Steueroasen
Fürstliche Einsichten

Die Liechtensteiner Affäre ist nach Einschätzung der OECD nur die Spitze des Eisbergs. Neben dem Fürstenstaat in den Alpen gelten in Europa Monaco und Andorra als unkooperative Fluchtburgen. Fürst Albert II. gelobte am Mittwoch in Berlin Besserung.

BERLIN/PARIS. Freundlich lächelnd hat Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch Fürst Albert II. von Monaco vor dem Kanzleramt begrüßt. Ganz so, wie es üblich ist für Staatsgäste – wenn sie nicht ausgerechnet aus Liechtenstein kommen. Genau eine Woche ist es her, dass Merkel einem anderen Staatsgast, dem Liechtensteiner Premierminister Otmar Hasler, den denkbar kühlsten Empfang bereitete. Vor versammelter Hauptstadtpresse kanzelte sie Hasler dafür ab, dass Liechtenstein auch weiterhin ausländische Steuerhinterzieher nicht als Kriminelle einzustufen gedenkt und keinerlei Rechtshilfe leistet, wie sonst nur noch Andorra – und Monaco. Die drei Staaten sind die letzten schwarzen Schafe auf der OECD-Liste der „unkooperativen Steueroasen“, von der selbst die Cayman-Inseln zusammen mit über 30 weiteren Staaten in den letzten Jahren gestrichen wurden.

Steueroase ist offensichtlich nicht gleich Steueroase. „Ich kann aus voller Überzeugung sagen: Monaco ist nicht Liechtenstein“, verkündete ein deutscher Regierungssprecher wenige Stunden vor dem Empfang des Fürsten. „Monaco hat im Vorfeld des Besuchs sehr deutlich gemacht, dass die Regierung zu einer Verständigung mit Deutschland und der EU kommen wolle.“ Dem schüchternen Albert blieb die öffentliche Standpauke Merkels also erspart. Nach dem Treffen hieß es, der Fürst habe Merkel ein Kooperationsabkommen in Steuerfragen und Informationsaustausch fest versprochen.

Wieder einmal hat das kleine Fürstentum an der Côte d’Azur es also geschafft, mit geschickten Zugeständnissen den Groll gegen die Mittelmeermetropole einzudämmen. Diese Anpassungsfähigkeit ist zum Markenzeichen der Monaco Inc. geworden. Die Geschmeidigkeit hat der Prinz von seinem verstorbenen Vater Fürst Rainier gelernt.

Der musste in seiner Regentschaft mit viel größerem Ärger klarkommen. Bereits Anfang der 60er-Jahre war Frankreichs Staatspräsident Charles de Gaulle das Steuerparadies vor seiner Haustür ein Dorn im Auge. Um der ausufernden Steuerflucht der Franzosen Richtung Monaco ein Ende zu setzen, ließ de Gaulle 1962 das Fürstentum kurzerhand abriegeln. So unter Druck gesetzt, stimmte Fürst Rainier der Unterzeichnung eines Steuerabkommens zu. Seitdem ist es mit der Steuerfreiheit für Franzosen in Monaco vorbei. Deutsche jedoch oder Engländer sind keine Franzosen.

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