Strafbarkeit von Kinderpornografie
Wo ist die Grenze?

Der SPD-Politiker Edathy soll Kinder-Nacktfotos gekauft haben. Deren Besitz ist in Deutschland nicht strafbar. Doch die Linie zwischen legal und illegal verläuft fließend. Der Ruf nach schärferen Gesetzen wird lauter.
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BerlinDie Debatte über politische Konsequenzen aus der Affäre um Sebastian Edathy hat den eigentlichen Ausgangspunkt des Falls in den Hintergrund rücken lassen: Die Suche der Ermittler nach Hinweisen auf kinderpornografisches Material in Edathys Wohnung und Büroräumen. Wenige Tage später teilte die Staatsanwaltschaft Hannover offiziell mit, dass gegen Edathy wegen des Verdachts des Besitzes von Kinderpornografie ermittelt wird.

Die Untersuchungen laufen, doch die Debatte über eine Verschärfung der Gesetze gegen Kinderpornografie ist bereits voll entbrannt. „Der Fall Edathy zeigt klar, dass es hier eine Gesetzeslücke gibt“, sagt Johannes-Wilhelm Rörig, Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung, in der „Welt“. Diese Lücke müsse geschlossen werden: „Wenn Darstellungen von Kindern erzeugt werden, um sexuelle Interessen von Erwachsenen zu befriedigen, muss dies im Sinne eines besseren Kinderschutzes strafrechtlich sanktioniert werden.“

Nach Erkenntnissen der Ermittler hat Edathy zwischen Oktober 2005 und Juni 2010 neun Mal im Onlineshop eines kanadischen Unternehmens insgesamt 31 Filme und Fotosets von unbekleideten Jungen zwischen neun und 14 Jahren bestellt. Diese seien „in vermeintlich natürlichen Lebensposen wie beim Spielen“ zu sehen, „aber alle in Bezug zu den Genitalien“, erläuterte der Leiter der Staatsanwaltschaft Jörg Fröhlich. Nach Einschätzung des Bundeskriminalamts handelt es sich um Material der „Kategorie zwei“.

Im Strafrecht wird bei Kinderpornografie zwischen Kategorie eins und Kategorie zwei unterschieden. Bei Kategorie zwei sind nackte Kinder, aber nicht explizit ihre Genitalien im Fokus. Solche Aufnahmen sind nach derzeitiger Gesetzeslage nicht strafbar. Bei Kategorie eins handelt es sich um strafbares kinderpornografisches Material.

Kommentare zu " Strafbarkeit von Kinderpornografie: Wo ist die Grenze?"

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  • @Heidi
    Nachtrag: Sie fragen: "Aber sollte man deshalb vorsorglich allen Männern den Schwanz abschneiden? Oder eine Gedankenpolizei aus der Taufe heben? "
    2 x nein. Die Gedanken sind frei!
    ABER: Der Verkauf und der Erwerb von Bildern nackter Kinder hat NICHTS mit Gedankenfreiheit zu tun. Verkauf und Erwerb von Bildern nackter Kinder sind verwerflich, weil sie die Würde der Kinder verletzen und sind deshalb unter Strafe zu stellen.
    KINDER sind MENSCHEN, auch wenn deren Eltern sich wie Schweine verhalten.

    Wenn ich meinen Chef umbringen möchte, kann ich mir das in allen Detail vorstellen ohne mich strafbar zu machen. Aber dabei muss es auch bleiben.

  • @Heidi
    Sie fragen, " wo ist der Geschädigte?"
    Sind Sie so naiv oder tun Sie nur so?
    Ist die Verletzung der Würde der Kinder für Sie so etwas wie Sachbeschädigung?
    Wollen oder können Sie die grundsätzliche Dimension der Problematik nicht verstehen?

  • Steuerzahler fragt: "Wer von euch, die Kinder haben hat KEIN Problem mit dem Gedanken, dass erwachsene Männer sich beim Anblick eurer nackten Kinder selbst befriedigen könnten?"

    Zugegeben ein beklemmender Gedanke. Aber sollte man deshalb vorsorglich allen Männern den Schwanz abschneiden? Oder eine Gedankenpolizei aus der Taufe heben?

    Ist's da nicht naheliegender den normalen Menschenverstand einzuschalten? Wenn mich/meine Kinder jemand exzessiv photographiert - dann würde ich den Betreffenden halt einfach zur Rede stellen und ihn mit Verweis auf mein Recht auf's eigene Bild die Herausgabe/Löschung verlangen.
    Würde ich irgendwelche Bilder veröffentlicht finden - gäbe es halt eine entsprechende Unterlassungsklage mit Schadenersatzforderung.

    Weil soviel Menschenverstand (fast) Jeder hat - handelt es sich bei diesen FKK-Produktionen aber auch gerade nicht um irgendwelches "heimlich gedrehtes Material vom Strand" sondern um Aufnahmen die mit Einverständnis der beteiligten Buben und ihrer Eltern erstellt worden sind.
    Da mag man sich nun freilich fragen wie diese Eltern über den Aspekt "fremder onanierender Männer" denken - ich vermute mal ganz pragmatisch dass diese Bedenken mit entsprechenden Honorarzahlungen aus der Welt geschaffen wurden.

    Damit steht eigentlich nur noch eine Frage im Raum: Wo ist der Geschädigte? Das Moralempfinden? Die Rechtsordnung?

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