Steuerschätzung
Weißer Rauch aus Görlitz

Das Konklave der Steuerschätzer hat am Freitag die Antwort auf eine der wichtigsten Fragen der Politik verkündet: Mit wie viel Steuergeldern darf der Staat rechnen? Eine Handelsblatt-Reportage über Schweigegelübde und unerklärliche Phänomene.

BERLIN. Zahlen fressen. Immer wieder Zahlen fressen. Wachstumsraten, Unternehmensgewinne, Steuereinnahmen – unzählige Daten hat Ina Becker in den vergangenen Monaten auswendig gelernt. Stundenlang. Manchmal bis spät in die Nacht. „Ich muss ein Gefühl dafür bekommen, wie die Einnahmen des Staates auf konjunkturelle Veränderungen reagieren“, sagt Becker, „da fehlt mir einfach noch die Erfahrung.“

Ina Becker ist mit 27 Jahren die jüngste Ökonomin, die mit gut 30 anderen Experten in den vergangenen Tagen die Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden für die nächsten vier Jahre hochgerechnet hat. Becker vertritt bei der Steuerschätzung im sächsischen Görlitz das Münchener Ifo-Institut.

Für sie ist es die erste Tagung dieser Art. Im vergangenen Jahr hat Becker zwei Steuerschätzungen vorbereitet, jetzt trägt sie selbst die Verantwortung. Andere Kollegen haben schon vor der Geburt von Ina Becker im renommierten Arbeitskreis Steuerschätzung die Staatseinnahmen prognostiziert. Auf diese langjährige Erfahrung kann Ina Becker nicht zurückgreifen: „Ich hoffe, dass ich mit guten Argumenten meine Steuerprognose gegenüber den erfahrenen Kollegen durchzusetzen kann.“

Für Ina Becker ist die Steuerschätzung der wohl wichtigste Termin in diesem Jahr. Für Deutschland auch. Das Ergebnis, das der Arbeitskreis Steuerschätzung am Freitag vorlegte, erreicht ein historisches Ausmaß: Dank der kräftigen Konjunktur kassiert der Fiskus bis zum Jahr 2011 fast 180 Milliarden Euro mehr als von der jüngsten Steuerschätzung erwartet. Weder die Wirtschaftswunderjahre zu Beginn der 60er-Jahre noch der Wiedervereinigungsboom haben Deutschland einen vergleichbaren Steuersegen beschert.

Für den Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sind das „phantastische Zahlen“. Die öffentlichen Kassen können mit einer noch nie da gewesenen Geldschwemme rechnen, hat er bereits am Wochenende und damit ungewöhnlich früh verkündet.

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