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12.03.2008 
OECD-Studie

Steuer- und Abgabenlast ist 2007 gesunken

von Donata Riedel

Die Abgabenlast in Deutschland sinkt. Die OECD-Studie zeigt: Gutverdiener zahlen verhältnismäßig weniger Steuern und Abgaben als in vielen anderen Industriestaaten - dagegen sind Arbeitnehmer mit durchschnittlichen und kleinen Einkommen übermäßig stark belastet.

BERLIN. Gutverdiener werden in Deutschland weniger stark mit Steuern und Sozialabgaben belastet als in vielen anderen Industriestaaten. Bei Arbeitnehmern, die durchschnittlich oder wenig verdienen, langen Fiskus und Sozialkassen dagegen stärker zu als in anderen OECD-Ländern. Zu diesem Ergebnis kommt die OECD in ihrem aktuellen Vergleich über die Steuer- und Abgabenlast auf Löhne und Gehälter in 30 Industriestaaten. Die Gesamtlast ist danach im vergangenen Jahr um 1,1 Prozentpunkte gesunken. Sie bleibt allerdings für einen Single mit Durchschnittseinkommen hoch: Von 100 Euro Lohnkosten des Arbeitgebers kommen beim ihm netto nur 47,80 Euro an. Nur in Belgien und Ungarn liegt das Netto noch niedriger.

„Mit der Senkung der Lohnnebenkosten sind wir auf dem richtigen Weg“, sagte ein Sprecher von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD): Sie komme stärker bei den Durchschnittsverdienern an als eine Steuersenkung. Christopher Heady, Leiter der OECD-Steuerabteilung, findet allerdings, dass Deutschland mehr tun sollte. „Die meisten OECD-Länder mit hoher Steuer- und Abgabenlast haben in den vergangenen Jahren Anstrengungen unternommen, die unteren Einkommensgruppen deutlich zu entlasten“, sagte er. Angesichts wachsender Lohnunterschiede sei es notwendig, die Lasten anders zu verteilen als in der Vergangenheit. Frankreich etwa verlangt vom Arbeitgeberbrutto eines Arbeitnehmers, der nur den halben Durchschnittslohn verdient, lediglich 30 Prozent an Steuern und Sozialabgaben. In Deutschland sind dies 45 Prozent - von denen fast die Sozialabgaben fast 40 Prozent ausmachen.


  Infografik: Entlastung ungleich verteilt


Der Gutverdiener wird trotz der Steuerprogression im internationalen Vergleich eher maßvoll belastet, weil es in der Renten- und der Krankenversicherung jeweils eine Beitragsbemessungsgrenze gibt: Wer mehr verdient, muss darauf dann diese Abgaben nicht mehr zahlen. Gutverdiener mit 167 Prozent des Durchschnittseinkommens leiden anders als ein Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen nicht unter der „kalten Progression“: Ihre Lohnerhöhungen werden ohnehin mit dem Spitzensteuersatz belegt. Während die kalte Progression beim Durchschnittsverdiener so wirkt, als betrage die Lohnerhöhung nur 0,87 Cent, hat sie für den Gutverdiener einen Wert von 1,03 Euro.

Während die Steuer- und Abgabenlast vom Arbeitnehmerbrutto für Singles mit Durchschnittseinkommen die höchste in der OECD ist, ändert sich das Bild deutlich für den verheirateten Alleinverdiener mit zwei Kindern: Seine Steuer- und Abgabenlast liegt um 15 Prozentpunkte unter der des Singles und damit im OECD-Mittelfeld für diese Familienform. Vergleichsweise schlecht behandelt der deutsche Staat Alleinerziehende mit niedrigem Einkommen: Für sie gibt es in vielen Ländern Steuerentlastungen und teilweise auch Finanzhilfen. Ihre Abgabenlast liegt so im OECD-Durchschnitt um 80 Prozent unter der in Deutschland.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Das Gefühl trügt - die Steuerbelastung sinkt.

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