"Stoiber und Oettinger verhalten sich wie süddeutsche Separatisten"
Ost-CDU-Politiker keilen zurück

Jetzt wehren sich ostdeutsche CDU-Politiker gegen die Äußerung ihrer süddeutschen Kollegen Stoiber und Oettinger. Als "verantwortungslos" kritisierte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck die Äußerungen; der Innenminister des Landes, Jörg Schönbohm, meint, Stoiber solle ihnen "nicht in die Quere kommen".

HB BERLIN/POTSDAM. Platzeck hat CSU-Chef Edmund Stoiber vorgeworfen, seine Äußerungen zur Rolle der Ostdeutschen seien "verantwortungslos und unpatriotisch". In seine Kritik bezog er Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) ein. "Die Kollegen Stoiber und Oettinger verhalten sich wie süddeutsche Separatisten", sagte Platzeck der "Welt am Sonntag". "Sie wollen und können die Menschen in Ostdeutschland nicht verstehen", sagte Platzeck. "Ich fürchte, dass hier Dinge ins Rutschen kommen." Stoiber hatte auf einer Wahlkampfveranstaltung erklärt, er könne nicht akzeptieren, "dass letzten Endes erneut der Osten bestimmt, wer in Deutschland Kanzler wird". Es dürfe "nicht sein, dass letztlich die Frustrierten über das Schicksal Deutschlands bestimmen". Oettinger hatte sich ähnlich geäußert.

Auch Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) hat den CSU-Vorsitzenden Edmund Stoiber für die Äußerungen zum Wahlverhalten der Ostdeutschen scharf angegriffen. Die Aussagen Stoibers seien schlimm, sagte Schönbohm der "BZ am Sonntag". Zugleich mahnte er den CSU-Politiker, der sich 2002 im Kampf um die Kanzlerkandidatur der Union gegen die CDU-Vorsitzende Angela Merkel durchgesetzt hatte, zur Zurückhaltung: "Es wäre am besten, wenn sich Edmund Stoiber so loyal verhalten würde wie Angela Merkel vor drei Jahren." Die Union habe noch fünf Wochen Zeit, den "Flurschaden zu beheben". "Stoiber soll nachdenken, was er gemacht hat."

"Ich habe ja selber auch erfahren, dass die Ostdeutschen aus vielen Gründen anders empfinden", sagte Schönbohm. Das müsse man berücksichtigen. Stoiber solle sich um die Bundestagswahl in den alten Ländern kümmern. "Wir kümmern uns um die neuen Länder. Dabei sollte er uns nicht in die Quere kommen", warnte er. Schönbohm war zuletzt selbst wegen Äußerungen zu den Folgen des DDR-Systems in die Kritik geraten. Schönbohm, der auch CDU - Präsidiumsmitglied ist, hatte das SED-Regime und dessen "erzwungene Proletarisierung" als eine Hauptursache für Werteverlust und Gewaltbereitschaft im Osten des Landes genannt. Anlass war der Fund von neun Babyleichen in Brieskow-Finkenheerd bei Frankfurt (Oder). Die 39-jährige Mutter wird verdächtigt, die Kinder umgebracht zu haben.

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