0 Bewertungen
24.06.2006 
Gesundheitsreform

Steuerpläne wühlen die Politik auf

Die Gesundheitsreform sorgt auch am Wochenende für Diskussionen. Vor allem die Pläne, das Gesundheitssystem massiv durch Steuern zu unterstützen, stößt auf Kritik. Vizekanzler Franz Müntefering (SPD)hat sich in den Streit eingeschaltet und eine Anhebung der Mehrwertsteuer ausgeschlossen.

Operation an einem Hüftgelenk am Universitätsklinikum in Tübingen (Archivfoto: dpa)Lupe

Operation an einem Hüftgelenk am Universitätsklinikum in Tübingen (Archivfoto: dpa)

HB BERLIN. Die Stimmen reichen von Skepsis über Kompromissvorschläge bis hin zur Anregung, die Reform zu verschieben. „Die Mehrwertsteuer wird nicht weiter erhöht“, sagte Müntefering der „Welt am Sonntag“ laut Vorabbericht. Es gehe bei der Reform nicht um eine zusätzliche Belastung der Versicherten, sondern um eine gerechtere Form der Finanzierung.

Der Wirtschaftsweise Bert Rürup hat die Steuerpläne der Bundesregierung zur Reform der Krankenversicherung kritisiert. „Ich halte es für problematisch, so einfach Steuergelder in das System zu pumpen“, sagte Rürup dem Nachrichtenmagazin „Focus“ laut einer Vorabmitteilung vom Samstag. Steuererhöhungen seien nur vertretbar, wenn damit gesamtgesellschaftliche Aufgaben in der gesetzlichen Krankenversicherung wie die kostenlose Mitversicherung der Kinder finanziert würden.

Wer auch die Umverteilung zwischen Arm und Reich in der gesetzlichen Krankenversicherung über Steuern finanzieren wolle, müsse im Umkehrschluss die einkommensabhängigen Beiträge abschaffen und durch kostenorientierte Pauschalen ersetzen, sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die ins Spiel gebrachte Zahl einer Finanzierung des Gesundheitssystems mit bis zu 40 Milliarden Euro aus Steuermitteln eine klare Absage erteilt. Dies sei abwegig, sagte sie am Samstag beim Landesparteitag der CDU Mecklenburg-Vorpommerns in Pasewalk. „Das kann man vergessen.“ Nach einem Bericht der „Zeit“ will die SPD-Spitze zur Finanzierung des Gesundheitssystems einen dauerhaften Steuerzuschuss von 35 bis 45 Milliarde Euro einführen.

Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber hat unterdessen eine Verschiebung der Gesundheitsreform ins Gespräch gebracht. Dem Vorschlag schlossen sich andere Unionspolitiker an. Mit Blick auf der vor allem von der SPD erwogenen kräftigen Steuererhöhung sagte der CSU-Politiker der „Bild am Sonntag“ laut Vorabbericht: „Wenn die SPD von dieser Steuerlawine nicht abrückt, ist es besser, sich mit der Entscheidung über die Gesundheitsreform noch etwas mehr Zeit zu lassen.“ Auch Stoiber schloss aber eine Finanzierung der Kinder-Mitversicherung durch Steuern nicht aus. Darüber lasse die CSU lasse mit sich reden.

Für eine Verschiebung hat sich auch Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) ausgesprochen. „Man sollte jetzt keinen Schnellschuss machen“, sagte Milbradt der „Welt am Sonntag“ mit Blick auf die Differenzen mit der SPD. Thüringens Regierungschef Dieter Althaus (CDU) sagte dem Blatt: „Der Inhalt entscheidet, nicht die Geschwindigkeit.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Weitere Stimmen

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Konjunkturbeschleuniger verzweifelt g...

    Konjunkturbeschleuniger verzweifelt gesucht

    Wie soll die schwächelnde Konjunktur wieder angekurbelt werden? Im Umfeld der Bundesregierung kursieren die unterschiedlichsten Modelle. Den Stein der Weisen hat aber noch keiner gefunden. Fakt ist: Dem bereits geschnürten ersten Wachstumspaket soll ein zweites folgen....Bildergalerie 

  • Die Säulen der thailändischen Gesells...

    Die Säulen der thailändischen Gesellschaft

    Nation, Monarchie und Religion sind die drei Eckpfeiler, die den Rahmen der thailändischen Gesellschaft bilden. Die Stärke und Tragkraft der thailändischen Gesellschaft resultiert aus der Tragkraft dieser drei Säulen. Es ist der einzige Staat der dem Kolonialismus trot...Bildergalerie 

  • Thailands Flughäfen geräumt

    Thailands Flughäfen geräumt

    Aufatmen für Hunderttausende Touristen: Die thailändischen Regierungsgegner haben die Blockade der internationalen Flughäfen beendet. Bilder vom - zumindest vorübergehenden - Ende einer Krise.Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Den Nullzins vor Augen  Artikel in Merkliste

05.12.2008, 07:05 Uhr von Nobert Häring

Wenn die Welt in die schwerste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit abgleitet, muss die Wirtschaftspolitik Gewohnheiten aus normalen Zeiten hinterfragen. Das gilt auch für die Geldpolitik. Innerhalb weniger Wochen haben sich die Perspektiven für Inflation und Wachstum dramatisch verändert. Da ist das übliche Finetuning der Zinsen in kleinen Schritten nicht mehr sinnvoll. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Letztes Aufgebot  Artikel in Merkliste

05.12.2008, 05:19 Uhr von Helmut Hauschild

Vor allzu viel deutscher Euphorie sei tgewarnt. Die aktuelle Personalrochade könnte ein kurzes Hurra für die Bundesregierung sein. Kommentar