Stoiber verantwortet sich in Bayern vor der Landtagsfraktion
Mit der „Edikratie“ soll jetzt Schluss sein

So hatte es in der CDU-Landtagsfraktion in München schon seit vielen Jahren nicht mehr gekracht. 40 Abgeordnete ergriffen bei der Fraktionssitzung am Mittwoch das Wort und lasen Büßer Edmund Stoiber ordentlich die Leviten.

HB MÜNCHEN. Fünf Stunden dauerte die Krisensitzung – fast ein Demokratieschock für die sonst mit harter Hand geführte CSU-Bayern-Riege. Eine Viertelstunde lang hatte sich Stoiber zu Beginn für seine missglücktes Berlin-Abenteuer verteidigt. Er könne doch der Bevölkerung nicht seine parteitaktischen und parteistrategischen Gründe erläutern, rechtfertigte sich der Bayern-Premier nach Teilnehmerangaben. Die Fraktion überzeugte Stoibers Auftritt nicht. „Das war eine Themaverfehlung“, zürnte ein Abgeordneter. „Er hat es verpasst, die Leute menschlich anzusprechen und nicht als Parteitechnokrat.“

„So etwas habe ich noch nicht erlebt“, staunte auch Bayerns Ex-Justizminister Alfred Sauter über das Ausmaß des Gewitters. Da nähmen selbst einfache Abgeordnete kein Blatt mehr vor den Mund. Einer habe Stoiber „richtig zur Sau gemacht.“ Wie Sauter selbst: „Edmund, du hast den Bayern ihren Stolz genommen und dem Freistaat seinen Nimbus“, sagt Stoibers schärfster Kritiker.

Schuld an dem Trommelfeuer war Stoiber offenbar selbst: Die Fraktion will seinen autoritären Führungsstil die nicht mehr akzeptieren. Zunächst kam kein Wort des Bedauerns über die missliche Lage der CSU über seine Lippen. Immer wieder der blätterte der Bayern-Regent obendrein in seinen geliebten Akten. „Das beweist, er hat keinen Respekt vor uns“, erregte sich eine Abgeordnete.

Erst am Ende der Krisensitzung räumte Stoiber Fehler ein – und stellte dann am Abend vor der Presse die allseits erwartete Demut zur Schau. Die CSU-Landtagsfraktion sei ein wirksamer Seismograf für die Stimmungen in der bayerischen Bevölkerung, schmeichelte Stoiber den Fraktionsmitgliedern. Diesen Seismografen werde er nun wieder „in viel größerer Weise nutzen.“ Er leide doch selber „wie ein Hund“ darunter, dass das Ansehen der CSU zuletzt gelitten habe. Umso mehr, so Stoiber, sei er „sehr beeindruckt , sehr bewegt und sehr zufrieden über die Loyalität meiner Fraktion.“

Seite 1:

Mit der „Edikratie“ soll jetzt Schluss sein

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%