Steuerlast
Beispielrechnungen: Ehegatten- und Familiensplitting

In der Debatte über eine wirksamere Familienförderung ist ein Umbau oder die Abschaffung des so genannten Ehegattensplittings zu Gunsten eines neuen Familiensplittings in den Mittelpunkt gerückt. Beispielrechnungen im Überblick:

Das 1958 eingeführte Ehegattensplitting ist seit langem umstritten, weil es als nicht mehr zeitgemäß gilt und der Stellung der Frau in Gesellschaft und Partnerschaft nicht mehr gerecht werde. Einverdiener-Ehen würden bevorzugt und andere Formen der Lebensgemeinschaften nicht berücksichtigt. Zudem würden vor allem Besserverdienende ohne Kinder profitieren.

Das Bundesverfassungsgericht hatte Anfang 1957 das Prinzip der Zusammenveranlagung der Ehegatten in der bis dahin praktizierten Form als unvereinbar mit dem Grundgesetz gekippt. Artikel 6 des Grundgesetzes stellt Ehe und Familie unter den „besonderen Schutze der staatlichen Ordnung“. Daraus leitet sich steuerpolitisch die gemeinsame Veranlagung von Ehepartnern ab, da diesen aus ihrer Ehe kein wirtschaftlicher Nachteil entstehen darf.

Für Ehegatten, die gemeinsam zur Einkommensteuer veranlagt werden, wurde daher 1958 der „Splittingtarif“ eingeführt. Das Ehepaar wird vom Fiskus wie ein Steuerzahler und eine „Wirtschaftsgemeinschaft“ behandelt. Dazu werden die zu versteuernden Einkommen der beiden Ehegatten addiert, diese Summe dann durch zwei geteilt und erst dann versteuert. Die auf den aufgeteilten („gesplitteten“) oder halbierten Betrag berechnete Einkommensteuer wird anschließend verdoppelt.

Dies führt in aller Regel zu einer geringeren Belastung, als wenn beide Partner einzeln besteuert würden. Denn im Ergebnis sinkt die Steuerlast durch die Progression (steigender Steuertarif bei steigenden Einkommen), da letztere sich nur noch auf die Hälfte des von den Ehegatten gemeinsam erzielten Einkommens auswirkt. Beziehen beide Ehepartner ein gleich hohes Einkommen, entsteht kein Vorteil.

Am größten ist der Steuervorteil, wenn ein Partner viel und der andere gar nichts verdient. Kritiker bezeichnen das Splitting daher gern als „Zu-Hause-bleib-Prämie-für-Zahnarztgattinnen“. Ein verheirateter Alleinverdiener mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 60 000 Euro wird nach der Splittingtabelle vom Fiskus mit 11 614 Euro belastet.

Wäre er nicht verheiratet und würde er einzeln veranlagt, müsste er 17 286 Euro an das Finanzamt zahlen. Der Steuervorteil des Ehegattensplittings ist mit 7914 Euro am höchsten, wenn ein Alleinverdiener mehr als 104 304 Euro zu versteuernde Einkünfte im Jahr hat. Ein Großteil der 20 Milliarden Euro, die dem Staat jährlich entgehen, kommen Ehepaaren mit Alleinverdienern zu Gute.

Der Vorteil schrumpft, wenn beide Partner verdienen. Betragen die zu versteuernden Einkünfte des Mannes 125 000 Euro und die der Frau 25 000 Euro im Jahr, beläuft sich der Vorteil auf 1685 Euro. Ein Ehepaar mit einem zu versteuernden Jahresgesamteinkommen von 50 000 Euro im Verhältnis von 60:40 hat einen Vorteil von nur noch 115 Euro.

Bei dem von der CDU ins Gespräch gebrachten „Familiensplitting“ würde die Regelung auf Kinder ausgedehnt und der Splitting-Faktor um die Zahl der Kinder steigen. Das Einkommen einer Familie mit zwei Kindern würde durch vier geteilt - vorausgesetzt, alle vier Familienmitglieder würden gleich gewichtet, weshalb die Steuerlast sinkt. Das würde den Staat viel Geld kosten. Nach den Unionsplänen soll das Familiensplitting aber nicht mehr kosten als die jetzige Regelung. Dies bedeutet, dass Paare ohne steuerlich relevante Kinder (Freibetrag plus Kindergeld) belastet würden. Dazu müsste deren Splittingfaktor reduziert werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%