Steuerprozess
Zumwinkels größte Niederlage

Der frühere Post-Chef Klaus Zumwinkel ist vom Landgericht Bochum wegen Steuerhinterziehung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Außerdem wird gegen den 65-Jährigen eine Geldauflage von einer Million Euro verhängt. Am Ende gab es also das erwartete Urteil.

BOCHUM. Die Gnade tropft hernieder wie warmer Regen in schwüler Sommerhitze: Erwartet und wohltuend. Ein Nasekräuseln? Ein Zucken angespannter Finger nach der Entkrampfung? Nicht eine Sekunde sieht man ihm ein Zeichen von Verunsicherung an. Gewissheit, das steht Klaus Zumwinkel ins Gesicht geschrieben, ist ein sanftes Ruhekissen.

Hauptsache nicht Gefängnis - und das war schon vorher sicher, nach den "Vorgesprächen" seiner Anwälte mit der Staatsanwaltschaft und seinem Geständnis. Ein Händedruck für die Verteidiger, zwei Jahre auf Bewährung, damit kann er leben, und die Geldauflage von einer Million Euro ist für einen, der rund 13 Millionen Euro Vermögen sein eigen nennt, auch nicht der Weltuntergang.

Das Unverständnis von Richter Wolfgang Mittrup, der ihn soeben verurteilt hat, hallt ihm hinterher, doch eigentlich geht es in der allgemeinen Aufbruchstimmung unter. "Es bleibt nicht nachvollziehbar", sagt der Vorsitzende am Landgericht Bochum, "warum vermögende Menschen wie der Angeklagte derartige Taten begehen."

Unspektakulär geht damit zu Ende, was einst so spektakulär begann. Am 14. Februar 2008 wurde Zumwinkel, 65, damals noch Chef der Post und einer der mächtigsten Manager in Deutschland, wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung daheim aufgesucht. Das Fernsehen übertrug live. Wer der Presse den Tipp gab, ist bis heute ungeklärt.

Kurz darauf brach eine Razzia-Welle über das Land herein, heute weiß man: eine gestohlene und vom BND angekaufte DVD mit Kundendaten der Liechtensteinischen LGT-Bank hatte etwa 600 Personen verraten, die Vermögen in Liechtensteinischen Stiftungen vor dem deutschen Fiskus versteckt hielten.

Auch Zumwinkel war dabei, sein Fall trägt seither das Aktenzeichen 12 KLs 350 Js 1/08. Heute sagt er nur einen lapidaren Satz. "Ich schließe mich den Ausführungen meines Verteidigers an."

Zu Beginn seines Prozesses am vergangen Donnerstag war er gesprächiger. Da gestand Zumwinkel, was er - so sein Verteidiger Hanns Feigen gestern - schon am Tag der Hausdurchsuchung gestanden hatte: Insgesamt 970 000 Euro Steuern enthielt er dem Staat vor. Selbst eine 2005 ergangene Steueramnestie konnte ihn nicht dazu bewegen, die Gelder straffrei zurückzuzahlen.

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