Strafbarkeit von Kinderpornografie

Wo ist die Grenze?

Der SPD-Politiker Edathy soll Kinder-Nacktfotos gekauft haben. Deren Besitz ist in Deutschland nicht strafbar. Doch die Linie zwischen legal und illegal verläuft fließend. Der Ruf nach schärferen Gesetzen wird lauter.
17 Kommentare
Sebastian Edathy: Gegen den SPD-Politiker wird wegen des Verdachts des Besitzes von Kinderpornografie ermittelt. Quelle: dpa

Sebastian Edathy: Gegen den SPD-Politiker wird wegen des Verdachts des Besitzes von Kinderpornografie ermittelt.

(Foto: dpa)

BerlinDie Debatte über politische Konsequenzen aus der Affäre um Sebastian Edathy hat den eigentlichen Ausgangspunkt des Falls in den Hintergrund rücken lassen: Die Suche der Ermittler nach Hinweisen auf kinderpornografisches Material in Edathys Wohnung und Büroräumen. Wenige Tage später teilte die Staatsanwaltschaft Hannover offiziell mit, dass gegen Edathy wegen des Verdachts des Besitzes von Kinderpornografie ermittelt wird.

Die Untersuchungen laufen, doch die Debatte über eine Verschärfung der Gesetze gegen Kinderpornografie ist bereits voll entbrannt. „Der Fall Edathy zeigt klar, dass es hier eine Gesetzeslücke gibt“, sagt Johannes-Wilhelm Rörig, Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung, in der „Welt“. Diese Lücke müsse geschlossen werden: „Wenn Darstellungen von Kindern erzeugt werden, um sexuelle Interessen von Erwachsenen zu befriedigen, muss dies im Sinne eines besseren Kinderschutzes strafrechtlich sanktioniert werden.“

Nach Erkenntnissen der Ermittler hat Edathy zwischen Oktober 2005 und Juni 2010 neun Mal im Onlineshop eines kanadischen Unternehmens insgesamt 31 Filme und Fotosets von unbekleideten Jungen zwischen neun und 14 Jahren bestellt. Diese seien „in vermeintlich natürlichen Lebensposen wie beim Spielen“ zu sehen, „aber alle in Bezug zu den Genitalien“, erläuterte der Leiter der Staatsanwaltschaft Jörg Fröhlich. Nach Einschätzung des Bundeskriminalamts handelt es sich um Material der „Kategorie zwei“.

Im Strafrecht wird bei Kinderpornografie zwischen Kategorie eins und Kategorie zwei unterschieden. Bei Kategorie zwei sind nackte Kinder, aber nicht explizit ihre Genitalien im Fokus. Solche Aufnahmen sind nach derzeitiger Gesetzeslage nicht strafbar. Bei Kategorie eins handelt es sich um strafbares kinderpornografisches Material.

„Wir müssen die Händlerringe zerschlagen“
Seite 1234Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Strafbarkeit von Kinderpornografie - Wo ist die Grenze?

17 Kommentare zu "Strafbarkeit von Kinderpornografie: Wo ist die Grenze?"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @Heidi
    Nachtrag: Sie fragen: "Aber sollte man deshalb vorsorglich allen Männern den Schwanz abschneiden? Oder eine Gedankenpolizei aus der Taufe heben? "
    2 x nein. Die Gedanken sind frei!
    ABER: Der Verkauf und der Erwerb von Bildern nackter Kinder hat NICHTS mit Gedankenfreiheit zu tun. Verkauf und Erwerb von Bildern nackter Kinder sind verwerflich, weil sie die Würde der Kinder verletzen und sind deshalb unter Strafe zu stellen.
    KINDER sind MENSCHEN, auch wenn deren Eltern sich wie Schweine verhalten.

    Wenn ich meinen Chef umbringen möchte, kann ich mir das in allen Detail vorstellen ohne mich strafbar zu machen. Aber dabei muss es auch bleiben.

  • @Heidi
    Sie fragen, " wo ist der Geschädigte?"
    Sind Sie so naiv oder tun Sie nur so?
    Ist die Verletzung der Würde der Kinder für Sie so etwas wie Sachbeschädigung?
    Wollen oder können Sie die grundsätzliche Dimension der Problematik nicht verstehen?

  • Steuerzahler fragt: "Wer von euch, die Kinder haben hat KEIN Problem mit dem Gedanken, dass erwachsene Männer sich beim Anblick eurer nackten Kinder selbst befriedigen könnten?"

    Zugegeben ein beklemmender Gedanke. Aber sollte man deshalb vorsorglich allen Männern den Schwanz abschneiden? Oder eine Gedankenpolizei aus der Taufe heben?

    Ist's da nicht naheliegender den normalen Menschenverstand einzuschalten? Wenn mich/meine Kinder jemand exzessiv photographiert - dann würde ich den Betreffenden halt einfach zur Rede stellen und ihn mit Verweis auf mein Recht auf's eigene Bild die Herausgabe/Löschung verlangen.
    Würde ich irgendwelche Bilder veröffentlicht finden - gäbe es halt eine entsprechende Unterlassungsklage mit Schadenersatzforderung.

    Weil soviel Menschenverstand (fast) Jeder hat - handelt es sich bei diesen FKK-Produktionen aber auch gerade nicht um irgendwelches "heimlich gedrehtes Material vom Strand" sondern um Aufnahmen die mit Einverständnis der beteiligten Buben und ihrer Eltern erstellt worden sind.
    Da mag man sich nun freilich fragen wie diese Eltern über den Aspekt "fremder onanierender Männer" denken - ich vermute mal ganz pragmatisch dass diese Bedenken mit entsprechenden Honorarzahlungen aus der Welt geschaffen wurden.

    Damit steht eigentlich nur noch eine Frage im Raum: Wo ist der Geschädigte? Das Moralempfinden? Die Rechtsordnung?

  • Wo ist die Grenze?
    Das kann ich Ihnen für einen gewählten Volksvertreter genau sagen: Wer sich an Nacktbildern von Jungen aufgeilt, hat sie weit überschritten. Es geht doch hier nicht um die ausschließliche Betrachtung dieser schmutzigen Sache nur aus juristischer Sicht. Es ist einfach stil- und würdelos, was Edathy sich geleistet hat. Es geht auch nicht um die feine Differenzierung zwischen "posing" und Kinderpornografie, die jetzt immer wieder für "Laien" herangezogen wird.
    Der Normalbürger - und damit der Wähler - hält die ganze Chose für eine Riesensauerei und Herrn Edathy für einen uneinsichtigen Lügner, der zu allem Übel auch noch von anderen gewarnt wurde.
    Und zum Schluss: Wer denkt eigentlich an die betroffenen Kinder? Hört man da was aus Berlin?? Eben!

  • Das Problem sind doch längst auch hier mit heisser Nadel gestrickte Gesetze. Es mag zwar beklemmend sein zu wissen dass sich manche Menschen an Darstellungen sexuell erregen welche in jedem Familienalbum zu finden sind - diese Beklemmung ist aber ebensowenig ein Grund normale Nacktfotos oder FKK-Filme zu poenalisieren oder eine Art "Gedankenpolizei" zu installieren.

    Die Gesetze gegen Kinderpornographie sollten ja nicht dazu dienen Menschen mit grenzwertigen Vorlieben dingfest zu machen - sondern sie sollen Kinder namentlich davor schützen sexuell ausgebeutet zu werden.
    Dies ist einerseits mit dem Verbot von Kinderpornographie zu erreichen - wobei man sich aber mit Blick auf den Aspekt der Pornographie aber auch an der allgemeinen Vorstellung von "(Erwachsenen)pornographie" orientieren sollte.
    Darstellungen wie sie selbst im Museum des Vatikans hängen - oder in jedem Familienalbum zu finden sind - können nicht schon den Tatbestand der Pornographie erfüllen.

    Für alle weiteren Aspekte zum Schutz der Kinder bzw. Familien haben wir das Zivilrecht. Natürlich will Niemand dass er oder seine Kinder in irgendwelchen FKK-Filmchen verbreitet/vermarktet werden. Aber dagegen gibt es das Recht auf das eigene Bild und den zivilen Klageweg. Und hier wäre sogar noch zu ergänzen dass dieser Gedanke sogar mehr Kinderschutz bedeutet. Denn gerade mit Blick auf das Recht am eigenen Bild müßten sich selbst Eltern mitunter besser überlegen ob sie irgendwelche Nacktbilder ihrer Kinder einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen wollen - oder darauf mit blick auf mögliche Regressforderungen der Kinder lieber verzichten.

  • Wer von euch hat Kinder?

    Wer von euch, die Kinder haben hat KEIN Problem mit dem Gedanken, dass erwachsene Männer sich beim Anblick eurer nackten Kinder selbst befriedigen könnten?

    Ich habe Kinder. Ich liebe sie mehr als mich selbst und ich habe ein massive Problem mit dieser Vorstellung

    Stellt euch vor, EURE Kinder wären Herrn Edathys W...vorlage.

    Auch all die Kinder auf deren Bilder sich Herr Edathy selbst befriedigt hat haben Mütter und Väter. Auch sie haben Eltern, die ihre Kinder lieben, sie vor allem Bösen in der Welt beschützen möchten.

    Kindern, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Rasse oder Religion, gebührt Elternliebe, Aufmerksamkeit, Hinwendung, Förderung und vor allem Schutz durch die Gemeinschaft.

    Erwachsene, die sich mit Hilfe von Kindern sexuell befriedigen, ob durch Fotos oder durch Taten, sind gefährlich fehlorientiert und gehören therapiert oder endgültig weggesperrt.

    Bei Fotos nackter Kinder macht es keinen Unterschied, ob die Kinder spielen, planschen oder ihre Genitalien exponieren.
    Es sind KINDER und sie werden für die Erstellung von W...vorlagen MISSBRAUCHT.
    Sie werden missbraucht, weil kriminelle Erwachsene damit viel Geld verdienen.

    Ich kann nur an jeden Foristen appellieren, der ein irgendwie geartetes Verständnis für diese Art der Sexualität empfindet, sich vorzustellen, dass eines der KInder auf den Fotos des Herrn Edathy sein Kind wäre.

    Herr Edathy ist TOTAL KRANK. Er gehört zum Schutz der Gemeinschaft dringendst in Therapie, aber mit Sicherheit NICHT in den Bundestag.

  • Es ist doch ein Unterschied, ob Eltern ihre nacken kleinen Kinder im Garten beim Spilen, Baden etc. fotografiren. as sit fürs Familienalbung
    Wenn aber, wie gestern im TV zu sehen, in Rumänien oder sonstwo gezielt Jungen ausgesucht werden zwischen 9 und 14 Jahren um sie nackt zu fotografieren, die Bilder dann ins Netz zu stellen und zu verkaufen, dann sollte das strafbar sein.
    Der Weg zu pornografischn Fotos ist ja nur noch gering.
    Außerdem sollte mal hingterfragt wrden, was das für Männr sind, die solche Fotos kaufen?
    Das kranke, abartige Typen

  • Eigentlich ist die strafrechtliche Einordnung nicht so schwierig, sollte sie jedenfalls nicht sein.

    So kann bei Nacktfotos von Kindern festgestellt werden, dass der Voyeur keinen familiären oder sonstigen privaten Bezug zu diesen Kindern hat. Der Voyeur kennt diese Kinder nicht. Anders ist es bei Verwandten oder Freunden der Familie, die ihre spielenden Kinder im Urlaub fotografieren und an Verwandte oder Freunde versenden. Im Falle von Fotos bei Kindern, die an Dritte versendet werden, besteht kein entsprechendes Verhältnis: weder verwandtschaftlich noch freundschaftlich.

    Der Voyeur kauft diese moralisch verwerflichen Bilder auch, oder legt sich einen Computer mit Internetanschluss zu. Der Voyeur investiert also in Sachen, die ihm den Zugang zu Bildmaterialien ermöglichen. Er investiert entweder über Mittelsmänner, die er durch direkten Kontakt kennt oder in Telekommunikationsgesellschaften, die ihm den Gebrauch von Kinderbildern mit Kindern, die der Voyeur nicht selbst kennt,über die Bereitstellung eines funktionierenden Internetzugangs, ermöglichen.

    Bis hierhin kann also einerseits festgestellt werden, dass kein verwandtschaftliches oder freundschaftliches Verhältnis zu den Eltern der Kinder besteht und andererseits muss sich der Voyeur Zugang zu Bildern verschaffen, was den Kauf oder die Inanspruchnahme von Dienstleistungen voraus setzt.

    Die Kinder oder Jugendliche können sich nicht gegen diese Bilder wehren. Ähnlich wie beim Drogenkonsum kann nicht gesagt werden, dass ja keiner merken würde, was da passiert, wenn man den Tatbestand nicht öffentlich machen würde. Eine Familie besteht aus einem Elternpaar und mindestens einem Kind, und nicht etwa aus einem erwachsenen Mann und Nacktfotos von Kindern oder Jugendlichen.

    Dass das Bild als abstrakte Sache an sich irgendwo zwischen Naturabbildungen, Urlaubserinnerungen, Gewaltverherrlichung und Geschichtsverfälschungen fungiert , zeigt das Bild an sich eben auch in einer strafbaren Rolle:SS-Rune;81;Textfotos.

  • Ein Milliardengeschäft...
    Umsonst gibt es da nur den häufigen Mißbrauch von Kindern in der Familie,an denen sich seit Jahrtausenden,
    der männliche Clan vergreift.
    Oder aber,man macht es wie einige Länder dieser Welt,
    wo man ganz legal,als alter Knacker sechsjährige
    ehelicht..
    Oder guckt nach Afrika,wo im sekundentakt ein Kind

    mißbraucht wird.



    Diese männliche Abart,läßt sich nicht per Gesetz
    abstellen.
    Hier handelt es sich um millionen Männer weltweit.
    Die einzige Lösung,liegt nicht bei den Frauen und
    den Kindern,sondern sollte ein Stigma unter Männern
    sein
    Hier muß der Mann den Mann sozialisieren,damit er
    seine Begierden,anders kanalisiert.
    Womit wir bei dem milliardengeschäft der Prostitution wären und dem Frauenhandel.
    Auch hier,hat der Drang des ständigen Geilseins der
    Pornoindustrie und dem Rotlichtmilieu Vorschub geleistet.

    Ergo,man kann seine Kinder nicht vor dem Manne
    schützen..
    Seine Biologie ist zu abhängig von seinem Zipfel.

  • Mir tritt bei aller berechtigten Entrüstung zu diesem Thema der Umgang mit Tätern zu sehr in den Hintergrund.
    Siehe dazu diesen Artikel: http://www.spiegel.de/spiegel/a-440934.html
    Ich habe nach diesem Artikel, so weltfremd es auch klingt, auch mit den Tätern Mitleid, weil sie genau wissen, dass es auch bei "freiwilligen" sexuellen Handlungen schädlich für's Kind ist, und die Pädos aus diesem Grund psychische Probleme kriegen, wenn sie es zu unterdrücken versuchen.
    Für mich besteht der bestmögliche Umgang mit Pädos darin, dass man mit ihnen so human wie möglich umgeht, wobei die absolute Grenze hierbei jedoch darin liegen muss, dass sexueller Missbrauch von Kinder so gut wie möglich verhindert wird.
    Heißt also gesellschaftliche Ächtung von sexuellem Missbrauch und Kinderpornos, aber keine Diskriminierung im Sinne von den Täter aus der Gesellschaft ausschließen. Denn wir wissen alle, dass Isolierung zu psychischen Problemen führt, wenn sie länger andauert.
    Ich halte das zwar für höchst unmoralisch, kann aber auf niemand aufgrund einer angeborenen Eigenschaft sauer sein.

    Habe mal gelesen, eine gute Methode ist auch – so unmenschlich es auch klingt – die Kastration, weil der Sexualtrieb damit flöten geht, genauso wie Testoteron, das in den Hoden erzeugt wird.
    Vermutlich bei Leuten die immer wieder rückfällig werden und daher sonst nicht aus der Haft freikommen. Vielleicht auch, weil sie keine Therapie versucht haben.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%