Steuervereinfachung: Der schwere Weg zu einfachen Steuern

Steuervereinfachung
Der schwere Weg zu einfachen Steuern

Die geplante Steuervereinfachung soll den Fiskus jährlich maximal 500 Millionen Euro kosten dürfen. Doch welche von den derzeit diskutierten 60 Punkten am Ende umgesetzt werden, scheint nach wie vor offen. Der Streit um die Details geht weiter.
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BERLIN. Das Versprechen aus dem Koalitionsvertrag, den steuerlichen Abzug der kompletten Steuerberaterkosten wieder einzuführen, wird Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) voraussichtlich brechen. Neben den damit verbundenen Steuerausfällen liefert ihm jetzt der Berliner Experte für betriebswirtschaftliche Steuerlehre, Frank Hechtner, ein weiteres Argument: Profitieren würden fast ausschließlich Steuerzahler mit Einkommen oberhalb von 150 000 Euro, so das Ergebnis einer empirischen Studie auf Basis der Einkommensteuerstatistik-Daten. „Gerade bei mittleren Arbeitnehmereinkommen lagen nur in jedem zehnten Fall überhaupt private Steuerberatungskosten vor“, so Hechtner. Ihr Umfang in der Steuerberaterrechnung steige dann deutlich, wenn neben Arbeitseinkünften höhere Verluste aus Vermietung und Verpachtung geltend gemacht würden.

Die privaten Steuerberatungskosten sind seit 2006 nicht mehr steuerlich abzugsfähig. Dazu gehört das Ausfüllen des Mantelbogens, nicht aber Betriebsausgaben oder Werbungskosten. Die Große Koalition wollte damit die jährlichen Steuereinnahmen um 600 Mio. Euro steigern; nach der Studie von Hechtner sind es tatsächlich 464 Mio. Euro.

Die Steuerberater kämpfen seither mit Unterstützung der FDP für die Rückabwicklung dieser Reform und wollen dies innerhalb der von Schäuble geplanten Steuervereinfachungs-Reform umsetzen. Nach Berechnungen der Bundessteuerberaterkammer würde die Rückkehr zum alten Recht soviel Bürokratiekosten sparen, dass der Fiskus mit 50 Mio. Euro im Plus liegen würde. Hechtner hält diese Rechnung dagegen für nicht nachvollziehbar.

Vereinfachung darf Fiskus maximal 500 Millionen Euro jährlich kosten

Bei einem Gespräch von Fachleuten von Union und FDP im Finanzministerium seien sich die Beteiligten einig gewesen, dass die Steuervereinfachung den Fiskus maximal jährlich 500 Mio. Euro kosten dürfe. Welche von den derzeit diskutierten 60 Punkten am Ende umgesetzt würden, sei noch völlig offen, hieß es im Ministerium. „Im Mittelpunkt wird die Vereinfachung der Steuererklärung mit einer Reduzierung der Angaben stehen“, sagte der finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Leo Dautzenberg (CDU). Geplant ist, dass ab 2013 die Finanzämter vorausgefüllte Steuererklärungen an die Steuerzahler schicken, die nur noch korrigiert und ergänzt werden müssen, anstatt dass sie jedes Jahr komplett neu auszufüllen sind.

Umgesetzt wird die Vereinfachung wohl bei Kinderbetreuungskosten: Künftig soll es dem Finanzamt egal sein, ob Kinder wegen Berufstätigkeit oder Krankheit der Eltern betreut werden. Als schwierig erweist sich bisher die Umstellung auf elektronische Kommunikation mit dem Finanzamt. Softwareprobleme und fehlende Standards behindern oftmals den Bürokratieabbau.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
Handelsblatt / Korrespondentin

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