Steuerprozess: Wenn Ankläger zu Verteidigern werden

Steuerprozess
Wenn Ankläger zu Verteidigern werden

Im Fall Zumwinkel wehren sich die Bochumer Staatsanwälte dagegen, heillos zerstritten zu sein – und bereiten die Öffentlichkeit behutsam auf eine Bewährungsstrafe vor. Sie geben zu, das Verfahren unterschätzt zu haben.

BOCHUM. Man kann ihre Vorsicht sehen, und man kann sie spüren. Wer zu den Liechtenstein-Ermittlern der Bochumer Staatsanwaltschaft will, der muss nicht nur die Sicherheitsschleuse des Hauptgebäudes überwinden. Im elften Stock des mittleren Turms wartet auch noch eine Gegensprechanlage auf den Besucher. Hat man keinen Termin vorzuweisen, bleibt die Tür geschlossen.

Die Zurückhaltung von Daniela Wolters lässt sich aber auch an ihrer Körperhaltung ablesen. Angespannt sitzt die rotblonde Strafverfolgerin auf ihrem Stuhl, jederzeit zur Flucht bereit. Zu viel ist in den letzten Wochen passiert, zu viele Medienberichte mussten die Ermittler über sich ergehen lassen, ohne sich wehren zu können. „Wir wollen zurück zur Sachlichkeit“, sagt Daniela Wolters, „wir wollen keinen Personenkult.“

Wer kann es ihnen verdenken. Personenkult und Medienschelte hat es in der Vergangenheit genug gegeben in dieser Sache, der Causa Zumwinkel. Wolters Kollegin Margrit Lichtinghagen wurde erst zur Starermittlerin aufgebaut, bevor sie am Ende unter merkwürdigen Umständen ans Amtsgericht Essen versetzt wurde.

Nun ist Daniela Wolters, 34, eine der beiden Staatsanwälte, die nachgerückt sind, um am 22. Januar die Vorwürfe gegen Klaus Zumwinkel, Deutschlands wohl prominentesten Angeklagten, zu formulieren. Ihr wird im Prozess die Aufgabe zukommen, die Anklage zu verlesen, die von 966 000 Euro hinterzogenen Steuern kündet.

Es ist sicher nicht ihr leichtester Fall. Und es ist ein Fall, in dem viel Porzellan zerschlagen wurde. Vertrauen ist ein Wort, das an diesem Donnerstag häufig fällt.

Wolters trägt Jeans, Gerrit Gabriel trägt Krawatte. Gabriel, 39, wird zusammen mit Wolters den Zumwinkel-Prozess bestreiten, er ist der Erfahrenere der beiden, hat die Karriereleiter schon weiter erklommen. Während Wolters seit 2004 Staatsanwältin ist, hat Gabriel bereits elf Jahre auf dem Buckel und den Titel Oberstaatsanwalt. Er leitet die Abteilung. Mit von der Partie sind an diesem Tag zwei weitere Ermittler und Bernd Bienioßek, zugleich Pressesprecher. „Wir haben das Ganze total unterschätzt“, sagt er.

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