Stimmt es, dass...
Senkt Wettbewerb den Benzinpreis?

Tankstellen müssen künftig ihre Benzinpreise an das Kartellamt melden. So soll mehr Wettbewerb unter den Benzinverkäufern entstehen. Wer aber auf niedrigere Preise hofft, wird enttäuscht werden.
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Die Situation ist unbefriedigend. Fast jeder geht davon aus, dass die Handvoll großer Tankstellenbetreiber, die den Markt dominieren, durch ausdrückliche oder stillschweigende Absprachen den Wettbewerb teilweise außer Kraft gesetzt haben. Selbst das Kartellamt hat in einer Marktanalyse 2011 festgestellt, dass der Wettbewerb nicht funktioniert. Die Hoffnung der Regierung ruht nun auf einer sogenannten Markttransparenzstelle, für die ein Gesetzentwurf bereits das Bundeskabinett passiert hat. Danach sollen künftig die über 14 000 Tankstellen in Deutschland ihre Einkaufspreise und alle Verkaufspreise an das Kartellamt melden.

Allzu große Hoffnungen, dass diese Meldestelle dem Kartellamt hilft, wettbewerbswidrige Preisgestaltungen zu unterbinden, sollte man aber nicht haben. So klagen die Betreiber freier Tankstellen, sie würden bei den Lieferkonditionen benachteiligt und durch Verkäufe der Konkurrenten unter Einstandspreis drangsaliert. Die großen Tankstellenbetreiber sind sogenannte vertikal integrierte Konzerne. Sie machen alles, von der Suche nach Ölquellen über die Förderung und die Raffinerie bis zum Tankstellengeschäft. Unter solchen Bedingungen ist es sehr schwer, den Nachweis zu führen, dass ein Konzern bestimmte Tankstellen unter Einstandspreis verkaufen lässt. Einstandspreise für Teileinheiten sind in solchen Konzernen keine objektiven Gegebenheiten, sondern Steuergrößen.

Die Hoffnungen richten sich daher eher darauf, dass man den Wettbewerb intensivieren kann, indem man den Autofahrern die gemeldeten Preisinformationen sofort verfügbar macht. Verdächtig ist aber, dass selbst die großen Tankstellenbetreiber dies fordern.

Die großen Ketten betreiben derzeit mit beträchtlichem Aufwand ihre eigenen Meldesysteme, gefüttert von den Tankstellenpächtern, die verpflichtet sind, mehrmals am Tag die Preise der Konkurrenten zu melden. Dabei sind diese nicht immer ganz ehrlich, weil sie Eigeninteressen haben. Wenn die Preisstrategen in den Konzernzentralen die Informationen frei Haus vom Kartellamt geliefert bekämen, wäre das eine Kostenersparnis und würde es ihnen ermöglichen, unliebsame Konkurrenz noch zielgenauer mit Kampfpreisen zu drangsalieren. Auch wenn sie sichergehen wollten, dass etwaige Absprachen zur Preisstrategie auch tatsächlich eingehalten werden, hülfe ihnen die Meldestelle.

Fazit: sehr hohe Spesen, aber außer einem Fleißkärtchen für Wirtschaftsminister Philipp Rösler nichts gewesen. Ohne den Willen, den großen Tankstellenbetreibern wehzutun und sie in ihrer Freiheit zur Wettbewerbsmanipulation zu beschränken, wird es nicht gehen.

Kommentare zu " Stimmt es, dass...: Senkt Wettbewerb den Benzinpreis?"

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  • Hallo,
    der Wähler kann auch zwischen schwarz, rot, grün, usw wählen. Eine echte Wahl hat er allerdings in keinem Fall.

  • Wettbewerb senkt die Preise wie bei den PKWs z.B?

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