten nicht mehr sinnvoll. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Letztes Aufgebot  Artikel in Merkliste

05.12.2008, 05:19 Uhr von Helmut Hauschild

Vor allzu viel deutscher Euphorie sei tgewarnt. Die aktuelle Personalrochade könnte ein kurzes Hurra für die Bundesregierung sein. Kommentar