Stifterverband startet Reforminitiative
Fünf Modell-Unis ringen um mehr Autonomie

Fünf Modell-Universitäten sollen in den nächsten zwei Jahren beweisen, wie viel Autonomie heute schon möglich ist und wie Hochschulen sie am besten nutzen können. Das ist das Ziel der mit insgesamt 2,5 Mill. Euro dotierten Initiative „Die deregulierte Hochschule“, die der Stifterverband für die Wissenschaft ins Leben gerufen hat.

bag BERLIN. Als Reformvorreiter erkor der Verband die Technischen Universitäten in Darmstadt, Dresden und München sowie die Traditionsunis Göttingen und Heidelberg. Am Ende der zweijährigen Modellphase soll ein „Code of good governance“ stehen. Er soll anderen Hochschulen und den Ländern als Handbuch dienen, sagte der frühere Generalsekretär des Stifterverbandes und Projektverantwortliche, Manfred Erhardt, gestern bei der Vorstellung in Berlin. Der Stifterverband will mit seiner Initiative den durch das Bund-Länder-Exzellenzprogramm in Gang gekommenen Wettbewerb unter den Hochschulen zusätzlich beflügeln. Danach erhalten die besten Hochschulen bis 2010 zusätzlich 1,9 Mrd. Euro für die Forschung. Mittelfristig sollen so auch in Deutschland herausragende Spitzenuniversitäten entstehen, die international mithalten können.

Um sich besser profilieren zu können, fordern die Hochschulen seit Jahren mehr Autonomie. Einzelne Länder wie Hessen, Baden-Württemberg und Niedersachsen sind dem bereits teilweise nachgekommen, etwa mit Experimentierklauseln. Für die TU Darmstadt erließ Hessen gar ein eigenes Autonomiegesetz. Zuletzt brachte Bayern eine Hochschulreform auf den Weg.

Die mancherorts schon heute mögliche Autonomie werde jedoch nur zögerlich genutzt, kritisierte Erhardt: „Noch immer gibt es zu viele Besitzstandswahrer in Hochschulen und Ministerien.“ Das Projekt des Stifterverbandes, an dem auch die Heinz-Nixdorf-Stiftung beteiligt ist, soll nun beweisen, dass deren Ausrede, das gehe doch alles gar nicht, nicht mehr ziehe. Die fünf Reformunis, die jeweils 500 000 Euro erhalten, sollen die Nachzügler „auch ein bisschen zwingen, sich auf den Reformweg zu machen“, und zugleich plastisch vorführen, welche gesetzlichen Freiräume nötig sind. Dass weder Hochschulen aus Berlin noch aus Nordrhein-Westfalen ausgewählt wurden, liege an den mangelnden gesetzlichen Spielräumen in diesen Ländern, erläuterte Erhard.

Konkret geht es vor allem um die eigenverantwortliche Profilbildung der Unis sowie die autonome Verwendung eines Globalhaushaltes, der innerhalb der Hochschule nach dem Leistungsprinzip verteilt werden soll. Daneben pocht der Stifterverband auf klare Entscheidungsstrukturen, also möglichst viele Kompetenzen für die Rektoren und externen Hochschulräte. Darüber hinaus müssten Unis ihre Studenten selbst auswählen dürfen, was heute schon zu 60 Prozent möglich sei, aber kaum genutzt werde. Auch über Gebühren sollten die Unis künftig selbst entscheiden dürfen.

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