Straßenumbenennung in Berlin
Dutschke nimmt Springer die Vorfahrt

Springer gegen Dutschke - in Berlin sorgt die Umbennung einer Kreuzberger Straße für Aufsehen. Die Bezirksverteter beschlossen jetzt die Umbenennug eines Teiles der Kochstraße in "Rudi-Dutschke-Straße". Eine Schmach für die Axel Springer AG. Denn ihr Verlagshaus liegt nur wenige Meter entfernt.

HB BERLIN. Nach monatelangem Streit wird damit einer der Anführer der Studentenbewegung der 60er Jahre geehrt. Die Initiative dazu war im Dezember 2004 von der „tageszeitung“ (taz) ausgegangen. Deren Verlagsgebäude befindet sich in der Kochstraße und ist bereits nach Dutschke benannt. Brisanz erhielt die Diskussion dadurch, dass nur wenige 100 Meter von der „taz“ entfernt an der Kochstraße das Verlagshaus der Axel Springer AG liegt.

Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre hatte Dutschke maßgeblich die Studentenproteste gegen den angeblichen Missbrauch der Medienmacht des Springer-Konzerns organisiert, der seinerseits mit einer Kampagne gegen Dutschke und die studentische Bewegung antwortete. Schlagzeilen wie "Unruhestifter unter Studenten ausmerzen" und "Jetzt wird aufgeräumt" führten zu einer weiteren Eskalation, die schließlich aus Sicht der damaligen Demonstanten in dem Attentat auf Dutschke gipfelte.

Springer erklärte am Dienstag, die Kontroversen von damals müssten in zeitlichem Kontext gesehen werden. Die demokratische Entscheidung der Umbenennung werde „selbstverständlich respektiert“, sagte Unternehmenssprecherin Edda Fels. Sie fügte hinzu: „Allerdings halten wir es für bedauerlich, dass die Kochstraße trotz ihrer historischen Rolle im Zeitungsviertel nun an Bedeutung verliert.“

Anlass für die Initiative der „taz“ war Dutschkes 25. Todestag. Der führende Kopf der einstigen Außerparlamentarischen Opposition (APO) war am 24. Dezember 1979 an den Spätfolgen eines Attentats vom 11. April 1968 gestorben. Bisher trägt nur ein kleiner Weg auf dem Gelände der Freien Universität (FU) Berlin, der in Stadtplänen nicht verzeichnet ist, Dutschkes Namen.

taz: "Historische Gerechtigkeit"

Die „taz“ begrüßte die Umbenennung. Der stellvertretende „taz“- Chefredakteur Peter Unfried sagte: „Es ist eine historische Gerechtigkeit, dass nun die kleine Axel-Springer-Straße in die große Rudi-Dutschke-Straße mündet.“ Die Entscheidung zeige, dass die Gesellschaft weiter sei, als es aufgeregte Diskussionen um die 68er- Bewegung vermuten ließen. Für den Verlagsgründer Axel Springer war 1996 eigens ein Straßenstück am Konzernsitz umbenannt worden, das seitdem seinen Namen trägt.

Nach Verwaltungsangaben hatten die Bezirksverordneten von Friedrichshain-Kreuzberg mit 26 zu 21 Stimmen für die Umbenennung gestimmt. Der Antrag war von der Linkspartei eingebracht und von den Grünen unterstützt worden. CDU und SPD waren dagegen. Die CDU kritisierte, die Meinung der Anwohner sei ignoriert worden.

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