Steuerschätzung
Gewerbesteuer-Einnahmen legen rasant zu

Die deutsche Wirtschaft hat im ersten Quartal 7,5 Prozent mehr Gewerbesteuer gezahlt als im Vorjahreszeitraum. Das lässt die Kommunen frohlocken, denn die Gewerbesteuer ist deren wichtigste Einnahmequelle. Doch in den Folgequartalen dürften die Zuwächse nicht mehr ganz so üppig ausfallen.

BERLIN. Mit gut 9,5 Mrd. Euro fielen die Einnahmen der Städte und Gemeinden aus der aufkommensstärksten Unternehmensteuer von Januar bis März um 666 Mill. Euro höher aus als im gleichen Zeitraum 2006, erfuhr das Handelsblatt aus Steuerschätzerkreisen. Damit steuert die Gewerbesteuer auf das vierte Rekordjahr in Folge zu. Der Boom führte dazu, dass die Kommunen im vergangenen Jahr erstmals seit 2000 wieder schwarze Zahlen schrieben.

Nach den exorbitanten Zuwächsen bei der wichtigsten Kommunalsteuer in den vergangenen beiden Jahren hatte der Arbeitskreis Steuerschätzung im Mai für das Gesamtjahr 2007 lediglich mit einem Plus von 0,3 Prozent gerechnet. Die Experten erwarteten vor allem, dass die Nachzahlungen der Unternehmen für Vorjahre allmählich abnehmen und die Steuervorauszahlungen bald ihren Höhepunkt erreicht haben müssten. „Sehr wahrscheinlich werden die Steigerungsraten in den nächsten Quartalen deutlich abebben“, sagte ein Steuerschätzer.

Die Gewerbesteuer ist die wichtigste Finanzquelle der Kommunen. Über die Gewerbesteuerumlage sind Bund und Länder mit rund 20 Prozent am Aufkommen beteiligt. Jede Kommune kann ihren Hebesatz selbst bestimmen und hat damit unmittelbaren Einfluss auf ihre Steuereinnahmen. Spitzenreiter unter den deutschen Großstädten sind München und Frankfurt. Auf Grund der komplizierten Erhebung der Steuer liegen – anders als bei anderen Steuerarten – Daten über das Aufkommen stets erst mit einem Quartal Verzögerung vor.

Grund für den rasanten Anstieg des Steueraufkommens ist vor allem die anhaltend gute Gewinnsituation der deutschen Wirtschaft. Davon profitierten im ersten Quartal besonders die Kommunen in Ostdeutschland. In Sachsen-Anhalt legte das Steueraufkommen um 28, in Sachsen um 18 und in Thüringen um 17 Prozent zu. Am anderen Ende der Quartalstabelle rangieren Bremen, Rheinland-Pfalz und Hessen – die dortigen Kommunen mussten Einnahmerückgänge verkraften.

Ungeachtet des mehr als doppelt so hohen Zuwachses in Ostdeutschland spielt die Gewerbesteuer in den neuen Ländern nach wie vor eine untergeordnete Rolle. Mit 740 Mill. Euro steuerten die im Osten ansässigen Betriebe weniger als acht Prozent zum Gesamtaufkommen bei – obwohl fast ein Fünftel der Bevölkerung dort wohnt.

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