Stimmen zur Arbietsmarktsituation
Pessimismus bei den Volkswirten

Die konjunkturelle Schwäche lastet weiter schwer auf dem Arbeitsmarkt. Da helfen aus Sicht von Volkswirten auch kleinere Schönheitsoperationen an der Statistik nichts.

HB FRANKFURT. Ökonomen sehen weiterhin keine durchgreifende Änderung der Gesamtsituation am Arbeitsmarkt. Auch wenn die Zahl der Arbeitslosen um knapp 38 000 zurückging und saisonbereinigt stagnierte, erwarten Beobachter eine Verbesserung der Situation frühestens Mitte kommenden Jahres. Denn der zwischenzeitliche Rückgang der saisonbereinigten Arbeitslosenzahl im Mai und Juni ist vor allem auf Einzelmaßnahmen im Zuge der Arbeitsmarktreformen zurückzuführen, deren Wirkung sich aber voraussichtlich in absehbarer Zeit wieder abschwächen wird. Die konjunkturelle Schwäche hingegen wirkt weiter belastend.

So weist Jörg Krämer von Invesco darauf hin, dass die derzeitige Stagnation der Lage vor allem erhöhten Abgängen aus Arbeitslosigkeit zuzuschreiben ist, wobei diese Personen aber keineswegs alle in Arbeit vermittelt werden, sondern zu einem großen Teil aufgrund eines verschärften Umgangs mit Leistungsempfängern schlicht aus der Statistik verschwinden. Diese Maßnahmen werden Krämer zufolge keine dauerhafte Wirkung entfalten, da der Anteil arbeitsunwilliger Personen begrenzt sei.

Insofern müsse im Herbst mit einem erneuten Anstieg der Arbeitslosenzahl gerechnet werden. Angesichts eines nur schwach anziehenden Wirtschaftswachstums in Deutschland prognostiziert Krämer eine weiter steigende Arbeitslosigkeit bis zum Ende des kommenden Jahres, die bereits im Januar 2004 die Fünf-Millionen-Grenze überschreiten werde.

Auch DekaBank-Experte Peter Leonhardt sieht die im August unbereinigt rückläufige Entwicklung der Arbeitslosenzahl allein unter dem Aspekt „des Abschiebens von registrierten Arbeitslosen in die 'Sonstige Nichterwerbstätigkeit'“. Selbst wenn sich die Hoffnungen auf eine verstärkte konjunkturelle Erholung im kommenden Jahr bewahrheiteten, werde der Arbeitsmarkt nur sehr schwerfällig reagieren. Saisonbereinigt erwartet Leonhardt bis zum Jahresende einen Anstieg der Arbeitslosenzahl auf 4,6 Mill. von derzeit 4,407 Millionen.

Pessimistisch blickt auch Andreas Rees von der HVB Group in die Zukunft. Für einen andauernden und nachhaltigen Aufschwung müsse sich eine Verbesserung des Geschäftsklimas, wie es sich im ifo- und dem Einkaufsmanager-Index niederschlage, in einer Aufhellung des Verbrauchervertrauens und einem anziehenden privaten Konsum niederschlagen.

Genau das sei aber wenig wahrscheinlich, da die am Arbeitsmarkt ergriffenen Maßnahmen lediglich Einmaleffekte entfalteten und damit weiter von einer Belastung des Konsumklimas durch die angespannte Arbeitsmarktlage auszugehen sei. Auch hinsichtlich der Steuererleichterungen im kommenden Jahr bleibt Rees skeptisch. Er bezweifelt, dass diese eine länger anhaltende Erholung der Konsumnachfrage auslösen können. +++ Christian Vits

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