Stimmung ist in Berlin anders als in München
Der Zorn der CSU verebbt

Horst Seehofer formt aus Daumen und Zeigefinger einen kleinen Ring. An beiden Händen tut er das, während die Scheinwerfer der Kameras ihn bestrahlen. Unwahrscheinlich gut sei die Stimmung in der CSU-Landesgruppe, sagt der designierte Agrarminister und CSU-Vize, „mehr als gut“. Was heißt mehr als gut? „Mehr als gut heißt sehr gut!“

BERLIN. Die CSU-Bundestagsabgeordneten haben an diesem Morgen mit ihrem Parteichef gesprochen, mit Edmund Stoiber, dem bayerischen Ministerpräsidenten, der nicht Wirtschaftsminister werden wollte in Berlin. Sie hatten den Chef zum Rapport bestellt, man hatte sich ungeheuer aufgeregt über Stoibers plötzlichen Rückzieher, und man hatte seinem Ärger ungezügelt Luft gemacht, wo immer sich ein Mikrofon fand. Und jetzt? Ist die Stimmung „mehr als gut“.

Vor den Abgeordneten wiederholt Stoiber das Argument, das so viel Kopfschütteln ausgelöst hatte: Mit dem Rückzug von SPD-Chef Franz Müntefering sei die „Statik“ der Koalition instabil geworden, deshalb habe er das Weite gesucht. Dann aber schlägt er einen Ton an, der offenbar einen Nerv trifft: die Sonderstellung der CSU. Die Christsozialen seien deshalb so einzigartig, weil sie mit ihrer absoluten Mehrheit in Bayern im Bund eine Sonderstellung beanspruchen können und mit dieser Sonderstellung wiederum ihre absolute Mehrheit in Bayern stabilisieren. „Bei allen Ämtern, die ich innehabe, ist die größte Herausforderung der Parteivorsitz“, sagt Stoiber. In dem Moment, wo bei der SPD der Parteichef nicht mehr im Kabinett sei und sich die Partei damit als eigenes Kraftzentrum etabliere, sei er zu dem gleichen Schritt gezwungen – und das Kraftzentrum der CSU liege nun einmal in München. Das scheint der Landesgruppe zu imponieren. Krawall will jetzt, vor der entscheidenden Koalitionsverhandlungsrunde, ohnehin keiner mehr.

In München freilich scheinen sich die Wogen nicht so schnell zu glätten wie in Berlin. Die Landtagsfraktion erwartet am Mittwoch seine Erklärung. Am Vortag legt Fraktionschef Joachim Herrmann noch einmal kräftig nach und geißelt Stoibers Hang zu „einsamen Entscheidungen“: Bisherige Gespräche mit Stoiber über eine bessere Kommunikation hätten „immer nur für relativ kurze Zeit“ vorgehalten. „Dieses Hoppla-Hopp, das sind doch die Dinge, die die Akzeptanzprobleme geschaffen haben.“

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