Steueraffäre: Rote Karte für Uli

Steueraffäre
Rote Karte für Uli

Für Rot-Grün ist der Fall Hoeneß eine Steilvorlage. Sie können nun mit ihrer Steuerpolitik punkten. Merkel reagiert enttäuscht auf den Fußballmanager. Und die Linke sieht Hoeneß gar als Teil eines Steuerfluchtnetzwerks.
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BerlinMit seiner Steueraffäre hat Bayern-Präsident Uli Hoeneß die ganze Politik gegen sich aufgebracht. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel ging auf Distanz zu dem Fußball-Idol. "Viele Menschen in Deutschland sind jetzt enttäuscht von Uli Hoeneß, die Bundeskanzlerin zählt auch zu diesen Menschen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Dieses Gefühl sei umso größer, da der FC-Bayern-Präsident auch für vieles Positive über den Fußball hinaus stehe und sich sehr für Integration einsetze. "Diese Verdienste bleiben natürlich, aber es ist jetzt durch die Tatsache der Selbstanzeige wegen Steuerbetruges eine andere, traurige Facette hinzugekommen."

Die SPD fordert nun ein hartes Durchgreifen gegen Hoeneß. "Die Selbstanzeige von Herrn Hoeneß muss behandelt werden wie jeder andere Fall ohne Promi-Bonus oder Promi-Malus", sagte der Koordinator der Linken im SPD-Bundesvorstand, Ralf Stegner, Handelsblatt Online. Der Chefhaushälter der SPD-Bundestagfraktion, Carsten Schneider, sagte: „Wenn diejenigen, die es können, sich ihren Verpflichtungen entziehen, kündigen sie den Gesellschaftsvertrag auf. Das ist nicht akzeptabel und muss mit aller Härte verfolgt werden.“

Stegner und Schneider betonten zudem, dass das Eingeständnis von Hoeneß, wonach er auf das schwarz-gelbe Steuerabkommen mit der Schweiz gesetzt habe, zeige, wie richtig es gewesen war, dass Rot-Grün diesen "Steuerhinterzieher-Begünstigungsdeal" gestoppt habe.

Das Abkommen hätte den Steuerhinterziehern Anonymität zugesichert und Aufklärung verhindert, sagte Schneider. Steuerhinterziehung müsse aber mit allen Mitteln bekämpft werden. Für die Regierung von Angela Merkel (CDU) und Philipp Rösler (FDP) habe das bisher keine Priorität gehabt.

Für die SPD sei Steuergerechtigkeit jedoch ein „zentrales“ Thema, weil es dabei auch um den Zusammenhalt in der Gesellschaft gehe. „Es geht dabei nicht nur darum, dass starke Schultern mehr tragen können als schwache, sondern auch um Ehrlichkeit, Verantwortung und Patriotismus“, sagte Schneider.

Die Grünen-Chefhaushälterin Priska Hinz forderte Merkel auf, endlich tätig zu werden und "wirksame Maßnahmen" zu ergreifen. "Es darf nicht hingenommen werden, dass Vermögende sich vor ihrer gesellschaftlichen Verantwortung drücken und die Ehrlichen das mittragen müssen", sagte Hinz Handelsblatt Online.

Stegner erhob schwere Vorwürfe gegen CSU und FDP. "Auch gilt, dass die Law-and Order-CSU gemeinsame Sache mit der Bürgerrechts-FDP macht, wenn es um Nachsicht gegenüber Steuerkriminellen geht", sagte der Vorsitzende der SPD in Schleswig-Holstein. Es seien die angekauften Steuerdaten-CDs und Medienberichte sowie die Angst vor Gefängnis und nicht die eigene Einsicht, die zu Selbstanzeigen führten. Stegner fügte hinzu: "Dass im Fall Hoeneß auch Schadenfreude mitspielen mag, liegt vielleicht auch ein bisschen an seinen vormaligen Testosteron-XXL-Auftritten."

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt nach einer Selbstanzeige gegen Hoeneß. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" hat der 61-Jährige seit mehr als zehn Jahren versteuertes Geld in Millionenhöhe auf einem Konto bei einer in Zürich ansässigen Bank deponiert. Offensichtlich habe der Präsident des Fußball-Bundesligisten Bayern München dem Fiskus aber nicht die anfallende Kapitalertragsteuer gezahlt, berichtete das Blatt.

Kommentare zu " Steueraffäre: Rote Karte für Uli"

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  • und weg mit der Immunität der Politiker
    kollektive Haftung aller an ausgaben beteiligten Beamten und Politiker

  • wer sagt das die Finanzminister die linken die seit sie die Möglichkeiten haben völker zu unterjochen und zu versklaven keine Möglichkeit ausliessen oder haben Sie die 120 + Staaten vergessen die im letzen Jahrhundert den Sozialismus propagierten und alles aber auch alles von "ihren" bürgern rausholte auch das leben
    setzen sie sich auf den hosenboden und schauen Sie in die Geschichtsbücher bevor Sie nachplappern davon haben wir genug in den sogenannten Parlamenten

  • Hallo? Steuerhinterziehung ist eine Straftat! ... so wie ein Diebstahl oder eine Körperverletzung! Mehr braucht man da doch nicht zu sagen, oder?

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