Stellungnahme: „Was schausten so?“

Stellungnahme
„Was schausten so?“

Die ZDF-Journalistin Bettina Schausten reagiert gelassen auf den Spott, den sie sich durch einen einzigen Satz im Interview mit Bundespräsident Wulff eingehandelt hat. 150 Euro für eine Übernachtung bei Freunden?
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Die Fernsehjournalistin Bettina Schausten hat gelassen auf die Häme reagiert, die ihr nach dem TV-Interview mit dem massiv unter Druck stehenden Bundespräsident Christian Wulff zu Teil wurde. Mit einem einzigen Satz in dem Interview hatte es Schausten binnen Minuten geschafft, zwei eigene Seiten bei Facebook - darunter: „Fr. Schausten muss ihre bezahlten Übernachtungen bei Freunden offenlegen“ - viele Tweets bei Twitter und eine Menge Spott auf Webseiten und Blogs aller Art einzufahren. “Frau Schausten” ist das Schlagwort des Tages im deutschsprachigen Web geworden - Google findet 213.000 Einträge, die sich größtenteils mit ihrem großen Auftritt beschäftigen, oder besser gesagt: der 150-Euro-Frage.

Was ist passiert? Als Wulff Bettina Schausten und ihrem ARD-Kollegen Ulrich Deppendorf erklärt, warum sich “die Republik zum Negativen” wandele, wenn man als Bundespräsident nicht mehr kostenlos bei seinen Freunden übernachten dürfe, kommt es zu einem folgenschweren Wortwechsel.

Und zwar:

Bettina Schausten: „Aber da hätten Sie natürlich auch sagen können: Ich gebe Euch mal pro Nacht 150 Euro. Sowas. Was spricht dagegen eigentlich?“
Christian Wulff: „Machen Sie das bei Ihren Freunden so?“
Schausten: „Ja.“
Wulff: „Dann unterscheidet Sie das von mir in dem Umgang mit den Freunden.“

„Die Welle, die da heute durch das Internet ging, fand ich amüsant“, sagte die Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. „Ich darf Ihnen sagen: Nein, ich nehme kein Übernachtungsgeld von Freunden, die auf meiner Gästematratze übernachten. Darum ging es in dem Interview mit Wulff aber auch nicht.“ Schausten führte aus: „Es ging im Gesprächskontext nicht um mich, sondern um die Frage, ob man als Ministerpräsident wirklich kostenlosen Urlaub bei Millionärsfreunden annehmen darf.“ Der Bundespräsident habe versucht, das ganze Thema auf die Ebene von normalen Besuchen bei Freunden herunterzubrechen. Sie habe sich dabei den Einwand erlaubt, dass man bei Urlaubsaufenthalten selbstverständlich auch Freunden anbieten könne, einen finanziellen Beitrag zu leisten, betonte Schausten. Das habe sie in der Vergangenheit auch selbst schon getan.

Die Häme gegen sich habe sie wahrgenommen, sagte die ZDF-Moderatorin. „Ich hatte mit dem journalistischen Ertrag des Interviews heute allerdings mehr zu tun.“ Die Entwicklung im Fall Wulff gehe weiter. „Der Bundespräsident hat neue Maßstäbe in Sachen Transparenz versprochen und wird sich daran messen lassen müssen.“

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  • Wer mit der Forderung nach Transparenz auf den Lippen so lügt wie Frau Schausten, hat seine Legitimation als großer Aufklärer verspielt und sollte nicht ernsthaft versuchen als erster im Glashaus mit Steinen werfen.
    http://bit.ly/xtWf38

  • "Also entweder weichklopfen oder absägen und durch einen Abnicker ersetzen."
    Volltreffer. Man merkt, dass Sie keinen Fernsehe haben. Somit konnten Sie sich den Merkel-Propagandamedien erfolgreich entziehen und haben den Durchblick. Schön, endlich mal nicht die übliche "Wulff muss zurücktreten"-Leier der Mainstreamschreiber lesen zu müssen. Danke dafür !

  • Wenn ich diesen Quatsch über die Reaktionen auf Frau Schausten lese, dann habe ich keine Zweifel mehr: Wir leben tatsächlich in einer Republik mit unterirdischen Geisteshaltungen. Es muß wohl erst wieder ein großer Krieg kommen und alles platt machen, damit sich diese geistige Anti-Elite von Kritikern und Besserwissern mit wichtigeren Dingen beschäftigt und so ein Quatsch wie die Sozialmedien, der Ausdruck ist schon abartig, im Keller landen.

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