Deutschland

_

Stilkritik: Die beige Kanzlerin

Angela Merkel trägt beige. Was will die sonst so farbenfrohe gekleidete Bundeskanzlerin damit sagen? Ihr Outfit passt jedenfalls perfekt zu ihrer Taktik: die Kritik der Opposition von sich abprallen zu lasen. Eine Stilkritik.

Lady in beige: Bundeskanzlerin Angela Merkel. Quelle: dapd
Lady in beige: Bundeskanzlerin Angela Merkel. Quelle: dapd

BerlinDie Lage der Nation ist beige – oder wenigstens das Outfit der Bundeskanzlerin. Angela Merkel sprach heute im Bundestag lieber über die Lage Deutschlands, statt auf die Kritik von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück einzugehen. Diese Unberührbarkeit, dieses Abperlen von der Oberfläche nennt man bei Politikern gern Teflon. Nach der „Eisernen Lady“ Margaret Thatcher trug auch der Ex-Premierminister Großbritanniens Tony Blair den Spitznamen „Teflon Tony“.

Anzeige

Auch Merkel ist aus diesem Stoff. Offiziell heißt Teflon übrigens Polytetrafluorethylen, abgekürzt PFTE. Der Polymer hat besondere Eigenschaften. Er ist reaktionsträge, ist gegen fast alles beständig und – was im Fall von Merkel auch zutrifft: Es existieren nahezu keine Materialien, die an Teflon haften bleiben. Der Grund: Die Oberflächenspannung ist extrem niedrig.

Angela Merkel Die Unberührbare

Es hätte ein knallhartes Duell werden können. Doch Merkel lässt sich von Peer Steinbrücks Attacken nicht beeindrucken. In der Griechenland-Frage können der Kanzlerin damit nur noch die eigenen Getreuen gefährlich werden.

Merkel unterstreicht diese Eigenschaften heute auch mit ihrem Stil: Zum Sitzungstag wählte das sonst so farbenfrohe Blazer-Chamäleon ein beigefarbenes Jackett. Beige ist jene Farbe, die man auch als sandfarben bezeichnet. Eine andere Übersetzung aus dem Französischen aber lautet „ungefärbt“. Jeden Herbst ist dieser Farbton populär, er soll die triste Übergangsphase zwischen dem lebendigem Sommer und dem traurigen Winter symbolisieren und ist jedenfalls wenig auffällig.

Offenbar wollte nicht nur Merkel optisch nicht auffallen. Gleich drei weitere Damen in ihrem Kabinett trugen ein beige Outfits, zwei Ministerinnen und Staatssekretärin Katharina Reiche, wobei Letztere den Natural-Look wenigstens mit roten Details an Kragen und Rändern finessenreicher präsentierte als ihre Chefin.

Protestvideos „Frau Merkel, stürzen Sie uns nicht ins Elend“

Schuldenkrise und Kritik aus Deutschland nagen am Stolz der Iberer. Der Ärger über den harten Sparkurs und selbstgerechte Ratschläge bricht sich in wütenden Protesten Bahn – und in Videobotschaften an die Kanzlerin.

Doch nicht so die Bundeskanzlerin: Merkels Blazer hatte einen strengen schwarzen Kragen und schwarze Ärmel noch dazu, dezente Accessoires wie die weißgoldene Halskette und das schmale schwarze Uhrband taten sich auch nicht sonderlich hervor. Der Rest noch langweiliger: schwarze Hosen und schwarze Plattenschuhe, die Haare saßen perfekt, genauso wie der Gesichtsausdruck.

Das Outfit war wie die 35 Minuten, die Merkel zur Verfügung standen, um auf Steinbrück zu reagieren. Ziemlich leidenschaftslos. Das war zu erwarten. Doch als sie über das Steuergesetz sprach, da wurde der Ton ihrer Stimme dann plötzlich höher. Ein Zeichen von Unsicherheit?

Merkel versus Steinbrück Karriere-Meilensteine der Kanzlerkandidaten

  • Merkel versus Steinbrück: Karriere-Meilensteine der Kanzlerkandidaten
  • Merkel versus Steinbrück: Karriere-Meilensteine der Kanzlerkandidaten
  • Merkel versus Steinbrück: Karriere-Meilensteine der Kanzlerkandidaten
  • Merkel versus Steinbrück: Karriere-Meilensteine der Kanzlerkandidaten

Doch dann schilderte Merkel die innenpolitischen Erfolge von Schwarz-Gelb, „die wahrscheinlich erfolgreichste Regierung der Welt“ – und als sie den Nahost-Konflikt ansprach, wurde ihre Stimme wieder leise und ruhig. Keine Notwendigkeit mehr für die Kanzlerin, die Dinge von sich abprallen zu lassen. Denn beim Themen Syrien und Israel war die Debatte im Bundestag längst nicht mehr so feurig.

So erntete sie auch aus den Reihen der Opposition Applaus, als Merkel Israel das Recht auf Verteidigung zusprach. Die Einwände von Links brachten die Kanzlerin noch nicht einmal für eine Sekunde aus der Fassung. Sie hatte dafür aber auch eine perfekte Methode: Ignoranz. Merkel wandte sich bei ihrer Rede einfach zu ihren Koalitionsmitgliedern, nicht einmal einen kleinen Blick schenkte sie der Opposition. Und da zeigte sie wieder: Den Beinamen Teflon Lady hat sie verdient.

  • 22.11.2012, 18:31 UhrSayTheTruth

    Farbe der Jacke: "Kartoffelsack"

  • 22.11.2012, 12:22 UhrMerkelEurpasSchwarzeLaterne

    ... wahrlich beige ist auch nur ein freundlicheres, helleres Braun. Aber der Pelz, der Pelz, der scheint mir in der Tongebung schon passend, weil ungeschminkt.

  • 21.11.2012, 19:01 UhrUlrich62

    Nach der „Eisernen Lady“ Margaret Thatcher usw.usw.

    Das hat echt was mit Kunst zu tun.
    Merkel mit Thachter vergleichen,das würde der Eisernen sicher
    nicht schmecken,aber gar nicht.Wo sind wir hier,im HB?
    Andrea Lukacs, setzen fünf-
    Warum gibt es beim HB eigentlich keine Comiker-Seite?
    Ach so, dann währen die Redakteure alle da.Na denn.

  • Die aktuellen Top-Themen
Terror-Prävention: Bayerns Innenminister will Salafisten abschieben

Bayerns Innenminister will Salafisten abschieben

Gewaltbereite Salafisten sollen nach dem Willen von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann abgeschoben werden. Deutschen Islamisten will Herrmann sogar die Staatsbürgerschaft entziehen.

Abrechnung mit den Radikalen: AfD-Vize Henkel fordert Kurskorrektur

AfD-Vize Henkel fordert Kurskorrektur

Der interne Streit in der Alternative für Deutschland geht weiter: Nun rechnet AfD-Vize Hans-Olaf Henkel mit den Radikalen in der eigenen Partei ab und fordert einen klaren Kurs von der Führung.

Parlamentswahl am Sonntag: Zerreißprobe für die Ukraine

Zerreißprobe für die Ukraine

Heute wählt die Ukraine: Die Rechten gehen mit Parolen wie „Eine Atombombe und das Problem wäre gelöst“ auf Stimmenfang. Die Oligarchen kämpfen mit allen Mitteln um die Macht und der unruhige Osten wählt gar nicht erst.