Steuer-CDs
Gabriel droht Schweizer Banken mit Justiz

Der Streit um ein schärferes Vorgehen gegen Steuersünder, die Geld in der Schweiz verstecken, schwelt weiter. SPD-Chef Gabriel sieht deutsche Ermittler am Zug, die Koalition wirbt für das Steuerabkommen mit der Schweiz.
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BerlinSPD-Chef Sigmar Gabriel verlangt ein Einschreiten der Justiz gegen Schweizer Banken, die Deutschen beim Steuerbetrug helfen. „Hier reden wir über organisierte Kriminalität in Schweizer Banken in Deutschland“, sagte er am Sonntag im Deutschlandfunk. Ihn ärgere, dass nicht einmal eine Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft am Finanzplatz Frankfurt gegründet werde, wo Schweizer Institute vertreten sind. Auch der Generalbundesanwalt könne ermitteln.

Der Streit um den Kauf von CDs mit Kontodaten eidgenössischer Banken und das beiderseitige Steuerabkommen schwelt unterdessen weiter. Die Regierung in Bern hat nach eigenen Angaben „keine Anzeichen“ für ein Weiterverschieben von Schwarzgeld.

Gabriel sagte, Deutschland solle sich an den USA orientieren: „Die haben schlicht und ergreifend Schweizer Banken mit Strafverfolgung bedroht. Warum trauen wir uns das eigentlich nicht?“ Der SPD-Chef verteidigte den Kauf neuer Kontodaten durch das rot-grün regierte Nordrhein-Westfalen. Auch der SPD-Haushaltsexperte Carsten Schneider nannte das „absolut legitim“, solange es kein gültiges Steuerabkommen gebe. „Das ist bisher immer noch das effektivste Mittel, Steuerhinterzieher dazu zu bewegen, ihr Schwarzgeld zu legalisieren und in Deutschland ordentlich zu versteuern“, sagte er der dpa.

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle sagte dagegen der „Rheinischen Post“ (Samstag): „Steuerflucht ist kein Kavaliersdelikt, der Kauf von gestohlenen Daten durch den Staat ist aber auch nicht sauber.“ Es sei „scheinheilig, den Steuer-Sheriff zu spielen und gleichzeitig durch sture Blockade die Bekämpfung von Steuerflucht zu verhindern.“ Der Chef der CSU-Mittelstands-Union, Hans Michelbach, warf der SPD vor, „mit blindem ideologischen Hass einen Privatkrieg gegen die Schweiz“ zu führen. „Statt auf den zivilisierten Weg eines internationalen Abkommens setzt die SPD auf die Zusammenarbeit mit Kriminellen.“

Die SPD kritisierte erneut das von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ausgehandelte Steuerabkommen mit der Schweiz. Problematisch sei, dass „es die Steuerhinterziehung legalisiert und so viel Zeit schafft für Steuerhinterzieher, ihr Geld woanders hin zu schaffen, dass es am Ende unwirksam ist“, sagte Gabriel. Das Abkommen soll ab 2013 gelten und sieht für Kapitalerträge deutscher Kunden bei Schweizer Banken eine Steuer vor, die so hoch ist wie in Deutschland. Auch altes Schwarzgeld soll einmalig besteuert werden. Im Bundesrat gibt es aber bisher keine Mehrheit dafür.

Die Schweizer Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf hat „keine Anzeichen“ dass deutsches Schwarzgeld nach Singapur verschoben wird. Das Steuerabkommen sei „darauf ausgelegt, dass Gelder nicht irgendwohin verschoben werden, sondern hier nachbesteuert werden zu akzeptierbaren Bedingungen“, sagte sie der „Aargauer Zeitung“ (Samstag). Der Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung, Patrick Odier, sagte dem „Spiegel“: „Es gibt seit der Unterzeichnung des deutsch-schweizerischen Steuerabkommens im vergangenen September keine nennenswerten Abflüsse von deutschen Vermögen aus der Schweiz.“

NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) hatte dagegen über Hinweise gesprochen, dass Schweizer Banken deutschen Steuerbetrügern helfen, Geld in andere Länder zu retten. Nach Erkenntnissen seiner Fahnder „unterlaufen Schweizer Banken gezielt das Steuerabkommen“, sagte er dem „Spiegel“.

Für die Linke ist das Steuerabkommen „das Papier nicht wert, auf dem es gedruckt ist“. Ihre Steuerfachfrau Barbara Höll sagte in Berlin: „Das Treiben der Schweizer Banken und ihrer steuerflüchtigen Kunden ist längst ein Fall für Staatsanwälte und Ermittlungsrichter und nicht für irgendwelche zwischenstaatliche Vereinbarungen.“

Aus Sicht des Wissenschaftlers Wolfgang Seibel kommt der Ankauf von Steuersünder-CDs Hehlerei und Anstiftung zu Straftaten gleich. „Man kann Unrecht nicht mit Unrecht bekämpfen wollen“, sagte der Konstanzer Politologe der dpa. „Wir sind keine Bananenrepublik, die mit Straftätern gemeinsame Sache macht - wir haben einen Ruf zu verlieren.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Steuer-CDs: Gabriel droht Schweizer Banken mit Justiz"

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  • Alle "Gutbürger", die bei diesem Thema zuerst einmal an den brav arbeitenden Schweizer aus der Tourismus-Werbung denken, an Albert Schweizer und "Heidi" sollten einmal darüber nachdenken, womit die Schweiz im globalen Wettbewerb ihr Geld verdient.

    Die grandiose Landschaft und die Freundlichkeit der Schweizer mögen genug Anreiz für Touristen bieten.

    Internationalen Großunternehmen müssen schon Steuervorteile geboten werden, damit diese ihre Firmenzentralen nach Zürich, Bern oder Genf verlegen.

    Und welche Anreize bietet man Privatanlegern jeglicher Couleur?

    Zuletzt war in einer schweizer Zeitung zu lesen, daß an die 50.000 Arbeitsplätze im Finanzbereich gefährdet seien, wenn das Bankgeheimnis weiter abgebaut würde.

  • @ Handelsblatt

    Könnte mal jemand die geistigen Tiefflieger-Kommentare von BMI23, margrit117888 löschen?

    Oder haben Kommentare zur Leibesfülle von Gabriel und anderen Politikern etwas mit dem Inhalt des Artikels zu tun?

  • Denke, es sind nicht nur Multimillionäre, die ihr Geld in die Schweiz in Sicherheit gebracht haben, sondern der Großteil wird der deutsche Normalbürger sein, der Angst hat angesichts der deutschen Politik, daß sein Geld in Zukunft nix mehr wert ist, und er immer mehr steuerlich abgezockt wird durch eventuelle Zwangsanleihen etc.pp.!
    Nun ja: Gibt noch eine andere Möglichkeit -> man kauft eben Schweizer Franken, norwegische Kronen und bunkert das dann zu Hause im Tresor. Goldbeimischung ist auch gut! So hat man Sicherheit auch zu Hause, ohne in die Schweiz fahren zu müssen, und unser gieriger Staat hat auch auf diese Gelder keinerlei Zugriff. Das Geld auf Konten, Sparbüchern etc. liegen zu lassen wäre, angesichts der niedrigen Zinsen reiner Blödsinn. Wer weiß denn, wie lange es den heutigen Euro noch geben wird, und welchen Außenwert der Euro in 6 Monaten noch hat?
    Wir stehen doch erst am Anfang der ganzen Schuldenproblematik, und jeder kann sich seine finanzielle Sicherheit ein wenig verschaffen, indem er Banken und dem Staat diese Geldder einfach legal entzieht.

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