Steuerkonzept der Wirtschaftsweisen: Rat verspricht Wirtschaft Entlastung

Steuerkonzept der Wirtschaftsweisen
Rat verspricht Wirtschaft Entlastung

Eine große Unternehmensteuerreform dürfte für den Fiskus teuer werden: Nach der Stiftung Marktwirtschaft hat gestern auch der Sachverständigenrat sein Konzept für eine umfassende Unternehmensteuerreform vorgelegt.

DÜSSELDORF. Die von den Experten um den Finanzwissenschaftler Wolfgang Wiegard vorgeschlagene duale Einkommensteuer würde dem Fiskus kurzfristig rund 22 Mrd. Euro Steuerausfälle bescheren. Damit sind ähnlich hohe Ausfälle zu erwarten, wie sie die letzte Unternehmensteuerreform 2001 verursacht hatte. Zum Ausgleich schlagen die Experten vor, die Mehrwertsteuer um zwei Prozentpunkte anzuheben. Die Studie hatte Rot-Grün vor einem Jahr in Auftrag gegeben.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat bislang darauf gepocht, die Unternehmensteuern möglichst aufkommensneutral im Jahr 2008 zu reformieren. Länderkreise betonten freilich, dass dies kaum möglich sein dürfte, ohne Teile der Wirtschaft höher zu belasten. Bis zum Herbst will Steinbrück Eckpunkte seiner Pläne vorstellen. Dabei will er die Ideen der Experten in sein Konzept einfließen lassen.

Der Sachverständigenrat schlägt vor, Gewinne von Kapitalgesellschaften künftig mit 25 Prozent zu belasten – das wären rund 14 Punkte weniger als heute. Kern des Konzepts ist ein „Schutzzins“ von etwa sechs Prozent. Eigenkapitalrenditen bis zu dieser Höhe blieben beim Investor steuerfrei. Dies führe dazu, dass Investieren attraktiver werde und die Finanzierungen mit Eigenkapital nicht länger gegenüber kreditfinanzierten Investitionen benachteiligt würden – heute können Kreditzinsen als Kosten geltend gemacht werden, die Eigenkapitalrendite nicht.

Langfristig werde die Reform das Bruttoinlandsprodukt um 4,7 Prozent erhöhen, schätzen die Experten. Der Kapitalstock der Volkswirtschaft werde um 9,8 Prozent steigen, die Arbeitsnachfrage um 1,1 Prozent.

Die Wirtschaft begrüßte die Pläne. Die duale Einkommensteuer schaffe Anreize für Unternehmensansiedlungen und Investitionen in Deutschland, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Klaus Bräunig dem Handelsblatt. „Der Vorschlag ist die Alternative zu den Vorstellungen der Stiftung Marktwirtschaft.“ Die Steuerpolitik dürfe jetzt nicht in einen Dogmenstreit verfallen, sondern müsse die Unternehmensteuerreform kurzfristig anschieben. „Deutschland muss sich dem Standortwettbewerb stellen.“

Seite 1:

Rat verspricht Wirtschaft Entlastung

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%