„Stern“-Interview
Kohl erklärt Ex-Biographen für verrückt

In einem gemeinsamen Interview mit dem „Stern“ sprechen Helmut Kohl und seine Frau über ihre Ehe und die Söhne des Altkanzlers. Im Streit um die Kohl-Protokolle schlägt das Ehepaar mit drastischen Worten zurück.
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Berlin/HamburgAltkanzler Helmut Kohl hat seinen ehemaligen Biografen Heribert Schwan im Streit um die publizistische Verwertung von Gesprächen über sein politisches Leben persönlich angegriffen. Kohl sagte dem „Stern“ in einem gemeinsamen Gespräch mit seiner Frau Maike Kohl-Richter nach einer Mitteilung des Magazins vom Mittwoch, es sei sein Fehler gewesen, dass er Schwan vertraut habe. Der sei „verrückt“. Kohl-Richter nannte Schwan demnach einen „Wichtigtuer“ und warf ihm Diebstahl geistigen Eigentums vor.

Schwan hatte Kohl 2001 und 2002 mehr als 600 Stunden in dessen Haus interviewt und die Gespräche auf Band aufgenommen. Sie dienten der Vorbereitung von Kohls Memoiren, von denen drei Bände erschienen - danach wurde die Zusammenarbeit beendet. Nun hat Schwan das Buch „Vermächtnis: Die Kohl-Protokolle“ veröffentlicht und darin zum Teil unverblümt Kohls Kritik an politischen Weggefährten wiedergegeben.

Kohl bestreitet, dass Schwan seine Aussagen hätte verwenden dürfen und verlangt, dass mehr als 100 Zitate in dem Buch gestrichen werden. In dem Rechtsstreit zwischen den beiden will das Landgericht Köln am 13. November eine Entscheidung verkünden. Kohl-Richter sagte, sie rechne in der ersten Instanz mit einem für sie positiven Ausgang.

Lobende Worte fand Kohl in dem „Stern“-Gespräch über den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban: „Er ist ein großer Europäer, er denkt und handelt europäisch.“ Orban und seine rechtskonservative Regierung nutzten ihre Macht bisher auch dafür, repressive Mediengesetze durchzusetzen, verfassungsmäßige Kontrollinstanzen auszuschalten und die Wahlordnungen an eigene Bedürfnisse anzupassen.

Außerdem schwärmte der Altkanzler von seiner Ehe: „Ganz eindeutig. Ich bin glücklich“. Seine zweite Frau habe ihm viel geschenkt. „Eine schöne Ehe.“ Die 1964 geborene Kohl-Richter sagte, ihre Ehe sei ein Ausdruck von Liebe und tiefer Verbundenheit. Das Paar ist seit dem 8. Mai 2008 verheiratet. Kohl sitzt seit einem Sturz vor sechseinhalb Jahren im Rollstuhl und kann nur mühsam sprechen. Seine Frau sagte, sie liebe Kohl sehr. „Ich würde das alles wieder tun.“

Sein Verhältnis zu seinen zwei Söhnen Peter und Walter beschreibt Helmut Kohl im „Stern“-Gespräch als schlecht. „Wir haben kein gutes Verhältnis.“ Er wolle seine Söhne auch nicht sehen.

Kohl-Richter wehrt sich in dem Gespräch gegen Vorwürfe, sie zerre ihren Mann an die Öffentlichkeit. „Unser Leben ist nicht so negativ, wie die öffentliche Darstellung über uns ist.“

Es sei schwer für sie gewesen, in das Haus zu ziehen, in dem Kohl mit seiner ersten Frau Hannelore gewohnt habe. Hannelore Kohl nahm sich dort 2001 das Leben. „Es bleibt das alte Haus, das alte Gemäuer. Die Geschichte bleibt die alte Geschichte. Das darf man nicht dramatisieren, aber es ist natürlich nicht meins“, sagte Kohl-Richter. Das Haus in Ludwigshafen-Oggersheim sei aber für sie beide „der einzige Weg“ gewesen, zusammenzubleiben und es sei für ihren Mann „die einzige Chance, gesund zu werden“.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Die Äußerungen seiner Frau klingen schon ein wenig wirr - ähnlich denen, die von ihm so überliefert werden nachdem er zunehmend unter Fremdeinfluß zu stehen scheint.

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