Steueroasen
Konzerne sehen sich zu Unrecht am Steuer-Pranger

Deutschlands große Unternehmen wehren sich gegen die Unterstellung, den Fiskus zu betrügen. Es seien ja gerade die Regierungen gewesen, die gezielt steuerliche Anreize geschaffen hatten - mit Billigung der EU.
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Die Konzerne in Deutschland wehren sich gegen den Vorwurf, sie würden zulasten der Gesellschaft exzessiv Steuern sparen. „Viele steuerliche Anreize sind von den beteiligten Staaten eingeführt und von der EU mit dem Ziel der Wirtschaftsförderung strukturschwacher Gebiete abgesegnet worden“, sagte Ullrich Fechner, langjähriger Steuerabteilungsleiter bei Boehringer Ingelheim. „Und jetzt werden sie als illegitime Ausnutzung von Steuerschlupflöchern bezeichnet“, sagte er dem Handelsblatt. Beim EU-Gipfel in Brüssel berieten am Mittwoch die Regierungschefs darüber, gezielt gegen die Steuergestaltung internationaler Konzerne vorzugehen.

Der Industrieverband BDI beklagte, es sei unfair, wenn Unternehmen, die sich legal verhielten, in die Nähe von Steuerbetrügern gerückt würden. Der deutsche Fiskus sei längst nicht so wehrlos, wie Bundesfinanzminister Schäuble es gelegentlich darstelle, meint der BDI. Die Zinsschranke etwa begrenze seit dem Jahr 2008 die Gewinnverlagerung in Richtung Irland. Die Steuerausfälle durch Verlagerung einzelner Tätigkeitsfelder lasse sich der Fiskus in Form einer Steuervorauszahlung auf künftig zu erwartende Gewinne ersetzen.

Weltweit sei Deutschland das einzige Land mit einer so harten Regel, sagte BDI-Steuerabteilungsleiter Berthold Welling. Lizenzgebühren wiederum werden teilweise auf die Gewerbesteuer angerechnet.

Christian Kaeser, Konzernsteuerchef bei Siemens, hält einige der populärsten Vorwürfe in der Debatte für falsch. „In der vermeintlichen Steueroase Delaware zahlen Unternehmen 35 Prozent Bundessteuern. Das ist mehr als in Deutschland“, sagte er dem Handelsblatt. Der große Vorteil von Delaware als Firmensitz liege im Gesellschaftsrecht: Nirgendwo sonst in den USA ließen sich mit weniger Aufwand Firmen gründen.

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Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Steueroasen: Konzerne sehen sich zu Unrecht am Steuer-Pranger"

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  • Schon Erstaunlich wenn man gegen Steueroasen wettert. Steueroasen bringen sozusagen eine Freie Marktwirtschaft unter Ländern. Wer weiß wie man Ausgepresst würde, wenn es keine Auswahl gibt. Die Politik und das Beamtentum sollen erst mal dafür Sorgen, dass mit den Steuergelder Verantwortlich Umgegangen wird.

  • Ich fände es richtig, wenn die Konzerne in Deutschland veröffentlichen müssten, welchen Anteil ihrer Umsätze in Deutschland sie auch hier versteuern. Dann könnten die Kunden entscheiden, bei wem sie zukünftig ihre Produkte kaufen...

  • Hier ein weiterer Beweis für die unehrliche Handhabung der Problematik:
    "Steueranreize sollen Portugals Wirtschaft beleben"

    http://www.handelsblatt.com/politik/international/konjunkturprogramm-steueranreize-sollen-portugals-wirtschaft-beleben/8247512.html"

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