Stifterverband und DFG beziehen Stellung
Forscher trommeln für die grüne Gentechnik

Deutsche Forscher wollen weiterhin mit grüner Gentechnik arbeiten. Sie fürchten, dass Deutschland international den Anschluss verliert. Jetzt schalten sich die Spitzenverbände der deutschen Wissenschaft ein - und verschärfen die Rethorik.

BERLIN. Spitzenvertreter aus Forschung und Wirtschaft haben davor gewarnt, dass Deutschland bei der grünen Gentechnik international den Anschluss verpasst. "Hier droht uns eine wichtige Forschungsrichtung verloren zu gehen, sagte der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Matthias Kleiner, gestern. Er verwies auf die jüngsten Anbauverbote gentechnisch veränderter Pflanzen (siehe "Umstrittene Pflanzen"). Die Politik dürfe nicht länger "aus populistischen Erwägungen den fortschrittsfeindlichen Kräften folgen", mahnte auch der Präsident des Stifterverbandes der Wirtschaft für die deutsche Wissenschaft, Arend Oetker, der auch Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) ist.

Schon jetzt seien Wissenschaftler in öffentlichen Einrichtungen oder kleineren Betrieben "zunehmend gezwungen, ihre Forschung einzuschränken oder ganz aufzugeben", sagte Kleiner. Bedauerlich sei, dass etwa die Universitäten Gießen, Marburg und Hohenheim wegen des Widerstandes Forschern schon von sich aus Freilandversuche mit Gen-Pflanzen untersagt hätten.

Die Tübinger Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard warnte davor, die Fehler im Umgang mit der heute unumstrittenen "roten" Gentechnik nun bei der Grünen Gentechnik zu wiederholen. Unter "roter" Gentechnik verstehen Experten die Nutzung im Bereich der Medizin und Pharmaindustrie. Anfang der 80er- Jahre hatten deutsche Forscher in den USA ein Verfahren zur gentechnischen Herstellung von Insulin entwickelt, das dann auch dort produziert wurde. In Deutschland habe Hoechst dafür erst nach 14 Jahren eine Genehmigung erhalten, so die Medizinerin Nüsslein-Volhard: "Der Schaden war nicht nur ökonomisch riesig. Die feindliche Atmosphäre hat zur Abwanderung vieler Forscher und zur Verlagerung von Arbeitsplätzen der Pharmaindustrie geführt."

Das Verbot der Genmais-Sorte Mon810 geißelte Nüsslein-Volhard als "erschreckendes und abstoßendes Signal". Auch die Allianz der großen Forschungsorganisationen hatte es als unbegründet kritisiert. In einem Memorandum fordern DFG und die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLF) für die Zukunft nun verlässliche Rahmenbedingungen und pochen auf die im Grundgesetz garantierte Forschungsfreiheit.

Seite 1:

Forscher trommeln für die grüne Gentechnik

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%