Steuerreform tritt Januar in Kraft
Für Erben lohnt sich rasches Rechnen

Die Zeit wird knapp: In 17 Tagen tritt das neue Erbschaft- und Schenkungsteuerrecht in Kraft. Für einige Fälle kann sich rasches Handeln mit barer Münze auszahlen. Dies zeigen Berechungen der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers (PWC) für das Handelsblatt.

DÜSSELDORF. Soll ein Neffe von seinem Onkel etwa Festgeldkonten im Wert von 700 000 Euro geschenkt bekommen, muss er dieses Jahr den Fiskus mit 186 219 Euro daran beteiligen. Ab Januar verlangt der Staat 204 000 Euro. Dies zeigen Berechungen der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers (PWC) für das Handelsblatt.

"Falls der Bedachte nicht zum engsten Familienkreis gehört, sondern in die Steuerklasse II oder III fällt, sollten wegen der Erhöhung der Steuersätze auf 30 bzw. 50 Prozent Schenkungen eventuell vorgezogen werden", sagt PWC-Privatkundenexperte Lothar Siemers. Maßgeblich ist das Datum der Schenkung: bis Silvester altes, ab Neujahr neues Recht.

Nach langem politischem Gerangel tritt die Erbschaftsteuerreform am 1. Januar in Kraft. Hintergrund war ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das eine marktnahe Bewertung aller Vermögensarten forderte. Dies hätte bei sonst unverändertem Recht teils zu massiven Steuererhöhungen geführt. Daher beschloss die Regierung neue Freibeträge und Steuertarife. Außerdem wurden Verschonungsregeln vor allem für Erben von Betriebsvermögen eingeführt. Wer das Unternehmen weitgehend unverändert fortführt, dem wird ein Großteil der Steuer erlassen. Grundsätzlich sieht das Gesetz Wahlmöglichkeiten nur für Erbschaften, nicht jedoch für Schenkungen vor. So können Erben, die zwischen dem 1. Januar 2007 und 31. Dezember 2008 geerbt haben, grundsätzlich zwischen altem und neuen Recht wählen - jedoch ohne von den höheren neuen Freibeträgen profitieren zu können. Jemand, der noch etwas zu verschenken hat, kann dies entweder noch in diesem Jahr tun oder die Schenkung auf 2009 verschieben.

Doch auch, wenn schon geschenkt wurde, ist der Weg zum neuen Recht noch nicht ganz verbaut, verrät Siemers: Sind im alten Schenkungsvertrag Widerrufsmöglichkeiten eingeräumt und kann der Schenker diese geltend machen, kann er das verschenkte Vermögen zivilrechtlich wieder zurückholen. "Dann wird die alte Schenkung auch steuerlich rückabgewickelt und man kann dann ab 2009 neu schenken." Allerdings müsse dann bei Immobilien auch das Grundbuch umgeschrieben werden.

Doch vor allem dann, wenn eine Übertragung von Immobilien noch ansteht, lohne es, rasch zu rechnen, empfiehlt Siemers. Da Immobilien künftig marktnah bewertet würden, müsse teils "mit deutlich höheren Steuerwerten gerechnet werden". Schenkt etwa ein Vater seinem Sohn ein für 2 000 Euro pro Monat vermietetes 20 Jahre altes Einfamilienhaus, wird ab Januar 19 250 Euro Schenkungsteuer fällig, wird noch 2008 übertragen, verlangt der Fiskus lediglich 13 090 Euro.

Die größten Verlierer sind nicht die Immobilienerben, sondern solche, die nicht zum engeren Familienkreis zählen. So werden etwa Neffen und Nichten wegen höherer Steuersätze deutlich stärker als bisher belastet. Statt 12 bis 40 Prozent fallen künftig 30 bis 50 Prozent Steuern auf Geschenke und Erbschaften an. Lediglich 20 000 Euro bleiben steuerfrei.

Deutlich komplizierter wird die Entscheidung, ob ein Betrieb aus steuerlichen Gründen noch in diesem Jahr übertragen werden sollte. Zwar scheint auf den ersten Blick das neue Recht häufig günstiger. Schließlich bleiben unter bestimmten Voraussetzungen 85 oder gar 100 Prozent des Betriebsvermögens steuerfrei.

Doch Vorsicht: Teuer kann es werden, wenn die Voraussetzungen für die Befreiungen nicht eingehalten werden können oder wenn das Unternehmen sehr ertragsstark ist. Denn dann kann der Steuerwert gegenüber altem Recht kräftig steigen. So muss ein Erbe, der ein Unternehmen erbt, das nach alten Recht 10 Mio. Euro wert war, künftig weniger Steuern zahlen, wenn das Unternehmen nach neuem Recht lediglich doppelt so viel wert ist wie heute. Verfünffacht sich dagegen der Wert, wird mehr Steuer fällig (Grafik).

Das Beispiel verdeutlicht zugleich das große Problem der Reform: die Unternehmensbewertung. Während bei börsennotierten Gesellschaften der Wert jederzeit klar ist, gibt es bei nichtnotierten Unternehmen mehrere zulässige Bewertungsverfahren, die unterschiedliche Resultate bringen können. Zudem dürfte im Zuge der Marktturbulenzen der Wert von nicht notierten Unternehmen ähnlich durchgeschüttelt worden sein, wie viele Aktienkurse. Denn entscheidende Größen bei der Bewertung sind erwartete Erträge und Kalkulationszinssätze - und beides ändert sich derzeit täglich.

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